Stand: 22.07.2020 15:33 Uhr

Studie: Wachsende Kinderarmut durch Corona-Krise

Auf einem Schriftzug steht "Hartz IV: Kinderarmut" © dpa
Ein Großteil der Kinder, die Hartz-IV erhalten, leben in Ein-Eltern-Haushalten. (Themenbild)

In Deutschland lebten 2018 laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung rund 2,83 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Armut oder waren von Armut gefährdet. Bei insgesamt 10,76 Millionen Minderjährigen sind das 21,3 Prozent - mehr als jedes fünfte Person in dieser Altersgruppe. Damit liegt die Kinderarmut auf einem unverändert hohen Niveau. Zwei Kernthesen der Wissenschaftler: Zum einen sind besonders Kinder und Jugendliche aus Ein-Eltern-Haushalten - also von alleinerziehenden Müttern oder Vätern - betroffen. Zum anderen verschärft die Corona-Krise laut Bertelsmann-Stiftung die Situation einkommensschwacher Familien mit Kindern. In Niedersachsen ist der Anteil von Kindern, die in Harz-IV-Bezug leben, prozentual von 14,5 (2014) auf 14,3 (2019) nur unwesentlich gesunken.

Kinder mit alleinerziehendem Elternteil häufiger betroffen

Laut der Studie seien Alleinerziehende durch die Corona-Krise doppelt belastet. Sie seien stärker von Kurzarbeit oder Arbeitsplatzverlust betroffen. Zudem sei die Betreuungssituation durch die zeitweise Schließung von Kitas und Schulen schwierig gewesen. Kinder hätten teilweise auf warme Mahlzeiten verzichten müssen. Kinder aus einkommensschwachen Familien seien in der Mobilität und digital gegenüber Kindern aus gesicherten Einkommensverhältnissen im Nachteil. Das habe für die Gesellschaft erhebliche negative Folgen.

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Bertelsmann Stiftung: Factsheet zu Kinderarmut

Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung wächst jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut auf. Das Factsheet gibt es hier zum Download. Download (924 KB)

Kinder und Hartz IV: Fast die Hälfte der Eltern alleinerziehend

Alleinerziehende Elternteile machen deutschlandweit rund 20 Prozent aller Haushalte mit Kindern aus. In der Armutsstatistik sind sie deutlich stärker vertreten. Der Bundesdurchschnitt liegt demnach bei 45,2 Prozent für alleinerziehende Eltern im Hartz-IV-Bezug. Niedersachsen liegt im Norden mit 43,5 Prozent knapp unter dem Bundesdurchschnitt. Danach folgen Schleswig-Holstein (44,7), Bremen (46,3), Hamburg (49,6) und Mecklenburg-Vorpommern (54,7). Einen Vergleich in absoluten Zahlen enthält die Studie nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.07.2020 | 15:00 Uhr

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