Stand: 19.11.2019 11:11 Uhr

Borreliose: Gefahr durch Zecken

Bild vergrößern
Der Stich einer Zecke kann gefährliche Krankheiten übertragen.

Mit etwa 60.000 bis 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist die Lyme-Borreliose hierzulande die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung. Je nach Region sind bis zu 30 Prozent der Zecken mittlerweile Träger der Borreliose-Erreger, der sogenannten Borrelien. Bei etwa fünf Prozent der Zeckenstiche kommt es zu einer Borrelien-Infektion, aber nur jeder hundertste Infizierte erkrankt auch tatsächlich an einer Borreliose. Diese ist - vor allem früh erkannt - gut zu therapieren und führt nur selten zu einem chronischen Verlauf.

Zecke

Borreliose: Gefahr durch neue Zeckenarten

Visite -

Bis zu 30 Prozent der Zecken tragen Borreliose-Erreger in sich und können diese bei einem Stich auf den Menschen übertragen. Früh erkannt, ist die Krankheit gut zu therapieren.

5 bei 9 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Symptome der Lyme-Borreliose

Die Borreliose ist schwer zu diagnostizieren, weil sie völlig unterschiedliche und diffuse Symptome verursachen kann, die mitunter noch viele Jahre nach einem Zeckenstich auftreten. Zudem gibt es keinen typischen Verlauf. Die Patienten bemerken den Zeckenstich meist nicht, und wenn Monate später Symptome auftreten, denkt auch nicht jeder Arzt gleich an Borreliose.

Das Hauptproblem ist daher, dass das Stadium der Krankheit schwer zu erkennen ist. Nicht bei allen Fällen kommt es zur klassischen Wanderröte nach dem Zeckenstich. Nicht selten sind spät auftretende Symptome wie Schwellungen, Schmerzen und Entzündungen in Gelenken die ersten Anzeichen der Erkrankung, manchmal auch Taubheitsgefühle, Seh- oder Hörstörungen, seltener Lähmungen im Gesicht oder am Körper. So dauert es oft lange, bis die richtige Diagnose gestellt ist.

Borreliose-Diagnose anhand von Labortests und aktuellen Symptomen

Hausärzte, Rheumatologen und Neurologen sind die richtigen Ansprechpartner für diese Erkrankung. Sie stellen die Diagnose in erster Linie anhand der aufgetretenen Symptome. Labortests, vor allem der Nachweis spezifischer Antikörper im Blut, können die Diagnose sichern oder auch widerlegen.

Legt die klinische Beurteilung der Symptome einen Borreliose-Verdacht nahe, werden ein sogenannter Elisa-Suchtest und ein sogenannter Immunoblot als Bestätigung durchgeführt. Diese immunologischen Labortests zeigen sehr sicher, ob der Patient jemals eine Borrelien-Infektion hatte. Sie können allerdings nicht unterscheiden, ob es sich um eine alte, überstandene Infektion handelt oder um eine aktuelle. Deshalb werden die Laborergebnisse immer nur im Zusammenhang mit den aktuellen Symptomen des Patienten beurteilt.

Bild vergrößern
Nur in jedem zweiten Fall kommt es nach einem Zeckenstich zur sogenannten Wanderröte.

Bei neurologischen Symptomen wie Lähmungen wird zusätzlich noch das Nervenwasser untersucht. Finden sich darin Borrelienmarker, ist eine sogenannte Neuro-Borreliose gesichert.

Experten warnen vor unseriösen Testverfahren

Die schwierige Diagnose bietet allerdings auch Nährboden für dubiose Geschäftsgebaren mancher Kliniken. Experten kritisieren, dass immer öfter auch wissenschaftlich nicht ausreichend überprüfte Testverfahren angeboten werden. Dazu gehörten zum Beispiel der sogenannte Lymphozytentransformationstest und der Antigennachweis im Urin. Diese Tests führten in den vergangenen Jahren immer wieder dazu, dass andere Krankheiten wie Fibromyalgie oder das chronische Müdigkeitssyndrom fälschlich als Borreliose diagnostiziert und behandelt wurden.

Borreliose-Therapie mit Antibiotika

Die Therapie der Borreliose besteht immer aus einer Antibiotikagabe, meist für zwei, maximal für vier Wochen. Welches Antibiotikum in welcher Form, Dosis und Dauer dabei eingesetzt wird, ist abhängig vom Stadium der Erkrankung. Langfristige Antibiotikatherapien über mehrere Monate werden immer wieder angeboten, sind aber wissenschaftlich nicht ausreichend begründet und werden von Experten als eher gefährlich als nützlich angesehen.

