Stand: 23.08.2019 12:00 Uhr

Razzia: Material für 30-Kilo-Bombe sichergestellt

Die Polizei hat bei dem Schlag gegen eine Internetplattform zum Bau von Kriegswaffen und Bomben allein in Niedersachsen rund 200 Kilogramm sprengstofftaugliches Material sichergestellt. Das teilten die Staatsanwaltschaft Göttingen und die Polizeidirektion Göttingen mit. Bundesweit wurden insgesamt rund 400 Kilogramm Grundstoffe zur Bombenherstellung und Drogen wie Amphetamine, Heroin und Marihuana beschlagnahmt. Es sei genug explosives Material sichergestellt worden, um eine 30-Kilogramm-Bombe zu bauen. "Das wäre eine Monster-Bombe gewesen", sagte Polizeipräsident Lührig. Zudem fanden die Beamten Waffen; unter anderem Gewehre, Messer sowie Munition.

Pressekonferenz der Polizeidirektion Göttingen.

Razzia: Polizei legt Sprengstoff-Ring lahm

Hallo Niedersachsen -

Bei einer Razzia in neun Bundesländern sowie in Litauen und Kroatien wurden Beweismittel gegen einen internationalen Sprengstoff-Ring sichergestellt. Koordiniert wurde der Einsatz aus Göttingen.

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Verdächtiger mit rechtsextremer Gesinnung

Offen ist, inwieweit politische Motive bei den insgesamt 22 Verdächtigen eine Rolle spielen. Zumindest bei einem Tatverdächtigen gebe es Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung, so die Ermittler Bei dem Mann aus dem westfälischen Soest seien mehrere T-Shirts und Aufkleber mit Aufdruck rechtsradikaler Netzwerke sowie eine Hakenkreuzfahne sichergestellt worden. Aufgrund der neuen Erkenntnisse ermittelt nun der Staatsschutz gegen den Mann.

Großangelegte Razzia in neun Bundesländern

Die Polizei hatte am Dienstag ein öffentlich zugängliches Internet-Forum lahmgelegt, auf dem im großen Stil Kriegswaffen und Drogen gehandelt wurden. "Wir konnten die Betreiber ermitteln und das Board schließen", sagte Ingo Rau, Leiter der Zentralstelle Internet- und Computerkriminalität der Staatsanwaltschaft Göttingen. In einer großangelegten Razzia an insgesamt 34 Einsatzorten in neun Bundesländern sowie in Litauen und Kroatien hatten die Ermittler umfangreiche Beweismittel sichergestellt. 22 Personen im Alter von 17 bis 55 Jahren wurden vernommen - darunter auch die fünf Betreiber der Plattform und zwei technische Administratoren. Drei Personen leben aktuell in Niedersachsen.

Kooperation zwischen deutschen und internationalen Polizeikräften

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So funktionierte die Plattform "xplosives.net"

Anleitungen zum Bau von Bomben, Sprengstoffen und Zündern: Über Jahre war dies problemlos auf der Internet-Plattform "xplosives.net" möglich - und noch viel mehr. mehr

Bei der Aktion arbeiteten die Göttinger eng mit Ermittlern des LKA Niedersachsen, des BKA und anderen deutschen und internationalen Polizeikräften zusammen. In Niedersachsen wurden Objekte in Cloppenburg, Schwanewede (Landkreis Osterholz) und Hillerse (Landkreis Gifhorn) durchsucht. Einsätze gab es unter anderem auch in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen. Laut Göttingens Polizeipräsident Uwe Lührig seien dabei Server beschlagnahmt worden.

Tipps zur Herstellung von Bomben

Ein Screenshot der illegalen Internet-Plattform, die Spezial-Ermittler aus Göttingen inzwischen lahmgelegt haben.

Die Plattform sei offenbar zum Austausch kriminellen Know-hows da gewesen: Laut den Ermittlern gaben sich die rund 3.000 Mitglieder des Internet-Forums in Chats und mittels Fotos und Videos gegenseitig Tipps zur Herstellung von Drogen oder zum Bau von Waffen - wie beispielsweise Rohrbomben oder Minen. Die Foren-Gemeinschaft habe sich zudem regelmäßig auf sogenannten Spreng-Conventions getroffen, um sich gegenseitig bei öffentlichen Sprengungen zu überbieten. "Es waren fast schon Meisterschaften", so Lührig. Auf der Internetseite wurden aber auch Videos vom Bostoner Marathon gefunden wurden, bei dem 2013 zwei Sprengsätze detoniert waren und drei Menschen getötet wurden.

Plattform blieb zwölf Jahre unentdeckt

Die Betreiber der Plattform, gegen die nun unter anderem wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Betäubungsmittelgesetz ermittelt wird, seien alles Deutsche und vom Typus eher unauffällig. "Da waren sogar Studenten dabei", sagte Staatsanwalt Rau. Die Verdächtigen wurden bislang nicht verhaftet, aber von den Ermittlern vernommen. Wegen der Verdunkelungsgefahr wurden zudem Beweismittel sichergestellt. Viele der Stoffe, die bei den Durchsuchungen in Wohnungen, Häusern und Garagen gefunden wurden, seien zwar nur illegal erhältlich. "Da waren aber auch Stoffe dabei, die Sie einfach im Baumarkt kaufen können", so Rau. Die Plattform existiere bereits seit 2006, auf sie aufmerksam wurden die Beamten allerdings erst im Herbst 2018. Möglicherweise deshalb, weil sich die Seite zuvor mit anderen Themen als Waffen und Sprengstoff beschäftigte - so die Vermutung der Ermittler.

Täter aus Internet-Anonymität herausholen

Die Göttinger werten die konzentrierte Aktion dennoch als großen Erfolg. So sei der Einsatz ein gutes Beispiel für polizeiliches Vorgehen in der digitalen Welt, wie es zukünftig sein müsse, sagte Polizeipräsident Lührig. Zudem sei das Signal eindeutig: Täter könnten aus der Anonymität des Internets herausgeholt werden. Damit werde verhindert, dass das Internet als rechtsfreier Raum wahrgenommen wird.

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Hallo Niedersachsen | 23.08.2019 | 08:00 Uhr

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