Stand: 18.07.2018 20:49 Uhr

Nacht in der Nordsee überlebt: "Zweiter Geburtstag"

Bild vergrößern
Auch für die Besatzungen der Seenotrettungsschiffe "Theodor Storm" und "Paul Neisse" war es kein gewöhnlicher Einsatz. Links ist Vormann Olaf Burrmann zu sehen.

Stundenlang haben mehr als 100 Einsatzkräfte am Mittwoch an der Westküste Schleswig-Holsteins nach der Besatzung eines Vermessungsbootes gesucht. Eigentlich hätten die beiden Männer schon am Dienstagabend wieder im Hafen von Büsum (Kreis Dithmarschen) sein sollen. Als sie am Mittwochmorgen nicht da waren, alarmierte der Chef der Forscher die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Es war der Start in hektische Stunden. Ein Hubschrauber, mehrere Seenotkreuzer, die Wasserschutzpolizei und etwa 150 Feuerwehrleute an Land waren in die Suche eingebunden.

Kurz nach 13 Uhr kam schließlich die Meldung, mit der wohl längst nicht mehr alle Helfer gerechnet hatten: Die Männer waren am Leben - gefunden hatte sie die Besatzung des Rettungskreuzers "Theodor Storm" auf der Sandbank Tertius, etwa zehn Kilometer vor der Küste Büsums. "Sie haben uns gesagt, dass das wohl ihr zweiter Geburtstag war", sagte Olaf Burrmann, Vormann der "Theodor Storm". Die beiden Männer wurden nach DGzRS-Angaben "wohlauf" an Land gebracht. Ihr Boot ist gesunken. Es wurde noch nicht gefunden.

Große Welle überrollt das Boot

Laut DGzRS hatten die 30 und 54 Jahre alten Männer ihre Vermessungsarbeiten am Dienstagabend abgebrochen, weil ihnen der Seegang zu stark geworden war. Dann habe eine außergewöhnlich große Welle das sieben Meter lange Boot auf die Seite gedrückt, woraufhin einer der zwei Motoren ausgefallen sei, so die Erzählung der Geretteten gegenüber der Besatzung des Rettungskreuzers. Eine weitere Welle habe das Boot dann komplett auf die Seite gedrückt.

Bild vergrößern
Von dem Vermessungsboot der Reihe "Geo Profiler" fehlt bislang jede Spur.

Und so schilderten die Männer den weiteren Verlauf: Mit einer Rettungsweste ausgestattet sprang einer der Beiden über Bord, der andere blieb zunächst im Innenraum des Bootes. Doch die Tür sei zugefallen, sodass der Mann gefangen war. Kurze Zeit später drehte sich das Vermessungsboot. Der Mann konnte sich befreien, indem er die Tür auftrat. Er sei aus dem Boot herausgetaucht und habe sich an einen Rettungsring geklammert.

"Dann sind sie nach ihren Schilderungen die ganze Nacht getrieben", erzählt Vormann Burrmann. Das Wetter sei gut gewesen, das Wasser der Nordsee 19 Grad warm, "und sie hatten einen unglaublichen Überlebenswillen". Nur so hätten die Männer überleben können, so Burrmann. Einer der beiden Männer habe den anderen - im Wasser treibend - immer wieder wachgerüttelt.

Ein Mann steht vor einem Hafen und schaut ernst an der Kamera vorbei. Links neben ihm liegt ein Boot im Hafen. © NDR Foto: NDR

Retter: "Ein unheimlicher Überlebenswille"

Schleswig-Holstein Magazin -

Olaf Burrmann hat die Suche nach einem vermissten Schiff vor der Küste Büsums als Vormann eines Seenotrettungskreuzers miterlebt. Ihm schilderte die gerettete Besatzung die Nacht in Not.

5 bei 16 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Lichtern eines Windparks gefolgt

Bild vergrößern
Die beiden Männer wurden auf der Sandbank Tertius gefunden.

Am Morgen hatten die Männer ihrer Erzählung zufolge dann wieder Grund unter den Füßen. Von diesem Moment an dauerte es ungefähr eine Stunde, bis sie an der Sandbank Tertius ankamen. Auf ihrem Weg hatten sich die Männer eigenen Aussagen zufolge an den Lichtern eines Windparks bei Westerdeichstrich (Kreis Dithmarschen) orientiert. Auf Tertius angekommen "schleppte einer der beiden einen Rettungsring hinter sich her. Der andere hatte eine Rettungsweste an. Beide waren in kurzen Hosen und Arbeitsstiefeln", berichtete Vormann Burrmann, wie die Seenotretter die Vermissten aufgefunden hatten.

"Sie waren sogar noch zu Scherzen aufgelegt", erinnerte sich ein anderer Retter, "erst bei uns an Bord waren sie dann runter mit der Bereifung, als sie erzählt haben, wie sie die Nacht durchgestanden haben." Den Erzählungen zufolge hatten die Männer mehrere Schiffe gesehen. Fischer seien weniger als 100 Meter an ihnen vorbeigefahren, ohne sie zu sehen. Nach der Erleichterung werde wohl "der seelische Schaden" kommen, vermutete Burrmann.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.07.2018 | 22:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:38
Schleswig-Holstein Magazin

Neue Schwebefähre für Rendsburg 2020?

13.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:19
Schleswig-Holstein Magazin

Landtag debattiert Digitalpakt für Schulen

13.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:09
Schleswig-Holstein Magazin

Auftakt zur LAN-Party bei der NorthCon

13.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin