Stand: 02.12.2020 13:05 Uhr

Weiter Kritik am Online-Portal zur Kitasuche

Seit 2016 gibt es in Schleswig-Holstein das Kitaportal. Es soll die Suche nach einem Kitaplatz erleichtern. Doch Eltern kritisieren die Online-Datenbank weiterhin. Der Steuerzahlerbund spricht von Geldverschwendung.

Eine schwangere Frau steht grünen, blumigen Kulisse. © NDR Foto: Hauke von Hallern
Nicole Maas sucht seit Wochen einen Kitaplatz für ihren Sohn.

Nicole Maas sucht seit Wochen einen Kitaplatz für ihren vier Monate alten Sohn. Dazu hat sie Paul auf dem Kitaportal des Landes Schleswig-Holstein angemeldet. Eltern können dort einen Account anlegen und eine Kita auswählen. Diese müssen sie dann besuchen und sich dort von der Leitung für das Portal freischalten lassen. Erst danach können sie sich auf der Plattform für weitere Kindergärten voranmelden - ohne einen Besuch vor Ort. Der Name des Kindes landet dann jeweils auf einer Warteliste in dem Portal. "Was mich wundert ist, dass man sich da anmeldet, seine Daten abgibt und sich dann noch mal bei allen Kitas anmelden soll", erzählt Maas. "Das ist eine Doppelanmeldung. Ich frage mich, wozu das Portal dann überhaupt gut ist."

Kitas führen eigene Listen

Ein Problem ist, dass viele Kitas der Online-Plattform nicht vertrauen - zum Beispiel die Kitas Helene Breslau und St. Philippus in Lübeck. Die Kita Nordlichter in Heide kritisiert, dass auf der Plattform viele Updates laufen würden und die Plattform dann nicht erreichbar sei. Deshalb nehme man die Daten lieber selbst auf. Außerdem will die Kita die Eltern gerne persönlich kennenlernen. "Viele Einrichtungen in Schleswig-Holstein misstrauen dem Portal und führen lieber ihre seit Jahren bewährten eigenen Listen", sagt die Vorsitzende der Landeselternvertretung der Kitas in Schleswig-Holstein, Yvonne Leidner. "Nichtsdestotrotz müssen Eltern weiterhin Kitas abklappern, sich vorstellen und auf Wartelisten setzen lassen. Das bedeutet, dass Eltern erst einmal überhaupt keinen Nutzen von dem Kitaportal hätten."

Portal für Eltern freiwillig

Viele Eltern verunsichert die Plattform, wie Leidner erklärt. "Ihnen wird gesagt, ihr müsst euch da anmelden, aber das stimmt gar nicht. Tatsächlich ist die Anmeldung über das Kitaportal nicht verpflichtend", ergänzt sie. Die Landeselternvertretung der Kitas in Schleswig-Holstein kritisiert außerdem, dass die Anmeldung des Kindes über das Kitaportal keine rechtliche Bedeutung hat. Der verbindliche Bedarf muss weiterhin beim Kreis oder bei der Kommune angemeldet werden. Erst dann können Eltern ihr Recht auf einen Kitaplatz auch juristisch durchsetzen.

Probleme auch beim Wechsel einer Einrichtung

Ein Flur im Kindergarten mit zwei Kindern und einer Betreuerin. © dpa Foto: Monika Skolimowska
Laut Landessozialministerium soll das Portal für Eltern in erster Linie einen Überblick über die Kitas geben.

Auch eine Mutter aus Lübeck sucht für ihren Sohn einen Kitaplatz. Die Mutter will anonym bleiben. Der Zweieinhalbjährige hat schon einen Platz, soll jetzt aber die Einrichtung wechseln. Doch in dem Portal steht, dass er schon einen Platz hat. "Überall wo ich mich beworben habe, steht er im Grunde nicht auf der Warteliste. Außer ich telefoniere allen hinterher, um denen zu sagen, dass er zwar jetzt einen Vertrag hat, aber ab dem kommenden Jahr nicht mehr", berichtet sie. Die Kitabetreiber würden das dann wieder manuell aufschreiben wollen und sie müsste dann eine Voranmeldung auf Papier ausfüllen und in die Kitas bringen.

Eltern hätten sich mehr von der Online-Plattform versprochen

Pauls Mutter Nicole Maas würde sich wünschen, dass das Kitaportal verbindlicher ist. "Dass man sicher weiß, die Kita hat fünf Plätze und es stehen 20 Kinder auf der Liste. Dann wird auch wirklich der, der sich zuerst angemeldet hat, genommen." Am Ende würde aber die Kita nach ihren eigenen Kriterien entscheiden, wer wann drankomme. Deshalb brauche man diese Warteliste eigentlich nicht, meint Maas.

Bund der Steuerzahler findet Portal überflüssig

Gut gedacht, aber schlecht gemacht - das Portal sei schlicht überflüssig, meint Rainer Kersten vom Bund der Steuerzahler in Schleswig-Holstein und spricht von Geldverschwendung. Die Plattform suggeriere Eltern, sie würden damit ihr Kind für eine Kita verbindlich anmelden. Doch das sei falsch. Kitas führen eigene Wartelisten, sie dürften sich die Kinder sowieso frei aussuchen, sagt Kersten. Die Kitas haben seiner Einschätzung nach deswegen wenig Interesse am Kitaportal - die Anmeldungen würden schließlich von selbst reinflattern, so der Geschäftsfüher des Steuerzahlerbunds Schleswig-Holstein. "Aus unserer Sicht wäre es besser, wenn man über die Trägerschaftsverträge regeln würde, dass die Kindertagesstätten freie Plätze in ein Portal melden müssen. Also die Kita meldet freie Plätze und dann können sich Eltern ihre Kita aussuchen", so Kersten.

Land: Portal soll Überblick verschaffen

Auch das zuständige Landessozialministerium erklärt, dass Kitas eigene Listen führen und die Daten erheben dürfen. Es sei auch gut, wenn Eltern die Kitas noch einmal persönlich besuchen. Man habe sich regelmäßig mit Kreisen und Ämtern über die Handhabung des Portals ausgetauscht. Beschwerden habe es nicht gegeben, so ein Sprecher. Das Kitaportal solle in erster Linie einen Überblick über die Einrichtungen in der Umgebung liefern. Das Ministerium hofft, dass sich das Vertrauen in die Seite weiter verbessert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.12.2020 | 06:00 Uhr

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