Besser als jede Therapie ist es, Zeckenstiche von vornherein zu vermeiden, zumal die Borreliose nicht die einzige durch Zecken übertragene bakterielle Infektionskrankheit ist. Experten des Robert Koch-Instituts in Berlin warnen seit Jahren vor der Ausbreitung neuer bakterieller Zeckenerkrankungen, die Schlaganfälle und vermutlich auch Herzinfarkte verursachen können.

Links
Link

Nationales Referenzzentrum für Borrelien

Am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ist das Nationale Referenzzentrum für Borrelien angesiedelt. Bürger, Patienten und Mediziner können sich dort beraten lassen. extern

Warnung vor Ausbreitung neuer Zeckenerkrankungen

Neu in Deutschland aufgetaucht ist die tropische Zeckenart Hyalomma marginatum. Sie ist schnell, hungrig und viel größer als einheimische Zecken. Experten rechnen damit, dass es nicht bei den Einzelfunden bleiben wird. Auch in Berlin wurden laut Robert Koch-Institut bereits einige Exemplare gefunden. Auch andere exotische Zeckenarten wie Ixodes inopinatus aus dem Mittelmeerraum und die Auwaldzecke haben sich inzwischen bis nach Dänemark ausgebreitet.

Zecken warten bis zu drei Jahre auf ihren Wirt

Immer häufiger treten Zecken nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt in Massen auf, zum Beispiel auf öffentlichen Grünflächen und in Parks. Auf Grashalmen warten sie bis zu drei Jahre auf ihren nächsten Wirt. Bietet sich die Gelegenheit, lassen sie sich abstreifen, wandern am Körper unbemerkt an eine gut durchblutete Stelle und stechen zu. Da die winzigen Spinnentiere beim Stich ein Betäubungsmittel in die Wunde spritzen, bleiben sie oft lange unbemerkt und fallen erst nach Tagen auf. Dann hat sich ihr Körper prall mit Blut gefüllt und Krankheitserreger können bereits auf den Wirt übertragen worden sein.

Zecken können sogar Waschgang überstehen

Einige Zecken schmuggeln sich über Haustiere oder auf der Kleidung in die Wohnung. Dort können sie lange überleben. Sie überstehen sogar einen Waschgang bei 40 Grad mit anschließendem Schleudern. Festes Schuhwerk und lange Hosen, deren Beine in die Socken gesteckt werden, lassen Zecken kaum eine Chance, auf die Haut zu gelangen. Der Körper sollte nach einem Aufenthalt im Freien in bekannten Risikogebieten immer nach Zecken abgesucht werden. Bestimmte Duftstoffe (Repellentien) halten durch ihren Geruch Zecken fern. Sie werden auf die Haut aufgetragen und bieten für einige Stunden einen gewissen Schutz vor den gefährlichen Blutsaugern.

Lebensgefährliche Hirnhautentzündung

In der Vergangenheit wurden auch in Norddeutschland vereinzelt Zecken gefunden, die das FSME-Virus tragen. Der Erreger löst die lebensgefährliche Hirnentzündung "Frühsommer-Meningo-Enzephalitis" aus, gegen die es keine Therapie gibt. In süddeutschen Risikogebieten wird empfohlen, sich gegen FSME impfen zu lassen. Diese allgemeine Empfehlung gilt im Norden noch nicht, aber wer häufig im Wald unterwegs ist oder in Süddeutschland Urlaub macht, sollte über die Impfung nachdenken.

Weitere Informationen

Zecken: Vorsicht ja, Panik nein

Sie lauern in Wiesen, Wäldern und auch im Garten: Zecken. Die kleinen Blutsauger können Krankheiten übertragen. Wie groß ist das Risiko und wie kann man vorbeugen? mehr

Experten zum Thema

Dr. Hans Dautel
IS Insect Services GmbH
Motzenerstraße 6
12277 Berlin
www.insectservices.de

Dr. Dania Richter
Institut für Geoökologie
Abteilung Landschaftsökologie und Umweltsystemanalyse
Langer Kamp 19c
38106 Braunschweig
www.tu-braunschweig.de

Dipl.-Biol. Dr. rer. nat. Masyar Monazahian, Koordinator
Zentrum für Gesundheits- und Infektionsschutz
Niedersächsisches Landesgesundheitsamt
Roesebeckstraße 4-6
30449 Hannover
www.nlga.niedersachsen.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 23.04.2019 | 20:15 Uhr

Mehr Ratgeber

01:15
NDR Fernsehen
07:50
Mein Nachmittag
12:54
Mein Nachmittag