Stand: 29.03.2018 11:53 Uhr

Zu viel Gülle: Land will "Risikogebiete" ausweisen

Die Böden in Niedersachsen sind weiterhin mit zu viel Gülle belastet. Laut aktuellem Nährstoffbericht überschreiten sieben Landkreise die Obergrenze für Stickstoff und die künftig geltende Grenze für Phosphat. Der landesweite Überschuss an Stickstoff liegt demnach bei 68.000 Tonnen, der Überhang an Phosphat bei rund 30.000 Tonnen.

Eine Gülleausbringungsmaschine.

Niedersachsen und der Kampf gegen die Gülle

Hallo Niedersachsen -

Zu viel Gülle auf den Äckern kann zur Bedrohung für das Grundwasser werden. Jochen Oestmann ist einer der wenigen Landwirte, denen es gelingt, die passende Menge auf seinen Feldern zu verteilen.

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Zu viel Gülle und Mist auf den Äckern

Besonders betroffen sind die Regionen, in denen es besonders viele Großbetriebe mit Tierhaltung gibt. Am deutlichsten wurde der Grenzwert für Stickstoff laut Nährstoffbericht im Landkreis Cloppenburg überschritten. Die Landwirtschaftskammer hat dort im Schnitt 219 Kilogramm pro Hektar gemessen. Erlaubt sind maximal 170 Kilogramm pro Hektar. Auch in den Landkreisen Ammerland, Oldenburg, Vechta, Emsland, Rotenburg und Grafschaft Bentheim bringen die Landwirte mehr Gülle und Mist aus, als ihre Äcker verkraften können.

Phosphat-Grenzwert in vier Landkreisen überschritten

Zu viel Phosphat aus organischem Dünger fällt ebenfalls in mehreren Landkreisen an. In Cloppenburg, Vechta, Emsland und Grafschaft Bentheim wird der zulässige Überschuss-Wert von 20 Kilogramm Phosphat pro Hektar überschritten. In fünf Jahren könnte sich die Problematik verschärfen: In der ab dem Jahr 2023 geltenden neuen Düngeverordung sinkt die noch zulässige Überschuss-Wert-Grenze auf 10 Kilogramm Phosphat pro Hektar ab.

Folgen für Wasserqualität

Die Belastung mit Stickstoff und Phosphaten hat Folgen für die Umwelt: Weil Pflanzen den überschüssigen Stickstoff und Phosphat nicht aufnehmen, gelangen diese ins Grundwasser. Unter anderem die jahrelange Überdüngung hat sich auf die Wasserqualität ausgewirkt: Laut Niedersächsischem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sind nur zwei Prozent der Oberflächengewässer in einem guten Zustand. Dies beruhe insbesondere auf der nahezu flächendeckenden Belastung mit Nährstoffen (Stickstoff und Phosphor), heißt es in einer Mitteilung des Landwirtschaftsminsteriums.

Otte-Kinast: "Hier gibt es nichts zu beschönigen"

Hintergrund

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Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast versteht die Ergebnisse als "klaren Handlungsauftrag". "Hier gibt es nichts zu beschönigen", sagte sie. Die Ministerin kündigte an, dass die Regionen, in denen das Wasser besonders mit Phosphat und Nitrat belastet sei, künftig als sogenannte Risikogebiete ausgewiesen werden sollen. Die Landwirte dort sollen intensiver überwacht und beraten werden. Wer in einem ausgewiesenen "Risikogebiet" trotzdem weiter zu viel düngt, muss mit erheblichen Konsequenzen rechnen. "Irgendwann wird man mal sagen müssen: Keine Fläche - keine Tiere. Oder weniger Tiere", sagte Otte-Kinast. Bis die neue Maßnahme greift, wird es aber noch dauern: Derzeit stimme sie sich mit dem Umweltminister ab, sagte Otte-Kinast. Beide Häuser wollten in dieser Frage gemeinsam agieren. Umweltminister Olaf Lies (SPD) kündigte an, dass man "zeitnah" die konkreten Inhalte abstimmen werde. Die Ergebnisses des Nährstoffberichtes nannte Lies "besorgniserregend".

Erstmals Gärreste aus Biogasanlagen berücksichtigt

Downloads

Nährstoffbericht 2016/2017

Laden Sie sich hier den aktuellen Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer für den Zeitraum 2016/2017 runter. Download (5 MB)

Der Nährstoffbericht wird seit 2013 jährlich durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen erstellt. Im aktuellen Bericht wurden erstmals die Richtwerte der neuen Düngeverordnung vom 26. Mai 2017 berücksichtigt. Demnach müssen auch die Gärreste aus Biogasanlagen in der Nährstoffbilanz berücksichtigt werden. Das neue Kriterium hat sich im aktuellen Bericht direkt ausgewirkt: Die Wirtschaftsdüngermenge stieg im Vergleich zum vorherigen Berichtszeitraum von 58,7 auf 59,3 Millionen Tonnen - und das - obwohl die Menge von Gülle und Mist aus der Haltung von Rindern, Schweinen, Hühnern und Schafen laut Bericht um 70.000 Tonnen auf etwa 48 Millionen Tonnen gesunken ist.

Kritik von Umweltverbänden

Mehrere Umweltverbände kritisierten in einer gemeinsamen Erklärung, dass allein aus der Region Weser-Ems drei Millionen Tonnen Gülle, Hühnertrockenkot und Gärreste wegtransportiert werden mussten, da es keine ausreichende Fläche für die Ausbringung gebe. "Der Umfang der Tierhaltung muss wieder an die vor Ort zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Fläche angepasst werden", fordern Greenpeace, NABU und Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.03.2018 | 16:00 Uhr

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