Die Zeichnung zeigt, wie die neue Rendsburger Schwebefähre aussehen soll © WSV

Rendsburg: Fünf Jahre nach der Kollision der Schwebefähre

Stand: 08.01.2021 05:00 Uhr

Seit fünf Jahren müssen die Menschen in der Region Rendsburg ohne die Schwebefähre über den Nord-Ostsee-Kanal auskommen. Im Sommer soll sie einsatzbereit sein.

von Christian Nagel

Am 8. Januar 2016 gegen 6.40 Uhr machte sich die Fähre zum letzten Mal vom nördlichen Ufer auf den Weg über den Kanal. Etwa auf halben Weg kollidierte sie mit dem Frachter "Evert Prahm". Zwei Menschen wurden leicht verletzt - der Schiffsführer und ein Passagier der Schwebefähre. Bis dahin nutzten etwa 350 Autos und knapp 1.700 Menschen die Fähre täglich. Sie müssen seitdem auf den Fußgängertunnel, den Kanaltunnel Rendsburg, die Fähre Nobiskrug oder die Rader Hochbrücke im Verlauf der Autobahn 7 ausweichen.

Verzögerungen durch die Corona-Pandemie

Im Sommer dieses Jahres soll sich das ändern. "Die Arbeiten am Neubau der Rendsburger Schwebefähre sind nahezu abgeschlossen", sagt Detlef Wittmüß vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Kiel-Holtenau. Er geht davon aus, dass die Arbeiten mittlerweile im Zeitplan liegen. Eigentlich sollte die Fähre schon im Herbst 2020, pünktlich zum 125-jährigen Bestehen des Nord-Ostsee-Kanals, wieder im Pendelverkehr unterwegs sein. Doch auch hier kam den Verantwortlichen laut Wittmüß die Corona-Pandemie dazwischen.

Neue Schwebefähre mit alter nicht mehr zu vergleichen

Die neue Schwebefähre wird von einer Metallbaufirma aus Bayern gebaut, unter anderem an einem zweiten Firmensitz in Brake an der Weser in Niedersachsen. Die Arbeiten an der Rendsburger Hochbrücke sind laut WSA fast abgeschlossen. Dort haben Arbeiter zahlreiche neue Kabel für die Steuerung und die Stromversorgung der neuen Schwebefähre verlegt. Außerdem wurde das Schienensystem, an dem die eigentliche Schwebefähre hängt, komplett modernisiert.

"Das ist jetzt nicht mehr alles von 1913/14, sondern auf dem aktuellen Stand von heute", erläutert Wittmüß. Auch die Energieversorgung haben Fachfirmen komplett erneuert. Bei einem Stromausfall übernimmt ein Notstromaggregat die Versorgung. "Die neue Schwebefähre ist mit der alten in etwa so zu vergleichen wie ein Auto von 1914 mit einem modernen Fahrzeug von heute. Optisch wird sich die neue Schwebefähre aber nicht von der alten unterscheiden."

Auch Auftragsvergabe für Neubau hat gedauert

Die Zeichnung zeigt, wie die neue Rendsburger Schwebefähre aussehen soll © WSV
Die Zeichnung zeigt, wie die neue Rendsburger Schwebefähre aussehen soll.

Bis aber der Auftrag für den Neubau der Schwebefähre vergeben werden konnte, hatte es etwas gedauert. Die Verträge mit der bayerischen Metallbaufirma wurden Ende 2018, also fast drei Jahre nach dem Unglück, unterzeichnet. Der Grund dafür war ein langwieriges Vergabeverfahren. Außerdem musste das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau vorher die technischen Vorgaben an die neue Schwebefähre genau festlegen. "Wir bauen nicht so häufig Schwebefähren", sagt WSA-Chef Wittmüß zu den Verzögerungen. "Von drei Anbietern ist am Ende nur die Firma aus Bayern übrig geblieben, die die Schwebefähre bauen wollte."

Fährführer hat sich bei Unglück falsch verhalten

Zum Zeitpunkt der Auftragsvergabe waren elf Millionen Euro für den Neubau veranschlagt - inzwischen geht WSA-Leiter Wittmüß davon aus, dass es 13 Millionen Euro werden. Im März 2020 veröffentlichte die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) die Ursache für das Schwebefährenunglück. Darin heißt es, der Fährführer sei unachtsam gewesen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits einen Strafbefehl über 2.400 Euro akzeptiert. Laut BSU hat sich aber auch der Schiffsführer der "Evert Prahm" nicht richtig verhalten. Er hätte ein Notsignal abgeben können, heißt es in dem Bericht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.01.2021 | 08:00 Uhr

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