Straftaten krimineller Banden nehmen in Niedersachsen zu

Stand: 22.11.2021 17:05 Uhr

In Niedersachsen gab es 2020 mehr Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität als ein Jahr zuvor: Die Zahl stieg von 62 auf 68. Im Fokus standen erneut Rauschgift- und Eigentumskriminalität.

"Mit Rauschgiftkriminalität wird im Bereich der Organisierten Kriminalität leider immer noch unglaublich viel Geld verdient", sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) bei der Vorstellung des Lageberichts "Organisierte Kriminalität 2020 in Niedersachsen". Zumeist geht es den Angaben zufolge um Kokain und Cannabis. Heroin habe dagegen an Bedeutung verloren. Im Bereich Rauschgiftkriminalität gab es 30 Verfahren - das macht allein 48 Prozent der gesamten Verfahren im Bereich der Organisierten Kriminalität im vergangenen Jahr aus. Ermittelt wurde dabei gegen 230 Tatverdächtige.

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Geldautomatensprengung - Pistorius mahnt Eigenschutz an

Mit insgesamt 18 Verfahren machte der Bereich Eigentumskriminalität den zweitgrößten Teil aus. Nach Angaben des Innenministeriums reicht die Bandbreite der Delikte von organisierten Ladendiebstählen über Auto- und Ladungsdiebstählen bis hin zu Wohnungseinbrüchen und Geldautomatensprengungen. Hinsichtlich der Geldautomatensprengungen mahnte Pistorius die Banken, sich selbst durch sicherere Automaten zu schützen. In den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden seien die Geldhäuser gesetzlich dazu verpflichtet, sich selbst besser zu schützen. Dies funktioniere offenbar sehr gut. "Denn nicht umsonst weichen die Täter vorwiegend nach Deutschland aus, um hier ihre Taten zu begehen", so Pistorius.

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Verfahren im Bereich Clankriminalität rückläufig

Sechs Verfahren, und damit vier weniger als 2019, gab es Bereich Clankriminalität. Insgesamt wurde gegen 47 Tatverdächtige ermittelt, die überwiegend im Bereich der Rauschgiftkriminalität aktiv gewesen sei, hieß es vom Innenministerium. Justizministerin Barbara Havliza erklärte, dass das Gefährliche an der Clankriminalität nicht allein der wirtschaftliche Schaden sei. "Das Gefährliche ist der Eindruck, es gebe Kriminelle in unserem Land, die machen können, was sie wollen und keiner tut etwas." So ein Gefühl dürfe sich in einem Rechtsstaat nicht verbreiten.

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Cybercrime: Herausragend ausgebildete Ermittler benötigt

Darüber hinaus wurden 2020 in Niedersachsen vier Cybercrime-Verfahren der Organisierten Kriminalität zugeordnet. In allen Verfahren spielte eine Schadsoftware eine Rolle, durch die Nutzerdaten oder Datenbanken verschlüsselt und damit dem Zugriff berechtigter Benutzer entzogen werden, eine sogenannte Ransomware. Für die Entschlüsselung fordern die Täter laut Innenministerium in der Regel hohe Geldsummen. Dieses Deliktfeld erfordere zum einen "herausragend ausgebildete Ermittlerinnen und Ermittler", zudem würden dynamisch angepasste Ermittlungsmethoden und internationale Zusammenarbeit immer notwendiger werden.

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Betrugsanrufe bei älteren Menschen nehmen zu

Ein zentraler Bereich für die Ermittler sind den Angaben zufolge inzwischen auch Betrugsanrufe bei älteren Menschen, beispielsweise von falschen Polizisten oder vermeintlichen Enkeln. Auf diesem Gebiet kommt es laut Havliza im gesamten Bundesgebiet seit einigen Jahren zu einem signifikanten Anstieg von immer schadensträchtigeren Betrugsstraftaten. Sechs Fälle ließen sich dabei 2020 auf organisierte Banden aus Deutschland und der Türkei zurückführen. Mehrere solcher Anrufer wurden dafür im vergangenen Jahr in Niedersachsen verurteilt - zu bis zu fünfeinhalb Jahren Haft.

Gesamtschaden von 132 Millionen Euro

Der Gesamtschaden durch Organisierte Kriminalität in Niedersachsen lag 2020 hochgerechnet bei etwa 132 Millionen Euro. Die Ermittlungen richteten sich insgesamt gegen 520 Tatverdächtige aus 40 verschiedenen Staaten. 33 Strafverfahren wurden laut Justizministerin Havliza abgeschlossen, 105 Angeklagte verurteilt - das seien 24 mehr als 2019. Die Strafkammern an den Landgerichten seien in diesem Jahr um 20 Stellen verstärkt worden, so Havliza. Auch in den Polizeiinspektionen arbeiten laut Innenminister Pistorius inzwischen 150 zusätzliche Fachkräfte - in den kommenden Jahren sollen weitere folgen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.11.2021 | 12:00 Uhr

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