Stand: 04.06.2019 22:30 Uhr  - Visite  | Archiv

Chat-Protokoll: Muskelkrämpfe

Dr. Dirk Czesnik¸ Facharzt für Neurologie.
Dr. Dirk Czesnik hat im Visite Chat Fragen zum Thema Muskelkrämpfe beantwortet.

Viele Menschen werden regelmäßig von Muskelkrämpfen gequält. Meist verkrampfen sich die Muskeln nachts: Beine oder Arme schmerzen, an Schlaf ist nicht zu denken. Die erste Wahl sind dann meistens Magnesium-Tabletten, die aber in vielen Fällen nicht dauerhaft helfen.

Durch moderne Untersuchungsverfahren können die Ursachen von Muskelkrämpfen inzwischen besser erkannt und neue Möglichkeiten der Therapie angeboten werden.

Der Neurologe Dr. Dirk Czesnik von der Universitätsmedizin Göttingen hat im Visite Chat Fragen zum Thema Muskelkrämpfe beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Marta: Meine Oma und meine Mutter haben starke Krämpfe, die bis zur Bewusstlosigkeit führen. Ich habe sie seit der Kindheit in den Beinen. Die schlimmsten Schmerzen sind aber jetzt die Verkrampfungen der inneren Organe. Was tun? Ärzte fanden bisher keine Linderungsmöglichkeiten.

Dr. Dirk Czesnik: Aller Wahrscheinlichkeit nach leiden Sie an einem familiären Krämpfesyndrom. Ich würde empfehlen, eine erbliche Neuropathie beim Neurologen / Neurogenetiker ausschließen zu lassen. Therapeutisch würde ich Ihnen aufgrund der Schwere zu regelmäßiger Physiotherapie und gegebenenfalls auch zu einer Dauermedikation raten.

ABC: Immer nach heftigen, lebhaften Träumen habe ich starke schmerzhafte Krämpfe in den Beinen und Füßen. Nach ausführlichen Untersuchungen (auch MRT) eines Neurologen wurde mir Madopar-Depot (Hartkapseln) verschrieben. Nach vier Monaten muss ich sagen: keine Veränderung. Seit einer Woche habe ich die mir verordneten Cholesterin-Tabletten von der Abendeinnahme in den Morgen verschoben. Ein neuer Versuch?

Czesnik: Da die Muskelkrämpfe mit den Schlafstadien korrelieren könnten, würde ich Ihnen die Aufnahme in ein neurologisches Schlaflabor empfehlen. Dort kann dann auch eine Therapie getestet werden.

Julia: Meine Tochter, 16 Jahre, spielt hobbymäßig Fußball. Sie bekommt schon nach kurzer Belastung Schmerzen in den Waden. Die Zehen sind wie taub und an den Beinen hat sie Druckschmerz. Das seit einem Jahr. Magnesium und ähnliches hilft nicht. Neurologen nehmen erst ab 18 Jahren auf.

Czesnik: Ich würde Ihnen die Vorstellung in einer neuropädiatrischen Abteilung oder Klinik empfehlen.

Jasmin: Ich nehme jeden Tag eine Brausetablette mit Magnesium, seitdem habe ich keine Krämpfe mehr. Schadet die dauerhafte Einnahme von Magnesium meinem Körper auf lange Sicht?

Czesnik: Nein, wenn Sie es vertragen, schädigt es nicht.

Inga: Ich habe häufig nachts Muskelkrämpfe in den Zehen, im Schienbeinbereich oder in den hinteren Oberschenkeln. Dehnen ist nicht gut möglich. Wie kann ich diese schmerzhaften Krämpfe beenden?

Czesnik: Sie können sich Dehnübungen mit Hilfe eines Physiotherapeuten erarbeiten.

Frauke: Können Muskelkrämpfe eine Nebenwirkung von Medikamenten sein?

Czesnik: Ja, Fettsenker und Blutdrucksenker können vor allem Muskelverkrampfungen auslösen.

Beatrice: Ich habe Krämpfe zwischen den Rippenbögen. Was kann ich dagegen tun?

Czesnik: Ich empfehle Ihnen eine differenzierte neurologische Abklärung.

Frauke: Hilft Brühe vor dem Sport gegen Wadenkrämpfe?

Czesnik: Brühe enthält Gewürze und vor allem Elektrolyte. Diese sind zumindest im Blut nach Leistungssport nicht verändert, sodass eine Wirkung nicht zu erwarten wäre.

K: Bei mir treten die Muskelkrämpfe bei aufkommendem Gewitter beziehungsweise höherer Luftfeuchtigkeit eher und stärker auf. Ist das nur Zufall oder gibt es dazu eine Erklärung? Leider hat weder Magnesium noch Limptar geholfen. Welche Alternativen gibt es noch?

Czesnik: Äußere Einflüsse können neurologische Symptome verstärken - zum Beispiel bei Migräne (Wetterwechsel) und Epilepsie (Schlafrhythmusverschiebung). Mir ist das, was Sie beschreiben, nicht bekannt, aber es wäre durchaus denkbar.

