Stand: 07.02.2019 16:21 Uhr

Gefahr durch versenkte Weltkriegs-Munition steigt

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Seit über 70 Jahren verrotten viele Tonnen Munition in Nord- und Ostsee - mit giftigen Folgen für Meeresbewohner und Verbraucher.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden geschätzte 1,6 Millionen Tonnen Kampfstoffe in Nord- und Ostsee versenkt. Nach mehr als 70 Jahren nagt der Zahn der Zeit immer stärker an dem brisanten Sondermüll am Meeresgrund. Internationale Forscher haben mehr als drei Jahre lang untersucht, welche Konsequenzen dies für die Umwelt hat. Am Donnerstag wurden die Ergebnisse der sogenannten Daimon-Studie vorgestellt, bei der es speziell um den Umgang mit versenkter Munition in der Ostsee geht.

Gifte landen auf dem Teller der Verbraucher

Schätzungsweise 300.000 Tonnen Munition und 65.000 Tonnen chemische Kampfstoffe liegen allein auf dem Grund der Ostsee. Die von versenkter Weltkriegsmunition ausgehenden Gefahren werden der Studie zufolge künftig immer größer. Dies hätten Feldversuche in der Kieler Bucht gezeigt, sagte Toxikologe Edmund Maser auf der Abschlusskonferenz zu dem Forschungsprojekt in Bremerhaven. Sobald die Metallhüllen von Bomben oder Granaten weggerostet seien, strömten umso mehr schädliche Substanzen ins Gewässer. Diese würden nachweislich von den Meeresbewohnern aufgenommen und landeten somit auch auf dem Teller der Verbraucher.

Verzehr von verseuchten Muscheln bedenklich

Die Munition und die chemischen Kampfstoffe machen Fische wie den Dorsch oder die Klieschen, eine spezielle Plattfischart, krank. Das ist ein Ergebnis der Daimon-Studie. Das gelte gleichermaßen für Abbauprodukte des Sprengstoffs TNT, wie auch für arsenhaltige chemische Kampfstoffe. Maser und sein Team setzten Muscheln im Munitionsversenkungsgebiet Kolberger Heide in der Kieler Außenförde in kleinen Netzkäfigen aus - und damit der Verseuchung durch Munition. Den Forschern zufolge reicherten die Muscheln sprengstoffhaltige Stoffe wie das giftige und krebserregende TNT an. Die Wissenschaftler halten den Verzehr von Muscheln aus munitionsverseuchten Gebieten für bedenklich.

Bergen, sprengen oder gar nicht anfassen?

Die Experten stellten außerdem fest, dass dieses TNT für Muscheln giftig ist und bei Fischen das Erbgut schädigt. Die empfindliche Plattfischart Kliesche hatte im Untersuchungsgebiet Kolberger Heide mehr Lebertumore als anderswo. Ein weiteres Ergebnis: Dank der Studie konnte eine Software entwickelt werden. Sie hilft Behörden bei der Entscheidung, ob rostige Munition noch geborgen werden kann oder gesprengt werden muss oder besser gar nicht angefasst wird.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.02.2019 | 17:00 Uhr

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