Ein Wolf schaut hinter einem Baum hervor. © dpa-Bildfunk Foto: Lino Mirgeler

Umweltminister Lies fordert erneut Obergrenze für Wölfe

Stand: 20.08.2021 15:49 Uhr

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat noch einmal gefordert, die Menge der Wölfe zu begrenzen. Nach der Sommerpause will er ein Gutachten vorlegen.

Lies will damit die Frage klären, wie viele Wölfe Deutschland braucht, um die Population nicht zu gefährden. Eigentlich sei dafür der Bund zuständig - doch der mache es nicht, deshalb werde Niedersachsen selbst aktiv. Der Umweltminister blickt unter anderem auf Frankreich, wo Wölfe geschossen werden dürfen. Sie zählen zwar auch dort auf Grundlage von EU-Recht zu den geschützten Arten, doch wenn Abschreckung und Verteidigung fehlschlagen, dürfen jährlich bis zu 24 Tiere getötet werden. Lies möchte eine solche Regelung auch für Niedersachsen erreichen.

Wie viele Wölfe werden von menschlichen Nachbarn akzeptiert?

Benötigt werde auch ein Grenzwert, bis zu welcher Anzahl die Wölfe von den Menschen im direkten Umfeld akzeptiert werden, so Lies in einem Interview mit der "Nordwest-Zeitung". Liege die tatsächliche Zahl dann über der Akzeptanzgrenze, müsse der Bestand reguliert werden. Der Aufwand aber, einzelne Wölfe zu entnehmen, sei riesig. Das sei auf lange Sicht kaum praktikabel. Deshalb müsse der Bund endlich den rechtlichen Rahmen für schnellere und flexiblere Maßnahmen schaffen, forderte Lies. Dann werde es mehr Akzeptanz für den Wolf und mehr Sicherheit für die Tierhalterinnen und Tierhalter geben. Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen rund 1.500 Nutztiere von Wölfen gerissen. Mittlerweile leben 38 Rudel in Niedersachsen. Lies zufolge waren es vor vier Jahren noch zehn.

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Tierhalter begrüßen den Vorstoß

Von Tierhalterinnen und -haltern im Nordosten Niedersachsens, wo viele Wölfe leben, kam Zustimmung zum Vorstoß des Umweltministers. Sowohl der Verband Lüneburger Heidschnuckenzüchter als auch der Bauernverband Nordostniedersachsen begrüßten Lies' Forderung, den Wolf geregelt bejagen zu dürfen. Beim Bauernverband befürchtet man nach eigenen Angaben, dass das tägliche Leben auf dem Dorf durch den Wolf bald massiv eingeschränkt wird. Die Verbände räumen ein, dass dem Umweltminister bei einer möglichen Obergrenze die Hände gebunden sind, da Wölfe unter EU-Recht fallen. Auch sie wünschen sich daher, dass der Bund sich stärker einbringt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 20.08.2021 | 15:00 Uhr

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