Ferkel stehen in der Ferkelzucht in einem Stall auf einem Hof. © dpa Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Kammer: Dramatische Krise bei Schweinehaltern

Stand: 04.11.2021 16:35 Uhr

Die Landwirtschaftskammer hat auf ihrer Hauptversammlung am Donnerstag in Rendsburg Alarm geschlagen: Einerseits sind die Schweinefleischpreise seit langem sehr niedrig, andererseits sollen die Schweinehalter viel Geld in die Hand nehmen, um die Ställe umzubauen.

Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Ute Volquardsen, beklagte auf der Hauptversammlung eine ganze Reihe von Problemen, die ihrer Ansicht nach eine dramatische Krise bei den rund 700 Betrieben im Land bedeutet. Zum einen sei der Export nach China wegen der Afrikanischen Schweinepest weiterhin nicht möglich, zum anderen dränge zusätzlich Schweinefleisch aus anderen Ländern auf den Markt, so Volquardsen. Das halte die Preise weiter auf sehr niedrigem Niveau. Ein Kilogramm Schlachtschwein wird nach Angaben der Landwirtschaftskammer aktuell mit etwa 1,20 Euro gehandelt.

Wie kommen die Kosten wieder rein?

Laut Kammerpräsidentin Volquardsen kommen die politischen Unsicherheiten in Sachen Tierwohl noch verschärfend hinzu. Die Betriebe zögern deshalb zum Beispiel, in neue Ställe zu investieren. Hohe Kosten beim Stallumbau für die Haltungsstufen drei und vier sowie Hürden bei Baugenehmigungen und Baurecht bremsen nach Volquardsens Angaben Fortschritte aus. Gleichzeitig seien Energiekosten und Preise für Düngemittel stark gestiegen, sagt Volquardsen - und: "Außerdem ist nach wie vor nicht klar, ob die Betriebe die höheren Kosten durch höhere Produktpreise an der Ladentheke bezahlt bekommen". Ähnlich sieht es auch Bauernverbandpräsident Werner Schwarz. Besser sehe es in der Milchwirtschaft und im Ackerbau aus. Allerdings drohten auch hier steigende Preise für Energie und Düngemittel die Mehreinnahmen aufzuzehren.

Landwirtschaftsminister Albrecht: "Wir brauchen einen klaren Rahmen"

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) verweist auf den Bund. Er sieht die neue Bundesregierung am Zug. Sie stehe - sagte der Minister - vor drängenden Herausforderungen in der Agrarpolitik. In den vergangenen Jahren habe es an nötigen politischen Entscheidungen gefehlt. Viele Landwirte seien bereit, zum Beispiel ihre Ställe umzubauen. "Dafür brauchen wir einen klaren Rahmen." Kurzfristig nötig seien Hilfen für Schweinehalter. Sie befänden in einer "existenziellen Krise", sagte der Minister.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.11.2021 | 15:00 Uhr

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