Stand: 29.06.2018 20:54 Uhr

Schlachthof-Mitarbeiter fühlen sich ausgebeutet

In Kellinghusen im Kreis Steinburg wird viel über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Schlachthof-Mitarbeiter diskutiert. Der NDR Schleswig-Holstein hatte zuletzt katastrophale Zustände in einem Wohnheim aufgedeckt, in dem die Arbeiter untergebracht sind. Der Bericht sorgte für viel Aufsehen. Während die Zustände jetzt nach und nach verbessert werden sollen, sind die Arbeitsbedingungen in dem Tönnies-Schlachthof offenbar weiterhin schwierig. Jetzt haben zwei rumänische Mitarbeiter berichtet.

Gesundheitszeugnis ohne Untersuchung?

Die Männer schildern Elf-Stunden-Schichten, in denen sie die ganze Nacht lang 100 Kilo schwere Schweinehälften von Hand verladen mussten. In der Zeit sei ihnen nur eine Pause zugestanden worden. Sie seien in Rumänien von einer Agentur angeworben worden, die ihnen falsche Versprechungen über die Arbeitsbelastung und ihr Gehalt gemacht habe. Ein Gesundheitszeugnis habe ihnen ein rumänischer Arzt ohne Untersuchung ausgestellt, sagen die beiden Männer. Die schwere Arbeit in dem Kellinghusener Schlachthof hätten sie nur wenige Tage ausgehalten, bevor sie wieder gekündigt hätten.

Konzern bestreitet lange Arbeitszeiten

Der Schlachtkonzern Tönnies bestreitet so lange Arbeitszeiten. Das sei in den Dienstplänen nicht vorgesehen. "Grundsätzlich akzeptieren wir keine Arbeitszeiten, die über die gesetzlich vorgegebenen Rahmen hinausgehen, weder bei eigenen Mitarbeitern, noch bei unseren Dienstleistern", schreibt das Unternehmen auf Anfrage des Schleswig-Holsteins Magazins. "Die von uns vorgegebenen Produktionszeiten und -abläufe in der Betriebsstätte Kellinghusen sind so festgelegt, dass eine Nachtschichtarbeit von 11 Stunden am Stück mit nur einer Pause nicht eintritt", heißt es in der Mitteilung weiter. Tönnies betonte außerdem, dass für die Arbeiten auf Schlachthöfen keine deutschen Arbeitnehmer zu finden seien, und man deswegen auf die Zusammenarbeit mit spezialisierten Subunternehmern wie MGM angewiesen sei.

Weitere Informationen

Hoffnung für Arbeiter des Schlachthofs Kellinghusen

Der Schlachthofbetreiber in Kellinghusen reagiert auf die Diskussion um die Zustände in Wohnungen, in denen Arbeiter aus Rumänien untergebracht sind. Von nun an gilt ein Verhaltenskodex. (15.06.2018) mehr

Kellinghusener besorgt um rumänische Arbeiter

Bürger in Kellinghusen bemängeln schlechte Arbeits- und Wohnbedingungen für Beschäftigte in der Schlachtbranche. Diese kommen meist aus Rumänien, viele arbeiten im Tönnies-Schlachthof. (13.06.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.06.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:19
Schleswig-Holstein Magazin

Weihnachtsgeld: Kompliziertes Urteil

20.09.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:38
Schleswig-Holstein Magazin

Kieler Studenten sollen China kennen lernen

20.09.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:53
Schleswig-Holstein Magazin

Zwischenbericht zur Kita-Reform vorgestellt

20.09.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin