Ein Pony im Fahrstuhl: Einmal erste Etage, bitte

Stand: 15.01.2022 07:49 Uhr

Einmal im Monat macht sich die 20 Jahre alte Stute "Pauline" stadtfein und besucht an Demenz und Alzheimer erkrankte Menschen im Altenhilfezentrum Johannishof in Rosdorf bei Göttingen.

von Jan Fragel

Die Hufe sind sauber gefeilt, Fell und Mähne gestriegelt. Janine Mühlbach vom Reiterhof Wackelburg in Diemarden führt Pony "Pauline" ins Foyer im Johannishof. Dann steht sie mitten in einer Runde von Seniorinnen und Senioren. "'Pauline' ist da", ruft Roswitha Krohn. Die 75-Jährige ist in der Tagespflege, sie streichelt dem Pony mit beiden Händen kräftig über den Kopf. Das löst Erinnerungen aus: "Ich hatte früher auch Pferde", erzählt Krohn. "Auf denen bin ich geritten." Nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner des Johannishofes gehen gleich so unbedarft auf "Pauline" zu. Manche sind zurückhaltender. Während sie sitzen, blicken sie dem etwa hüfthohen Tier direkt in die Augen.

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Tiere erreichen Menschen ganz anders 

Ein Pferd im Altenheim, das löse etwas in den Senioren aus, sagt Maren Weck, die Leiterin des Johannishofs: "Man sieht hier, was man auch aus Studien weiß: Tiere haben gerade auch auf kognitiv eingeschränkte Menschen eine besondere Wirkung. Sie kommunizieren auf einer anderen Ebene, nonverbal, und erreichen damit auch die Menschen ganz anders, als wir es schaffen."

"Pauline" fährt Fahrstuhl

Ein Pony in einem Seniorenheim. © NDR
Die Begegnung mit Pony "Pauline" ist für die demenzkranken Senioren mehr als nur eine Abwechslung im Heimalltag.

Dann geht es nach oben. "Pauline" fährt Fahrstuhl - gemeinsam mit Janine Mühlbach. Oben besucht sie einen Bewohner, der nicht mehr aufstehen kann. "Komm mal her", ruft Erwin Seidler. Er hat sie schon erwartet. Er sitzt im Bett und hält "Pauline" ein Stückchen Brot hin. Angst hat er keine, sagt er. Auf einmal wird er ganz still und blickt "Pauline" tief in ihre großen braunen Augen.

Tiere können auch Ängste auslösen 

"Es ist schön, alten Menschen Begegnungen mit Tieren zu ermöglichen", sagt Susanna Saxl-Reisen, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. Gerade, wenn sie in ihrer Biografie Kontakt zu großen Tieren hatten, könne das viel Freude bereiten. "Aber man muss vorsichtig sein, große Tiere können auch Ängste auslösen. Man muss behutsam schauen, ob es für den einzelnen älteren Menschen gut ist." In vier Wochen kommt "Pauline" wieder nach Rosdorf, um Kopf, Geist und Herz der Menschen im Altenhilfezentrum Johannishof tierisch in Schwung bringen.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 14.01.2022 | 19:30 Uhr

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