Stand: 03.04.2018 22:51 Uhr  | Archiv

Chat-Protokoll: Depressionen

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Der Psychiater und Psychotherapeut Claas-Hinrich Lammers hat Fragen zum Thema Depressionen beantwortet.

Jedes Jahr erkranken fünf Millionen Menschen in Deutschland an einer Depression. Doch noch immer sind Irrtümer und Unwissen über die schwerwiegende Erkrankung weit verbreitet. Viele glauben, dass Depressionen vor allem durch Schicksalsschläge, Stress am Arbeitsplatz oder eine falsche Lebensführung entstehen. Doch Ratschläge wie "Fahr doch mal in den Urlaub" oder gar "Reiß dich zusammen" sind für depressive Menschen völlig ungeeignet, und oft wird die Depression als potenziell tödliche Erkrankung gefährlich unterschätzt. Wenig bekannt ist, dass eine Depression auch biologische Ursachen haben kann und häufig ohne äußeren Anlass von innen heraus entsteht. Die Folge: Alles Negative wird als extrem groß und belastend empfunden. Ein Zustand, in dem erkrankte Menschen dringend professionelle Hilfe brauchen.

Der Psychiater und Psychotherapeut Professor Dr. Claas-Hinrich Lammers hat im Visite Chat Fragen zum Thema Depressionen beantwortet. Das Protokoll zum Nachlesen.

Alex: Ich bin 46 Jahre alt. Seit 40 Jahren Depressionen ohne Unterbrechung. Tabletten und Co. helfen nichts, auch keine Klinikaufenthalte mehr. Psychiater gab's auf. Gibt es außer EKT etwas? Oder hört sie irgendwann ganz auf, ehe man sich selbst wieder was antut?

Dr. Claas-Hinrich Lammers: Außer der EKT gibt es die Ketamin-Infusionstherapie, die einige Kliniken anbieten, zum Beispiel die Asklepios Klinik Nord-Ochsenzoll.

Ursel: Ich hab seit 27 Jahren Depressionen. Auch bipolare Phasen. Schlimm ist, ich hab schon dreimal versucht, Suizid zu begehen. Zehn Psychiatrieaufenthalte schon hinter mir. Gibt es neue Medikamente? Ich nehme Lithium und Neuroleptika. EKT hat mir nicht geholfen, hatte Amnesie danach.

Lammers: Gerade bei Depressionen mit Suizidgedanken kann neben der EKT die neue Methode der Ketamin-Infusionstherapie helfen.

Rita: Die Aussage, dass Antidepressiva nicht abhängig machen, stimmt so einfach nicht. Ich kämpfe seit sechs Monaten mit den Absetzsymptomen.

Lammers: Sie haben recht, dass es Absetzsymptome gibt, die man jedoch nicht als Zeichen einer klassischen Abhängigkeit bewertet. Während sich beim Entzug bei einer Abhängigkeit alle Gedanken nur um die Droge drehen, die außerdem auch nicht in irgendeiner Weise von Hilfe ist, sind die Absetzsymptome bei Antidepressiva wesentlich geringer ausgeprägt. Was nicht heißen soll, dass sie nicht auch belastend sein können.

Jutta: Ich leide unter einer rezidivierenden Depression und nehme 20 mg Citalopram täglich. Spricht etwas gegen eine lebenslange Einnahme? Hab mal versucht abzusetzen, hielt nicht lange an.

Lammers: Wenn dieses Medikament Ihnen eine Beschwerdefreiheit von schweren Depressionen ermöglicht, dann spricht nichts gegen eine lebenslange Einnahme. Es gibt keine Studien oder Hinweise, dass eine lebenslange Einnahme gravierende Schäden verursachen kann. Im Gegenteil: Sie schützt vor dem Wiederauftreten von schweren Depressionen und Selbstmordgedanken.

K.: Gibt es Studien zum Thema Einnahme von Antidepressiva und späterer Alzheimer-Erkrankungen?

Lammers: Nein, gibt es nicht.

Astrid: Ich leide seit über einem Jahr an einer depressiven Phase. Was halten Sie von dem Medikament Trimipramin?

Lammers: Trimipramin wird heutzutage in der Depressionsbehandlung kaum noch verwendet, da es andere Antidepressiva mit besserer Wirksamkeit und weniger Nebenwirkungen gibt.

Wonderful: Wie findet man heraus, ob es eine Depression ist oder eine Demenz, wenn viele Anzeichen gleich sind?

Lammers: Gehen Sie am besten zum Psychiater, da Sie diese Frage nicht alleine beantworten können.

Anne33: 33 Jahre alt, Depressionen seit circa fünf Jahren. Seit etwa eineinhalb Jahren nehme ich Fluoxetin. Ich habe bereits über 20 Kilogramm zugenommen, ohne dass ich mehr esse oder weniger Sport mache. Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten? Oder wie ist diese Gewichtszunahme zu erklären?

Lammers: Fluoxetin kann durchaus Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. In der Regel führt Fluoxetin nicht zur Gewichtserhöhung. Um diese Frage zu klären, sollten Sie sich aber an einen Psychiater/eine Psychiaterin wenden.

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.04.2018 | 20:15 Uhr

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