Stand: 07.04.2018 11:25 Uhr

Schlei: Seit Herbst 2016 Plastik in Klärwerk

Bild vergrößern
Die Grafik zeigt den Anteil an Fremdstoffen in der Masse (rot), die dem Faulturm beigemischt wurde: Seit November 2016 gelangte so Plastik ins Klärwerk.

Plastik in der Schlei: Einen Monat ist es her, dass die Verunreinigung des Meeresarmes bekannt wurde. Am Donnerstag haben die Schleswiger Stadtwerke, aus deren Klärwerk der Kunststoff stammt, gemeinsam mit der Stadt einen entscheidenden Vertrag veröffentlicht. Zudem legten die Stadtwerke eine Auswertung der Lieferscheine offen. Daraus geht hervor: Seit November 2016 gelangten jeden Monat 20 bis 40 Kilogramm Glas, Metall und vor allem Kunststoff in den Faulturm der Kläranlage, im Januar diesen Jahres sogar 240 Kilogramm. Diese Rückstände landeten teilweise in der Schlei.

Keiner bemerkte verunreinigte Speisereste

Das Plastik war ein geringer Bestandteil von Speiseresten, die dem Faulturm des Klärwerks beigemischt worden waren, wo Strom und Wärme entstehen. Über die Abwässer des Klärwerks gelangten die Plastikteilchen dann in die Schlei. Die Stadtwerke und der Speisereste-Zulieferer ReFood streiten sich nun darüber, wer die Verantwortung für den Skandal trägt.

Die erhöhte Verunreinigung der Speisereste fiel im Klärwerk niemandem auf, denn keiner kontrollierte die Lieferscheine: "Das ist ein Fehler, die Frage ist nur: Hätte man das erkennen können? Hätte es eine gesteigerte Kontrollpflicht gegeben durch irgendwelche Hinweise und die gab es natürlich nicht", erklärte Schleswigs parteiloser Bürgermeister Arthur Christiansen.

"Hätten genauer auf die Lieferscheine gucken müssen"

Der Chef der Stadtwerke, Wolfgang Schoofs, verwies ebenfalls darauf, dass im Rahmen der Loyalität, die im Vertrag mit ReFood vereinbart worden war, der Lieferant einen Hinweis hätte geben müssen, dass er sein Prdouktionsverfahren umstellt. Schoofs räumt allerdings auch ein: "Wir hätten etwas genauer auf die Lieferscheine gucken müssen, das haben wir nachgearbeitet. Das wird uns so nicht mehr passieren." Den Stadtwerken zufolge hätte ReFood die Speisereste zudem mechanisch reinigen müssen.

Das Recyclingsunternehmen verweist hingegen darauf, im Vertrag werde ausdrücklich erwähnt, dass das Material in den Stadtwerken weiter gesiebt werden müsse. Das ist der Darstellung der Stadtwerke zufolge auch passiert, allerdings nicht fein genug.

Reinigung könnte Millionen kosten

Mittlerweile ermittelt das Landeskriminalamt wegen des Verdachts auf Gewässerverunreinigung gegen die Stadtwerke. Die Stadt Schleswig erwartet einen langen Rechtsstreit mit ReFood, bei dem es nicht nur um die Verantwortung für den Skandal, sondern auch um die Kosten für die Reinigung gehen wird. Diese könnten im siebenstelligen Bereich liegen.

Weitere Informationen

Umweltskandal in der Schlei: Was wir wissen

Die Schlei ist stark mit Plastikmüll verunreinigt. Wie kommt er in das Gewässer? Wer ist verantwortlich? Wie wird das Ufer gesäubert? Fragen und Antworten zum Umweltskandal in der Schlei. mehr

Plastik in der Schlei: Streit um Verantwortung

Die Stadtwerke Schleswig und das Recyclingunternehmen ReFood machen sich jeweils gegenseitig dafür verantwortlich, dass die Schlei zwei Jahre lang mit Kleinplastik verschmutzt wurde. mehr

Plastikteilchen in der Schlei bereiten Probleme

Riesige Mengen winzig kleiner Plastikteilchen schwimmen in der Schlei. Zwei Jahre standen die Behörden vor dem Rätsel, woher der Kunststoff stammt. Nun ist der Verursacher ausfindig gemacht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.04.2018 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:11
Schleswig-Holstein Magazin

Spitzenkäse aus Itzehoe

16.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:09
Schleswig-Holstein Magazin

Göteborger Freizeitpark wird zur Weihnachtsstadt

15.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:11
Schleswig-Holstein Magazin

Operette in Lübeck nimmt Topmodel-Wahn aufs Korn

15.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin