Stand: 13.09.2019 12:00 Uhr

Transplantations-Arzt erhält 1,1 Millionen Euro

Ein Arzt und sein Anwalt sitzen im Landgericht Braunschweig. © dpa-Bildfunk Foto: Christophe Gateau
Der Mediziner (rechts) erhält für die Zeit in U-Haft Schadenersatz vom Land Niedersachsen.

Der im Göttinger Transplantationsskandal freigesprochene Mediziner erhält gut 1,1 Millionen Euro Schadenersatz vom Land Niedersachsen. Seiner Klage hat das Landgericht Braunschweig heute in weiten Teilen stattgegeben. Der ehemalige Chefarzt hatte unter anderem Verdienstausfälle während seiner elfmonatigen U-Haft geltend gemacht. Er habe einen Job in Jordanien mit 50.000 Dollar Gehalt pro Monat nicht antreten können. Der Kläger sei wegen der Transplantations-Vorwürfe rechtskräftig vom Landgericht Göttingen freigesprochen worden und habe deshalb Anspruch auf die Entschädigung, sagte ein Sprecher des Landgerichts im Gespräch mit dem nach NDR Fernsehmagazin Hallo Niedersachsen.

Kammer schenkt zwei Zeugen Glauben

Das Gericht hatte einen Zeugen zu der geplanten Anstellung des Göttinger Arztes in Jordanien befragt. Bei ihm habe es sich um einen leitenden Arzt des Krankenhauses gehandelt, in dem der Kläger ab Januar 2013 hätte arbeiten sollen, so der Gerichtssprecher. Der Arzt aus Jordanien habe die Kammer davon überzeugen können, dass das Arbeitsverhältnis des Klägers mit einem Monatsgehalt von 50.000 Dollar in Aussicht gestanden habe. Die Kammer habe keinen Zweifel daran gehabt, dass er das Geld bekommen hätte, hätte er die Stelle angetreten, so der Sprecher. Der Zeuge habe unter anderem Details vorgetragen, die die Kammer am Ende überzeugt hätten. Deshalb sei die Entscheidung gefallen, ihm die geforderten rund 1,1 Millionen Euro Entschädigung für den entstandenen Verdienstschaden zuzusprechen. Die Generalstaatsanwaltschaft als Vertreterin des Landes Niedersachsen hatte in der Verhandlung angezweifelt, dass der Arzt tatsächlich in einem Krankenhaus in Jordanien angestellt werden sollte und ein derart hohes Gehalt bezogen hätte.

 

Land muss auch Zinsen für Kautions-Darlehen zahlen

Auch in einem weiteren Punkt entschied das Landgericht im Sinne des Klägers: Dabei ging es um Zinsforderungen. Der Kläger hatte angegeben, dass sein Bruder für die Kaution in Höhe von 500.000 Euro bei seiner Freilassung aus der Untersuchungshaft ein Darlehen habe aufnehmen müssen. Er selbst habe dafür die Zinsen in Höhe von 80.000 Euro getragen, schilderte der Kläger. Auch dazu sagte vor Gericht ein Zeuge aus, dem die Kammer Glauben schenkte. Demzufolge muss das Land Niedersachsen zusätzlich 80.000 Euro an den ehemaligen Göttinger Chefarzt zahlen. Die Forderung des Klägers nach der Übernahme von Rechtsanwaltskosten für die Verfassungsbeschwerde wies die Kammer indes ab. Das Land Niedersachsen und der Mediziner haben die Möglichkeit, gegen die Entscheidung des Landgerichts Braunschweig Berufung beim Oberlandesgericht einzulegen.

BGH bestätigt Freispruch des Arztes

Der Mediziner war im Jahr 2015 vom Landgericht Göttingen im Organspendeskandal freigesprochen worden. Ihm war vorgeworfen worden, medizinische Daten so manipuliert zu haben, dass seine Patienten früher als vorgesehen ein Spenderorgan erhalten haben. Weil das damals nicht strafbar war, wurde der Arzt vom Vorwurf des elffachen versuchten Totschlags und der dreifachen Körperverletzung mit Todesfolge entlastet. Die Richter bescheinigten ihm zwar verwerfliche Manipulationen medizinischer Daten, die eine schnellere Zuteilung von Organen für seine Patienten bewirkt hätten. Dem Arzt könne aber keine Tötungs- oder Körperverletzungsabsicht vorgeworfen werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) schloss sich dieser Auffassung an und bestätigte den Freispruch 2017, nachdem die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt hatte.

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Hallo Niedersachsen | 13.09.2019 | 19:30 Uhr

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