Stand: 13.03.2018 15:31 Uhr

Staatsschutz sieht Gefahr für türkische Einrichtungen

Nach den Anschlägen auf eine Moschee und einen türkischen Gemüseladen in Itzehoe (Kreis Steinburg) geht der schleswig-holsteinische Verfassungsschutz von einer abstrakt hohen Gefahr für türkische Einrichtungen im Land aus. Konkrete Hinweise auf weitere Anschläge gebe es aktuell aber nicht, sagte ein Sprecher NDR 1 Welle Nord. Die Landespolizei hat sich nach eigenen Angaben auf die momentane Situation eingestellt. Man beurteile die Gefährdungslage für türkische Geschäfte und Moscheen ständig neu und richte die polizeilichen Maßnahmen danach aus. Zu den Einzelheiten dieser Maßnahmen wollte das Innenministerium am Dienstagvormittag zunächst nichts sagen.

War es eine Aktion gewaltbereiter Kurden?

Unbekannte hatten in der Nacht zum Sonntag die Fenster einer Moschee in Itzehoe eingeschlagen und in einem türkischen Gemüseladen Feuer gelegt. Verletzt wurde niemand. Die Ermittler gehen von einem Zusammenhang mit Attacken auf türkische Einrichtungen in Berlin, Meschede (Nordrhein-Westfalen) und Lauffen (Baden-Württemberg) aus. Die Taten seien wohl Teil einer bundesweiten Serie, hatte Polizeisprecher Stefan Hinrichs am Montagabend erklärt. Der Staatsschutz hat sich eingeschaltet. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen offenbar Aktionen gewaltbereiter Kurden, die auf das militärische Eingreifen der Türkei im Bürgerkrieg Syriens reagieren.

Weitere Informationen

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Garbsen: Polizei findet Botschaft auf Zettel

Die jüngsten Anschläge ereigneten sich in der Nacht zu Dienstag im niedersächsischen Garbsen. Nach Angaben der Polizei wurden Brandsätze gegen die Fassaden zweier Geschäfte, einem Handyladen und einem Kiosk, geworfen. Beide Läden werden von türkischen Familien betrieben. Die Polizei fand in unmittelbarer Nähe zu den Anschlagsorten einen Zettel mit dem handschriftlichen Text "G.L. Afrin". Die Botschaft bezieht sich vermutlich auf die Militäroffensive der Türkei gegen die überwiegend von Kurden bewohnte nordsyrische Stadt Afrin.

Sorge um die Sicherheit

Der Vorsitzende des Türkisch-Islamischen Kulturvereins, der die Moschee in Itzehoe betreibt, hatte sich bereits kurz nach den Taten besorgt gezeigt. Kenan Karagöl macht sich eigenen Aussagen zufolge Gedanken um die Sicherheit. Nur etwa einen Kilometer von der Moschee entfernt befindet sich der ebenfalls ins Visier geratene Obst- und Gemüseladen. Die acht Bewohner in den Wohnungen über dem Gemüseladen waren durch die Geistesgegenwart eines 27-Jährigen gerettet worden. Er hatte auf ein Taxi gewartet, als er die Flammen bemerkte. Der Mann klingelte die Bewohner wach, die alle unverletzt das Gebäude verlassen konnten. Der Brand konnte schnell gelöscht werden, die Höhe des Sachschadens ist laut Polizei "nicht unerheblich".

Moschee-Verein gehört zum Ditib-Dachverband

"Hier wohnen ja auch Menschen. Man macht sich Gedanken über das Leben von denen. Das ist schon krass", sagte Karagöl. Im Gebäude der Moschee lebt auch der Imam mit seiner Familie. Der 23 Jahre alte Sohn des Geistlichen hatte Stimmen auf dem Grundstück gehört. Er beobachtete, wie zwei Männer mehrere Scheiben des Gebäudes beschädigten und anschließend flüchteten. An dem Gebäude entstand ein Schaden in Höhe von 1.500 Euro. Der Moschee-Verein aus Itzehoe gehört zum Dachverband Ditib, der sehr enge Beziehungen zum türkischen Staat pflegt.

Zeugen, die etwas beobachtet haben, sind gebeten, sich bei der Polizei zu melden. Die nimmt unter der (04821) 60 20 Hinweise entgegen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.03.2018 | 12:00 Uhr

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