Verstoß gegen Tierschutzrecht? Flintbeker Schlachterei durchsucht

Stand: 05.08.2022 17:15 Uhr

Eine Woche nach den schweren Vorwürfen gegen eine Schlachterei in Flintbek ist der Betrieb am Freitag von der Polizei durchsucht worden. NDR Schleswig-Holstein hat über den Fall bereits ausführlich berichtet.

Laut der Kieler Staatsanwaltschaft wurde am Freitag die Schlachterei in Flintbek durchsucht, weil es dort zu erheblichen Verstößen gegen das Tierschutzrecht gekommen sein soll. Tierschützer hatten zuvor mit versteckten Kameras erhebliche Qualen von Rindern bei der Schlachtung dokumentiert. Die Tiere sollen bei der Schlachtung offenbar nicht richtig betäubt worden sein. In der heutigen Durchsuchung ging es konkret darum, Geschäftsunterlagen sicherzustellen.

Staatsanwaltschaft: "Beweismittel sichergestellt"

Freitagvormittag hat die Staatsanwaltschaft Kiel gemeinsam mit Kräften der Landespolizei sowie in Begleitung von Vertretern der Aufsichtsbehörden einen Durchsuchungsbeschluss in der Landschlachterei in Flintbek sowie in der Wohnung eines Verantwortlichen vollstreckt. "Vor Ort haben die Durchsuchungskräfte umfangreich Beweismittel sicherstellen können. Beweismittel in der Gestalt, dass wir Anlieferungslisten, Schlachtlisten, Personallisten und Ähnliches sicherstellen konnten, sowie natürlich auch digitalisierte Beweismittel wie Computer und vergleichbares, die nunmehr auszuwerten sind", so Oberstaatsanwalt Hadeler. Nun wolle man versuchen, die einzelnen Vorfälle, die per Video dokumentiert worden waren, anhand des Beweismaterials zuzuordnen: "Welche Tiere wurden wann angeliefert? Von wo und von wem? Wurde das Fleisch, das im Rahmen der Schlachtung gewonnen wurde, gegebenenfalls auch in den Handelsverkehr gebracht?" Laut Oberstaatsanwalt Hadeler befindet sich der beschuldigte Betriebsinhaber auf freiem Fuß.

Reichen die regelmäßigen Tierschutzkontrollen aus?

Laut Landwirtschaftsminister Werner Schwarz ist der Tierschutz in der Landschlachterei Flintbek in den letzten zwei Jahren vier Mal überprüft worden. Jedoch sei es nicht möglich, bei 101 Schlachtbetrieben in Schleswig-Holstein bei jeder Schlachtung eine Kontrollperson dabei zu haben, so Schwarz. In großen Schlachtbetrieben muss während der Dauer der Schlachtung mindestens ein amtlicher Tierarzt anwesend sein - nicht aber in der Landschlachterei Flintbek. "Die Fachaufsicht vor Ort in den Schlachthöfen liegt bei den Kreisen. Insofern konnten wir als Land auch erst Einsicht nehmen, als der Fall bekannt geworden ist." Man werde aber prüfen, ob die eigene Fachaufsicht - also die Aufsicht der Kontrolltätigkeit der Kreise - in Anbetracht des Vorfalls angepasst werden müsse. Gerade als neuer Minister sei es Schwarz wichtig, dass der Vorgang und die Abläufe transparent aufgearbeitet werden.

Der Betrieb war nach den Berichten von "Der Spiegel" und NDR Schleswig-Holstein in der vergangenen Woche auf Anordnung des Kreises versiegelt worden.

Die bisherigen Entwicklungen:

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.08.2022 | 17:00 Uhr

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