Stand: 22.05.2018 10:35 Uhr  | Archiv

Arthrose: Richtig essen statt Nahrungsergänzung

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Von Arthrose kann jedes Gelenk im Körper betroffen sein.

Arthrose ist eine Volkskrankheit - weltweit ist sie die häufigste Gelenkerkrankung. Rund fünf Millionen Deutsche sind betroffen. Obwohl zunehmendes Alter als Risikofaktor für den Gelenkverschleiß gilt, sind nicht nur alte Menschen von Arthrose betroffen. Besonders häufig entstehen die Beschwerden in Knie- und Hüftgelenken. Prinzipiell kann aber jedes Gelenk des Körpers betroffen sein. Gegen Arthrose werden Nahrungsergänzungsmittel viel beworben und sind frei verkäuflich in Supermärkten und Drogerien zu haben: Mehr als 100 Millionen Euro werden in Deutschland jährlich für Präparate mit den Wirkstoffen Glucosamin, Chondroitin oder Hyaluronsäure ausgegeben.

Die Mittel sollen laut Werbung angeblich Arthrose bekämpfen und bei Gelenkbeschwerden heilungsfördernd und präventiv wirken. Doch Experten warnen: Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel. Sie werden nicht auf ihre Wirksamkeit geprüft.

Moderatorin Vera Cordes, im Hintergrund ein Bild von verschiedenen Nahrungsergänzungsmitteln.

Arthrose: Richtig essen statt Nahrungsergänzung

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Gegen Arthrose sind viele Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Experten warnen, dass ihre Wirkung nicht erwiesen ist. Zum Teil kann die Einnahme gefährliche Folgen haben.

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Mangelnde Wirksamkeit

Es gibt keinen Nachweis, dass Glucosamin, Chondroitin oder Hyaluronsäure in Nahrungsergänzungsmitteln heilend oder präventiv wirken. Teilweise schneiden in Studien sogar Placebos besser ab als Chondroitin oder Glucosamin. Dazu kommt: Die Wirkstoffe kommen nicht im Gelenk an. Über den Magen-Darm-Trakt werden sie direkt verstoffwechselt. Beide Wirkstoffe kommen im menschlichen Körper natürlicherweise als Bestandteil des Bindegewebes, des Knorpels und der Gelenkflüssigkeiten vor. Als Nahrungsergänzungsmittel können sie Knorpelverlust jedoch nicht ausgleichen. Der Gelenkknorpel ist der einzige Knorpel in unserem Körper, der nicht regenerationsfähig ist. Er kann sich nicht neu bilden.

So entsteht eine Arthrose

Als schützende, elastische Schicht sitzt der Knorpel auf den beiden Knochenenden, die ein Gelenk bilden. Er wird von Gelenkflüssigkeit genährt. Eine gesunde Knorpelschicht wirkt wie ein Stoßdämpfer. Bei Belastung wird die Knorpelschicht gestaucht, um sich anschließend wieder auszudehnen. Dabei saugt sich der Knorpel mit Gelenkflüssigkeit voll. Nutzt er sich jedoch ab, reibt irgendwann Knochen auf Knochen.

Gefährliche Wechselwirkungen

Zur mangelnden Wirkung kommen mögliche Wechselwirkungen. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) warnt seit Jahren vor "möglicherweise schwerwiegenden Folgen" bei gleichzeitiger Einnahme von Cumarin-Antikoagulantien, bestimmten Blutgerinnungshemmern. So seien Blutungen zu befürchten, bis hin zu einem subduralen Hämatom, einer spezifischen Form der Hirnblutung, mit resultierendem Wachkoma. Das BfR warnt zudem vor isoliertem Glucosamin schon in einer Dosierung von 390 bis 790 Milligramm pro Tag. Viele der im Einzelhandel oder übers Internet erhältlichen Gelenkmittel liegen deutlich darüber.

Dabei können Gelenkmittel nicht nur das Blutungsrisiko steigern. Auch wer allergisch auf Schalentiere oder Fischeiweiß reagiert, kann durch Glucosamin- und Chondroitinpräparate Probleme bekommen, denn häufig werden sie aus diesen hergestellt. Verbraucherschützer fordern deshalb Warnhinweise und klarere Deklaration der Inhaltsstoffe und klar definierte Höchstmengen für Glucosamin und Chondroitin. Menschen, die schon Blutgerinnungshemmer nehmen, sollte sich auf jeden Fall mit ihrem Arzt besprechen.