Elhi: Ich habe Polio und leide insbesondere in der geschädigten Muskulatur unter Krämpfen. Ich nehme Magnesium, denke aber, dass dies nicht viel bringt. Hätten Sie eine bessere Idee?

Czesnik: In Ihrem Fall würde ich eine Dauermedikation mit einem Antiepileptikum empfehlen. Da es sich hierbei allerdings um eine Off-Label-Therapie handelt, ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse nicht gesichert.

Klaus: Begünstigen oder verursachen Statine Beinkrämpfe? Und gibt es Statine, die das weniger tun als andere?

Czesnik: Es ist nicht klar, ob sie begünstigen oder verursachen. Ja, ich würde zu einem Wechsel des Statins raten, weil andere Statine eventuell keine Krämpfe verursachen oder begünstigen.

Melissa: Seit über einem Jahr leide ich - immer tagsüber - unter sporadisch auftretenden Muskelkrämpfen in den Händen (seltener in den Füßen, sehr selten in den Waden). In verschiedenen Muskeln, zum Beispiel im Zeigefinger, Mittelfinger, an der Handkante. Diese treten an manchen Tagen verstärkt auf, bei Tätigkeiten wie mit der Schere schneiden, im Büro mit der Hand etwas notieren, ein Glas aufschrauben. Meine Hausärztin hält es nicht für wichtig, dem nachzugehen. Magnesium ändert nichts. Was kann ich tun?

Czesnik: Bei Ihnen ist eine neurologische Vorstellung ratsam. Ursachen für Ihre Beschwerden könnten Muskelkrämpfe oder auch eine Dystonie sein. Die Behandlung wäre unterschiedlich.

Pit: Gibt es Erfahrungen mit CBD-Öl (Cannabidiol Öl, Anmerkung der Redaktion) zur Krampfbehandlung?

Czesnik: Es gibt keine Studien zur Wirkung von Cannabinoiden - allenfalls Fallberichte, die von einer Wirksamkeit oder auch einer Verschlechterung berichten.

Zeilbeck: Mein Mann hat eine Hypophyseninsuffizienz und einen AV-Block 2. Grades. Er hat häufig Muskelkrämpfe und soll laut dem Endokrinologen hochdosiert Magnesium (1600 mg) nehmen. Ist das angebracht?

Czesnik: In Einzelfällen wie Ihrem kann eine Hochdosis-Therapie richtig sein.

Jens N.: Nach einer Bandscheiben-Operation vor fünf Jahren leide ich nachts häufig an schweren Krämpfen im vorderen Schienbeinmuskel, die meist abends schon beginnen und nur links auftreten. Magnesium, Dehnen und B-Vitamine sind bisher wirkungslos.

Czesnik: Ich würde Ihnen zu Physiotherapie raten. Gegebenenfalls Verlaufskontrolle der Bildgebung Ihrer Wirbelsäule. Medikamentös könnten Antiepileptika helfen.

Ira: Seit ich Schmerzen am linken Bein hatte (das war vor vier Jahren), bekomme ich ständig Krämpfe an verschiedenen Stellen am Bein. Meistens außen an der Wade und am Oberschenkel hinten. Am rechten Bein ist das nicht so. Manchmal bekomme ich auch einen Krampf am großen Zeh. Das alles ist sehr schmerzhaft. Was kann das sein?

Czesnik: Ich würde Ihnen zu einer neurologischen Abklärung Ihrer Krämpfe raten (Neuropathie? Bandscheibenvorfall?).

Eso: Ich habe eine Spastik und habe trotz Medikament sehr viel mit Krämpfen zu tun. Was kann ich selbst gegen diese spastischen Krämpfe tun?

Czesnik: Sie leiden an einer schmerzhaften Spastik, die anders zu behandeln ist als Muskelkrämpfe. Ich würde Ihnen eine Vorstellung beim Neurologen empfehlen.

Gitti: Kann eine rheumatische Polymyopathie Muskelkrämpfe begünstigen?

Czesnik: Ja, es gibt myogene Krämpfe oder Muskelschmerzen. Eine Behandlung dieser Schmerzen ist schwierig, umso wichtiger ist eine Abklärung anderer behandelbarer Ursachen.

Franz: Wenn ich viel arbeite, im Garten und so, bekomme ich nachts Krämpfe im Bein und weiß nicht, wie ich es stellen soll. Dann nehme ich Elektrolyte, wie man sie bei Durchfall nimmt. Nach fünf Minuten ist der Krampf weg. Ist die Einnahme (etwa zwei Mal die Woche) schädlich?

Czesnik: Nein, die Einnahme ist nicht schädlich.

Claudia: Bei mir hat man Fibro diagnostiziert. Das Schlimmste sind meine Krämpfe nachts - in den Zehen, rechts neben dem Schienbein, vor allem im rechten Fuß. Ich bekomme den Schmerz nicht weg, Dehnung geht kaum. Hätten Sie noch einen Tipp?

Czesnik: Ich empfehle eine Behandlung bei einem Schmerztherapeuten.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.06.2019 | 20:15 Uhr

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