Stand: 19.10.2018 19:33 Uhr

Tattoos: Kompromiss aus Niedersachsen gescheitert

von Lea Eichhorn

Ein ungeliebtes Tattoo weglasern lassen - das geht heute beim Arzt oder in privaten Kosmetikstudios. Allerdings sah der Bund in der fehlenden Qualifikation eine Gesetzeslücke, man wollte deshalb die Regeln für die Tattoo-Entfernung verschärfen. Am Freitag hat der Bundesrat diese Gesetzeslücke geschlossen: Ab Ende 2020 dürfen nur noch zugelassene Ärzte mit Lasern und hochenergetischen Lampen arbeiten - sofern sie über die nötige Fachkunde verfügen. Für die meisten Tattoo-Studios ist diese Entscheidung ein Ärgernis. Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD) hatte deshalb im Vorfeld für einen Kompromiss geworben.

Dermatologen verweisen auf Gefahren

Bisher bieten private Kosmetikstudios und Hautärzte die Laser-Entfernung an. Die ist nicht ohne Risiko: Der heiße Laserstrahl muss durch mehrere Haut- und Gewebeschichten durch, um die Tattoofarbe zu erreichen. Das ist schmerzhaft. Und gefährlich, wenn es von Nicht-Medizinern ausgeführt wird, sagt der Verband der Dermatologen Niedersachsen.

Tattoos: Wenn der Laser unter die Haut geht

Reimann: Fachkundenachweis als Kompromiss

Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass nur noch Fachärzte den Laser benutzen dürfen. Die Kehrseite: Privaten Studios würde damit ein Teil ihrer Geschäftsgrundlage genommen. Niedersachsen ging der Vorschlag des Bundes deshalb auch zu weit. "Wir reden jeden Tag über Fachärztemangel. Und wir weisen den Ärzten damit eine Aufgabe zu, die keine Gesundheitsbehandlung ist", so Sozialministerin Carola Reimann. Sie hatte deshalb einen Kompromiss vorgeschlagen. Private Anbieter sollten beweisen, dass sie die Arbeit mit dem Laser beherrschen. Mit einem Fachkundenachweis dürften sie ihren Job dann weiter ausüben. Der Bundesrat folgte aber weder dem niedersächsischem Sozialministerium noch dem Bund. Der wollte, dass ausschließlich Fachärzte zugelassen werden.

Tattoo-Entferner fürchten um Existenz

Andrea Goeman betreibt mehrere Studios, in denen Tattoos entfernt werden. Deutschlandweit beschäftigt sie rund 28 Mitarbeiterinnen. Die Entscheidung aus Berlin sieht sie kritisch. Sie selbst ist gelernte Heilpraktikerin, ihre Mitarbeiterinnen entweder ehemalige Krankenschwestern oder ausgebildete Kosmetikerinnen. Sie haben jahrelange Erfahrung mit dem Laser. Sie sieht sich als Expertin in der Tattoo-Entfernung, in speziellen Fällen verweist aber auch sie an den Hautarzt: "Auch wir führen natürlich ein Vorgespräch mit den Patienten, schauen uns die Haut an. Wenn irgendein Risiko besteht, dann empfehlen wir dem Patienten, sich von einem Hautarzt überprüfen zu lassen." Den Vorschlag der Sozialministerin aus Niedersachsen findet Goeman gut. Gegen einen Fachkundenachweis hätte sie keine Einwände gehabt.

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Hautärzte warnen vor Risiken des Laserns

Dermatologen dürfte der Bundesratsbeschluss entgegenkommen. Die Hautärzte sahen schon immer den Patientenschutz in Gefahr, wenn private Anbieter weiter lasern dürften. Ihre Befürchtung: Patienten werden dort nicht ausreichend über die Risiken des Laserns aufgeklärt. "Ein Arzt ist gesetzlich verpflichtet, die Risiken zu erläutern, die mit einer kosmetischen Behandlung einhergehen", sagt Wolfgang Lensing, Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen im Berufsverband der Deutschen Dermatologen. Die Studios seien vor allem daran interessiert, ihre Produkte zu verkaufen. Dazu komme, dass der Laser ein potenziell gefährliches Gerät sei, das schwere Schäden in der Haut anrichten könne. Wird der Laser falsch eingesetzt, kann es zu vernarbter oder verbrannter Haut, Infektionen oder Blutvergiftungen kommen.

Tattoos: Beliebtheit und Kosten

  • Laut einer Studie der Uni Leipzig war 2017 schon jeder fünfte Deutsche tätowiert.
  • Frauen lassen sich im Schnitt mehr tätowieren als Männer.
  • Die Tattoo-Entfernung ist meist deutlich teurer als das Stechen des Tattoos. Es reicht nicht, einmal mit dem Laser über die Haut zu fahren. Schon eine kleine Tätowierung muss mindestens sechsmal behandelt werden.
  • Zwischen jeder Behandlung zur Entfernung von Tattoos müssen zudem mehrere Wochen liegen, weil die Belastung für die Haut sonst zu groß wäre. Das dauert Monate und kostet schnell mehrere Hundert Euro.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.10.2018 | 08:00 Uhr

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