Stand: 04.01.2019 15:43 Uhr

Erster Problemwolf in Schleswig-Holstein?

von Nikolai Hotsch, Jörg Jacobsen

Wenn ein Wolf mehrfach spezielle Schutzzäune überwindet und Nutztiere reißt, gilt er als sogenannter Problemwolf - und kann unter bestimmten Umständen abgeschossen werden. Bislang hat es das in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben. Das könnte sich aber ändern: In Bilsen bei Quickborn (Kreis Pinneberg) sind nach Angaben des Wolfsmanagements am Mittwoch Schafe auf zwei Weiden gerissen worden, die durch wolfssichere Zäune geschützt sind. Auch in der vergangenen Woche ist es nach Angaben des Landes in der Gegend zu einem Schafsriss hinter einem Schutzzaun gekommen.

Wolf in einem Wald.

Abschussfreigabe für den Problemwolf?

Schleswig-Holstein Magazin -

Im Kreis Pinneberg sind zwei Mal Schafe gerissen worden - trotz wolfssicherer Zäune. Vieles deutet auf einen Wolf hin. Falls sich der Fall bestätigt, droht dem Tier der Abschuss.

4,06 bei 16 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Zäune waren vorbildlich aufgebaut

Derzeit überprüft das Ministerium, ob es sich bei dem Verursacher um einen Wolf handelt. "Wir haben die ersten Schritte zur Überprüfung der Risse eingeleitet und nehmen die Angelegenheit sehr ernst. Die drei Zäune waren vorbildlich und wolfssicher aufgebaut, so dass von Seiten der Halterinnen und Halter alles im Sinne der Wolfsprävention geleistet wurde. Es deutet vieles darauf hin, dass es sich hier um Wolfsrisse handelt", sagte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne).

Damit würde auf Grund der mehrfachen Überwindung wolfssicherer Zäune die Ausnahmeregelung im Naturschutzgesetz greifen, nach der ein Antrag auf Abschuss des Wolfs gestellt werden kann, teilte das Kieler Umweltministerium mit. Da es sich beim Wolf um eine streng geschützte Art handele, brauche das Ministerium aber dafür einen sicheren Nachweis, sagte Albrecht. "Wolfssichere Zäune werden in aller Regel nicht überwunden und sind daher auch weiterhin die beste Präventionsmaßnahme gegen Wolfsrisse", so der Umweltminister. "Sie bieten jedoch keinen einhundertprozentigen Schutz, weshalb es auch die Ausnahmeregelung für den Abschuss von Problemwölfen gibt."

Schafe stehen auf einer Wiese. © NDR Foto: Ina Kast

Problemwolf droht der Abschuss

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Möglicherweise gibt es in Schleswig-Holstein den ersten sogenannten Problemwolf. Im Kreis Pinneberg sind laut Wolfsmanagement zwei Mal Schafe gerissen worden - trotz wolfssicherer Zäune.

4,12 bei 17 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Land muss Abschuss genehmigen

Ende November hatte es in Westerhorn (Kreis Pinneberg) den ersten bekannten Fall im Land gegeben, bei dem Schafe von einem Wolf gerissen wurden, die laut Schäfer hinter einem Schutzzaun standen. "Sollte sich unser Verdacht bestätigen, werden wir handeln und ein entsprechendes Verfahren gemeinsam mit allen Beteiligten zügig und rechtssicher durchführen", sagte Minister Albrecht.

Wenn die DNA-Proben also ergeben, dass wieder ein Wolf die eingezäunten Schafe gerissen hat, könnte ein "Antrag auf Entnahme" gestellt werden. Anschließend würden Mitarbeiter des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) den Antrag prüfen. Sollten sie zu dem Ergebnis kommen, dass der Wolf auf Grund seines Verhaltens geschossen werden darf, würden sie eine entsprechende Genehmigung ausstellen. Die könnte zum Beispiel beinhalten, dass bestimmte Jäger in einem genau festgelegten Gebiet für eine begrenzte Dauer Jagd auf den Wolf machen dürften.

Videos
02:52
Schleswig-Holstein Magazin

Wie sieht ein wolfssicherer Zaun aus?

03.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin

Euronetze von 1,05 Meter Höhe sollen Schafe vor Wölfen ausreichend schützen. Diese Zäune bekommen Schäfer vom Land gestellt. Das Bundesamt für Naturschutz empfiehlt allerdings höhere Zäune. Video (02:52 min)

Welcher Wolf ist der Problemwolf?

Das Landesamt lässt nach jedem Vorfall DNA-Proben im Labor untersuchen. Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass für die meisten Risse in der Region immer derselbe Wolf verantwortlich ist. Es handelt sich um das Tier mit dem Kürzel GW924m. DNA von einem anderen Wolf konnten die Genetiker laut LLUR in den vergangenen Monaten dort nicht entschlüsseln. Der Wolf mit der Nummer 924 ist seit dem Sommer in der Region zwischen A 7, A 23 und B 206 unterwegs.

Sollte er tatsächlich zum Abschuss freigegeben werden, wäre die Identifikation ein Problem. Jäger wüssten nicht, ob ihnen tatsächlich Wolf GW924m vor die Flinte läuft oder nicht. In der Theorie müsste das Tier also gefangen werden, ein weiterer DNA-Test müsste seine Identität zweifelsfrei klären. Da dieses Verfahren in der Praxis nicht umsetzbar ist, hat sich eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe auf ein alternatives Vorgehen verständigt: Demnach könnte das LLUR den zeitlich und örtlich begrenzten Abschuss von Wölfen - auch ohne DNA-Test - genehmigen.

Wolf von Mölln ohne Scheu

Vor vier Jahren hatte das Land bereits die Entnahme eines Wolfes in der Nähe von Mölln (Kreis Herzogtum Lauenburg) genehmigt. Das Tier galt allerdings nicht als "problematisch", sondern als "verhaltensauffällig", weil es keine Scheu vor Menschen hatte.

Weitere Informationen

Dossier: Wölfe in Schleswig-Holstein

Die Rückkehr des Wolfes nach Schleswig-Holstein bewegt viele im Land. Im Dossier bei NDR.de berichten die NDR Reporter über Aktuelles und Hintergründe. mehr

Was Sie über Wölfe im Land wissen müssen

05.11.2018 19:30 Uhr

Der Wolf ist zurück in Schleswig-Holstein - und beschäftigt zunehmend die Tierhalter und die Politik. Wie viele Wölfe gibt es? Sind Sie gefährlich? NDR.de beantwortet wichtige Fragen zum Wolf. mehr

Wie viel Wolf kann Schleswig-Holstein vertragen?

18.11.2018 18:03 Uhr

Mehrere Wölfe halten sich in Schleswig-Holstein auf und reißen immer wieder Nutztiere. Wie kann man damit umgehen? Darüber haben wir in Zur Sache diskutiert. mehr

8 Bilder

Wolf GW924m unterwegs in Südholstein

18.11.2018 08:00 Uhr

Der Wolf ist zurück in Schleswig-Holstein: Wildtierkameras zeichnen immer wieder Bilder einzelner Wölfe auf, die durch unsere heimischen Wälder pirschen. Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 03.01.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:33
Schleswig-Holstein Magazin

Kraftwerks-Anwohner enttäuscht von Ministerium

17.01.2019 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:03
Schleswig-Holstein Magazin

Kavernen leer: Albrecht besucht AKW Brunsbüttel

17.01.2019 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:03
Schleswig-Holstein Magazin

16 Schafe in Süderhastedt von Wolf gerissen?

17.01.2019 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin