Stand: 19.08.2018 14:31 Uhr

Diesel-Skandal: VW will Beschuldigte rauswerfen

Im Zusammenhang mit dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen droht mehreren beschuldigten Mitarbeitern aus dem mittleren und oberen Management die Kündigung. Einige der hochrangigen Ingenieure sollen gegenüber den US-Behörden ausgesagt und maßgeblich zur Aufklärung der Affäre als Kronzeugen beigetragen haben. Die anstehenden Entlassungen, über die zuerst "Bild am Sonntag" berichtet hatte, will der Wolfsburger Autobauer nicht offiziell bestätigen. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ist aber in mindestens einem Fall eine fristlose Kündigung bereits ausgesprochen worden.

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VW droht Kronzeugen mit Kündigung

Der VW-Konzern geht arbeitsrechtlich mit aller Härte gegen Beschuldigte im Diesel-Betrugsskandal vor. Betroffen sind Mitarbeiter aus dem mittleren Management. Mehr bei Tagesschau.de. extern

Mitarbeiter: "Rechnen nicht mit fairer Behandlung"

Dem Rechercheverbund zufolge erhebt VW gegen Einzelne den Vorwurf, trotz Kenntnis der Betrugssoftware keine angemessenen Maßnahmen ergriffen zu haben, um den Betrug zu unterbinden. Sie hätten den Vorgang nicht ausreichend "eskaliert". Dabei beteuern die Manager, ihre Vorgesetzten informiert zu haben. Aus Kreisen der Beschuldigten heißt es, man rechne nicht mit fairer Behandlung und einer ernsthaften Prüfung der Sachverhalte seitens des Konzerns. Vielmehr habe man den Eindruck, dass die Kündigungen bereits vor den Anhörungen beschlossene Sache waren und das Verfahren nur eine "formale Scharade".  VW hatte den Betrugsskandal immer als Werk einiger weniger Techniker bezeichnet.

VW wirft Mitarbeitern Aussagen vor

VW behauptet den Mitarbeitern gegenüber offenbar, aus den Akten hätten sich neue Erkenntnisse über den Betrugsskandal ergeben. Insbesondere wirft das Unternehmen einzelnen Mitarbeitern deren Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig vor. Diese Aussagen hatten die Mitarbeiter aber teilweise gleichlautend bereits vor fast drei Jahren gegenüber VW in internen Befragungen gemacht. Offen bleibt nun, warum VW nicht damals schon arbeitsrechtliche Maßnahmen ergriffen hat.

VW: "Prüfen mögliche arbeitsrechtliche Maßnahmen"

Der Konzern selbst gibt einen Hinweis darauf, dass mehrere Kündigungen anstehen könnten: Mitte Juli habe VW Einsicht in die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Braunschweig erhalten, sagte ein Unternehmenssprecher. Derzeit bewerte VW den Inhalt dieser Akten und prüfe, ob sich daraus arbeitsrechtliche Maßnahmen ableiten ließen. Der frühere US-Staatssekretär Larry Thompson hatte zuvor fehlende personelle Konsequenzen bei VW in Deutschland kritisiert. VW hatte sich mit der amerikanischen Justiz auf Milliarden an Strafzahlungen geeinigt, aber auch der Ernennung von Thompson als sogenanntem Monitor zugestimmt, der VW bei der Aufarbeitung des Skandals auf die Finger schauen soll.

Widerstand gegen Kündigungen zu erwarten

Wie viele VW-Manager möglicherweise entlassen werden sollen, ist nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt insgesamt gegen 39 Beschuldigte. Aus diesem Kreis dürften die Betroffenen kommen. Dass am Ende jedoch tatsächlich Mitarbeiter VW verlassen müssen, ist keinesfalls ausgemacht. Denn dabei hat auch der Betriebsrat ein Mitspracherecht. Darüber hinaus ist wohl davon auszugehen, dass sich einzelne Betroffene juristisch gegen ihre Kündigung wehren werden. Das berichtet auch die Zeitung.

Belastende Aussagen gegen VW-Chef Diess

Unterdessen berichtet der "Spiegel" von belastenden Aussagen nicht nur gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, sondern auch gegen den amtierenden Konzernchef Herbert Diess. Vier in der Diesel-Affäre beschuldigte Techniker und frühere Manager hätten bei der Staatsanwaltschaft in Braunschweig ausgesagt, die Führungsspitze sei "frühzeitig und umfassend" über Manipulations-Software in den USA und drohende Strafen in Kenntnis gesetzt worden. Dennoch seien unter anderem die Aktionäre nicht informiert worden. Bei einem Treffen am 27. Juli 2015 mit Winterkorn und dem damaligen VW-Vorstand Diess sei das Thema ausführlich besprochen worden, so die Aussagen laut "Spiegel". Über dieses Treffen und die Möglichkeit, dass auch Diess bei diesem Termin informiert worden sein könnte, hatte der NDR in der Vergangenheit mehrfach berichtet. VW widerspricht jedoch: Diess und Winterkorn sei bei dem Gespräch nicht der Eindruck vermittelt worden, als handele es sich um ein großes Problem oder gar um Betrug.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.08.2018 | 14:00 Uhr

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