Stand: 12.08.2019 20:20 Uhr

Elterntaxis: Sind Kiss-and-Ride-Zonen die Lösung?

Der erste Schultag nach den Sommerferien bedeutet an vielen Schulen in Schleswig-Holstein vor allem eins: Verkehrschaos durch sogenannte Elterntaxis. Im Schnitt wird jedes fünfte Kind laut einer Untersuchung des Forsa-Instituts von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht. Halteverbote werden von vielen Eltern jedoch ignoriert. Einige Schulen sind deshalb bereits im vergangenen Schuljahr erfinderisch geworden - mit sogenannten Kiss-and-Ride-Zonen, also extra eingerichteten Haltezonen für Elterntaxis.

ADAC: Elterntaxis können gefährlich sein

In Kaltenkirchen (Kreis Segeberg), Großhansdorf und Willinghusen (beide Kreis Stormarn) gibt es diese Zonen. Eltern können ihre Kinder dort in einer gewissen Entfernung zur Schule aussteigen lassen. Das Ergebnis: Kein Chaos vor der Schule und der Verkehr wird sicherer.

Denn die Elterntaxis sind nicht nur umstritten, sie können auch eine Gefahr darstellen. Der ADAC kritisiert, dass oft dort gehalten wird, wo es gar nicht erlaubt ist: an Bushaltestellen, im Halteverbot oder sogar in zweiter Reihe. Und das kann auch für andere Kinder und Fahrradfahrer gefährlich werden.

Aktionswochen "Zu Fuß zur Schule"

Mit dem Projekt "Zu Fuß zur Schule" wollen einige Schulen außerdem den eigenständigen Schulweg der Schüler fördern. Ein Bonusheft, das täglich abgestempelt wird, soll einen Anreiz schaffen, damit Kinder in zwei Aktionswochen im September zu Fuß zur Schule gehen oder die Kiss-and-Ride-Zonen genutzt werden. Das vergangene Jahr hat laut den Schulen gezeigt, dass auch solche Aktionen gegen das Verkehrschaos helfen.

Prien: Politik kann nur an Eltern appellieren

Eltern müssten aber erst überzeugt werden, dass das, was zwei Wochen funktioniert, auch ein ganzes Schuljahr klappen kann, so die Schulen. Viele empfinden es als am sichersten, die Kinder selbst zur Schule zu bringen. Auch die Politik könne nur an die Eltern appellieren, sagt Bildungsministerin Karin Prien (CDU).

"Unsere feste Überzeugung ist es, dass es für Kinder gut ist, möglichst früh - aber natürlich altersangemessen - zu lernen, den Schulweg selber zu bewältigen", sagte Prien in Schleswig-Holstein 18:00. "Da können die Eltern helfen, indem sie die Schüler zu Anfang begleiten. Später macht es Sinn, in Gruppen loszugehen", so Prien weiter. Die Selbstständigkeit nehme zu, wenn die Schüler selbstständig lernen, ihren Schulweg zu meistern.

Individuelle Lösungen finden

Prien befürwortet, dass Schulträger und Eltern in vielen Fällen gemeinsam eine Lösung suchen, die an die jeweiligen Bedingungen angepasst ist. Für die Freie Waldorfschule in Kiel wäre das zum Beispiel eine neue Bahnhaltestelle. Die Schule ist schon länger im Gespräch mit der Stadt, denn so könnten viele Schüler auch mit dem Zug zur Schule kommen. Bei gutem Wetter ist aber natürlich auch das Fahrrad eine Möglichkeit, das Chaos vor den Schulen zu vermeiden.

Weitere Informationen

Schüler kämpfen gegen Elterntaxis

12.02.2019 12:00 Uhr

In Barsbüttel gehen Schüler, Lehrer und Eltern gegen sogenannte Elterntaxis vor. Sie wollen kein Verkehrs-Chaos mehr vor ihrer Schule. Denn das kann gefährlich werden. mehr

Kinder, habt Geduld mit euren Elterntaxi-Eltern

12.02.2019 12:00 Uhr

Elterntaxis verstopfen jeden Morgen die Straßen vor den Schulen des Landes. Die Argumentation der Mütter und Väter: Sie würden ihre Kinder vor den Gefahren im Straßenverkehr schützen. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.08.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:37
NDR 1 Welle Nord
02:34
Schleswig-Holstein Magazin
03:06
Schleswig-Holstein Magazin