Blick auf die Kühltürme des Kernkraftwerks Grohnde. © dpa-Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich

AKW Grohnde: Atomkraftgegner kritisieren Rückbaupläne

Stand: 17.06.2021 12:28 Uhr

Bis Ende des Jahres ist das Atomkraftwerk Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont noch am Netz. Über die Rückbaupläne gibt es schon jetzt Ärger. Konkret geht es um Material aus der Nähe des Reaktors.

Betreiber PreussenElektra wird alle hochradioaktiven Teile ausbauen. Diese sollen später in ein Endlager gebracht werden - wenn es irgendwann eins gibt. Gleiches gilt für schwach- und mittelradioaktive Teile. Alles, was nur eine geringe Radioaktivität hat, wird freigemessen, wie es im Fachjargon heißt. Das aber finden Atomkraftgegner völlig inakzeptabel.

Streit dreht sich um Material aus dem Kontrollbereich

Rund 700.000 Tonnen Reststoffe fallen beim Abbau des Kernkraftwerks Grohnde an. Weniger als ein Prozent dieser Masse muss als radioaktiver Abfall entsorgt werden. Der größte Teil ist zum Beispiel Bauschutt, der recycelt werden kann. Damit haben die Atomkraftgegner auch kein Problem. Gestritten wird über das Material in der Nähe des Reaktors, aus dem Kontrollbereich. Apparaturen, Aggregate, Beton und Metallschrott sind leicht radioaktiv.

Weniger als die natürliche Strahlung

Die Strahlung soll aber weit unterhalb der natürlichen Strahlung liegen, der jeder Bürger in der Umwelt ohnehin ausgesetzt ist. AKW-Betreiber PreussenElektra hat deshalb beantragt, diese Stoffe freizumessen - sie zu deponieren, zu verbrennen oder zu recyceln.

Bürgerinitiative weist auf das Atomgesetz hin

Britta Kellermann von der Anti-AKW "Regionalkonferenz Grohnde abschalten" findet das völlig inakzeptabel. Auch geringe radioaktive Strahlung sei erwiesenermaßen gefährlich. Zudem müsse man sie zu der Hintergrundstrahlung hinzu addieren. Das Atomgesetz schreibe vor, radioaktives Material abzuschirmen und zu überwachen und nicht in der Landschaft zu verteilen, so Kellermann.

Umweltministerium will sich aktuell nicht äußern

Die Bürgerinitiativen befürchten auch, dass große Teile der Reststoffe aus dem AKW Grohnde in einem ehemaligen Steinbruch am Ith deponiert werden. Für die Deponie laufe gerade das Genehmigungsverfahren, sagte Kellermann dem NDR in Niedersachsen. Die Deponie sei für diese Stoffe aber völlig ungeeignet. Das für das Atomrecht zuständige niedersächsische Umweltministerium will sich zu dem Thema aktuell nicht äußern. Im Genehmigungsverfahren zum Rückbau des AKW Grohnde würden alle Einwände zu Wort kommen, hieß es. Eine Vorab-Stellungnahme könne das Ministerium nicht abgeben.

PreussenElektra verweist auf Diskussion in Entsorgungskommission

PreussenElektra-Sprecherin Almut Zyweck weist darauf hin, dass das Konzept durch die deutsche Entsorgungskommission eingehend diskutiert worden sei. Es gehe darum, Abfälle so gut es geht zu vermeiden und möglichst viele Wertstoffe wieder nutzbar zu machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.06.2021 | 12:00 Uhr

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