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Eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung dagegen ist wirksamer als die einzelnen Wirkstoffe einer Tablette. Omega-3-Fettsäuren in Fisch und pflanzlichen Ölen haben eine entzündungshemmende Wirkung und eignen sich daher gut für den Ernährungsplan bei Arthrose. Ungünstig sind dagegen Fleisch und Wurstwaren sowie tierische Fette. Sie führen dazu, dass sich im Körper die entzündungsfördernde Arachnidonsäure bildet. Eine fleischarme Mischkost mit viel Obst, Gemüse und pflanzlichen Ölen schmeckt nicht nur gut und versorgt den Knorpel mit allen notwendigen Nährstoffen, sondern führt nebenbei auch zu einer Normalisierung des Körpergewichts, sodass die Gelenke weniger belastet werden.

Blutegel gegen Entzündungen und Schmerzen

Gewürzmischungen, Blutegel, Weihrauchkapseln oder warme Wannenbäder - gegen den Gelenkverschleiß (Arthrose) bietet auch die Naturheilkunde eine ganze Reihe lindernder Therapieverfahren an: Die Wirkung von Blutegeln gegen Entzündungen ist wissenschaftlich gut belegt. Während der Behandlung saugen die Blutegel nicht nur Blut, sondern geben ihren Speichel (Salvia) in die Wunde ab. Er enthält bis zu 100 entzündungshemmende, gerinnungshemmende und schmerzstillende Substanzen. Andere ergänzende Methoden sind, wenn die Diagnose Arthrose gesichert ist, zumindest einen Versuch wert, raten Experten, denn nicht jedes Mittel wirkt bei jedem Patienten gleichermaßen.

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Gewürze für eine bessere Durchblutung

Als vielversprechend hat sich eine Gewürzmischung in gleichen Teilen aus Kreuzkümmel (Cumin), Koriander und Muskat erwiesen. Diese Mixtur soll bei 80 Prozent der Arthrose-Patienten die Beschwerden lindern, viele können mit ihrer Hilfe sogar die Dosierung ihrer Schmerzmedikamente reduzieren. Heilen können die Wirkstoffe der Gewürze den Gelenkverschleiß nicht, aber sie sollen die Durchblutung der Gelenkschleimhaut verbessern. Die Patienten nehmen zwei Messerspitzen der Gewürzmixtur pro Tag mit Wasser oder Joghurt ein.

Knorpelstabilisierende Wirkung hat das Silizium in Kieselsäure. Kieselsäure ist in Hafer, Naturreis, Gerste, Hirse und Topinambur enthalten, zudem in Kräutertees wie Schachtelhalm oder Brennnessel. Gemüse, Kräuter und Gewürze liefern außerdem entzündungshemmende Antioxidantien.

Hilfreich sind täglich fünf Gramm Hagebuttenpulver, gewonnen aus den Samen und Schalen der Frucht. Denn die Hagebutte enthält sogenannte Galaktolipide, die Studien zufolge den Knorpelabbau hemmen können.

Kortison schwächt langfristig die Knochen

Medikamente sind bei Arthrose auf die Dauer keine befriedigende Lösung. Kortisoninjektionen lindern zwar den Schmerz für einige Wochen - die Langzeitanwendung von Kortison schwächt jedoch die Knochen. Die Wirksamkeit von Hyaluronsäure-Injektionen (aus Hahnenkämmen) zum Knorpelaufbau ist wissenschaftlich noch nicht bestätigt. Tabletten mit Wirkstoffen wir Diclofenac oder Acetylsalicylsäure unterdrücken den Schmerz und hemmen Entzündungen. Wegen ihrer Nebenwirkungen sind sie aber ebenfalls nur kurzfristig in akuten Phasen akzeptabel.

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Bewegungstraining statt Schonhaltung

In der Behandlung von Arthrose steht gezieltes Bewegungstraining ganz oben auf der Liste der empfohlenen Therapien. Wer lange aufgrund einer Arthrose im Endstadium eine Schonhaltung eingenommen und sich wenig bewegt hat, kann seine Beschwerden mit Bewegung reduzieren und den Einbau eines künstlichen Kniegelenks hinauszögern. Denn ein Großteil der Schmerzen entsteht nicht im Gelenk, sondern im Weichteilgewebe um das Gelenk herum. Durch die lange Schonhaltung ist die Muskulatur verkürzt und verspannt. Die Folge sind Schmerzen.

Triggerpunkt-Akupressur und Dehnübungen können hier Abhilfe schaffen. In Kombination mit Bewegung im Wasser kann dann das Gelenk wieder beweglicher gemacht werden und schließlich ein gezielter Kraftaufbau beginnen. Auch eine konsequente Gewichtsreduktion hat einen entscheidenden Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Warme Moorbäder wirken entzündungshemmend, fördern den Stoffwechsel und lösen verkrampfte Muskulatur.

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