Stand: 09.02.2019 20:00 Uhr

Nordmetall-Cup: Hundertstel Sekunden entscheiden

von Anne Passow

Paul Strohbach übt seinen Text. "Also, wir wollten den Wagen erst ganz anders bauen, aber dann haben wir festgestellt, dass er unter dem hohen Druck zerbrechen würde", sagt der 14-Jährige und guckt seine Teammitglieder unsicher an. "War doch gut", meinen die. Paul ist aber noch nicht zufrieden - und spricht alles nochmal durch. Gleich müssen er und sein Team "Flying Dutchman" ihren Mini-Rennwagen der Jury vorstellen. Nur etwas größer als ein Handteller ist der - doch es steckt jede Menge Arbeit darin. Ein halbes Jahr hat das Team der Leibnitz Privatschule in Elmshorn an ihrem Flitzer aus dem Kunststoff Polyurethan gebaut. Nun wollen sie beim Nordmetall-Cup in Elmshorn gewinnen.

Schüler schicken Mini-Rennwagen auf die Strecke

Mit Technikern reden, Sponsoren finden

Mehr als 140 Schüler sind am Sonnabend bei dem Wettbewerb in der Köllner Chaussee in Elmshorn dabei. 19 Senior- und sechs Juniorteams von Schulen aus ganz Schleswig-Holstein treten bei der 10. Landesmeisterschaft von "Formel 1 in der Schule" gegeneinander an. Ihre Rennwagen haben sie im Unterricht - und auch in ihrer Freizeit - entwickelt. Das Ziel der Veranstaltung: Schüler für die sogenannten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu begeistern. Projektleiter Rolf Werner freut sich deshalb besonders darüber, dass dieses Jahr 34 Prozent der Teilnehmer Schülerinnen sind. "Die Teilnehmer lernen unheimlich viel über die Berufswelt, wenn sie ihre Wagen entwickeln. Sie müssen mit Technikern und Unternehmen reden, müssen Termine machen, überlegen, wie sie sich dann präsentieren, müssen Sponsoren finden und Plakate oder Flyer gestalten", nennt er einige Beispiele.

"Unser Auto ist ziemlich gut"

"Flying Dutchman" präsentiert sich gerade der Jury. Die sechs Schüler erzählen, wie viele Unterrichtsstunden sie an der Entwicklung ihres Rennwagens saßen, berichten davon, dass ihre Räder erst nicht passten, dass sie jede Menge Probleme mit Heck- und Frontspoiler hatten - und zeigen, welche Lösungen sie dafür gefunden haben. "Am Ende haben wir's geschafft. Und ich finde jetzt, unser Auto ist ziemlich gut", sagt Paul selbstbewusst.

Viel in der Freizeit getüftelt

Bild vergrößern
Die Rennautos sollten nicht leichter als 50 Gramm sein - das Auto des Teams "Kairo" hält diese Regel ein.

Selbstbewusst sind auch die "Kairos". Viele aus dem Team der Alexander-von-Humboldt-Schule Neumünster sind alte Hasen, kennen den Wettbewerb bereits. Der Weg hierher war trotzdem anstrengend. Ein Jahr haben die 17- und 18-Jährigen an ihrem Wagen gearbeitet. "Das meiste haben wir in unserer Freizeit gemacht", erzählt Teammitglied Mara Thun. "Die Räder für unseren Wagen haben wir selbst ausgefräst, die Spoiler haben wir bei einer 3-D-Druck-Firma in Bayern, das Kugellager bei einem Institut der FH Kiel bestellt", gibt Teammitglied Marco Herbert einen Einblick in die aufwendige Konstruktionsphase. An ihrem Stand In Elmshorn können sich die Besucher mit einem QR-Code kleine Filme zur Produktion ansehen. An einer Magnetschiene fahren dort Kopien des Rennwagens der "Kairos". Die Schüler erzählen, dass sie lange an dem Gewicht des Autos gefeilt haben. "Das Rennauto darf nicht unter 50 Gramm wiegen", erklärt Teammitglied Josefine Kaak.

CO2-Patrone als Antrieb

Genau 55,2 Gramm bringt der helltürkise Wagen der "Kairos" auf die Wage, als das Team sich zum ersten Rennen einfindet. Der Rennleiter stellt den Flitzer neben das Gefährt des gegnerischen Teams. Damit die Wagen nicht aus der Rennstrecke fliegen, befestigt er sie an einer Angelschnur. Dann setzt er zwei CO2-Patronen in die hinteren Öffnungen der Wagen und eröffnet das Rennen. Die Uhr läuft runter - und die beiden Teilnehmer dürfen ihren Wagen nicht zu früh - und auch nicht zu spät aus dem Startblock schießen. Dann ist es soweit: Die beiden Teilnehmer drücken den Startknopf. "Zisch" macht es. Mit Geschwindigkeiten bis zu 80 Kilometer pro Stunde rasen die Mini-Rennwagen die 20 Meter lange Rennstrecke entlang - und landen auf der anderen Seite in einem Puffer aus Watte und Handtüchern an. Nach genau 1,092 Sekunden ist dieses Rennen vorbei. "Eine super Zeit", schwärmt Mara.

Auch die "Flying Dutchmans" sind zufrieden, als ihr Auto die Rennstrecke in 1,3 Sekunden hinter sich bringt. Einen Sieg der Landesmeisterschaften wäre hier für alle eine riesengroße Belohnung. Denn das hieße ja, Schleswig-Holstein im Mai auf der Deutschen Meisterschaft in Wolfsburg zu vertreten.

Die Sieger

Gewonnen hat am Ende das Team "Blue Ocean" bei den Senioren und das Team "Red Arrow" bei den Junioren. Das Team "Kairo" hat den dritten Platz bei den Senioren und" Flying Dutchman" den dritten Platz bei den Junioren gemacht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Aktiv | 09.02.2019 | 17:50 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:01
Schleswig-Holstein Magazin
02:20
Schleswig-Holstein Magazin

Betrug: Falsche Polizisten vor Gericht

Schleswig-Holstein Magazin
02:32
Schleswig-Holstein Magazin

Aalebesatz in der Flensburger Förde

Schleswig-Holstein Magazin