Stand: 20.06.2019 15:38 Uhr

Schwimmmeister: Kampf gegen den Fachkräftemangel

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Als Schwimmmeister zu arbeiten bedeutet mehr als nur die Beckenaufsicht zu führen.

Sonne, Strand, ein entspanntes Leben: So oder so ähnlich könnte das Leben des Bademeisters einst ausgesehen haben - vor langer Zeit. Von diesem romantisierenden Bild ist man heutzutage weit entfernt - auch in Niedersachsen. Viele Freibäder leiden zu Beginn der Badesaison an Fachkräftemangel am Beckenrand. Vor allem Bäder in ländlichen Regionen sind von diesem Phänomen betroffen. Einige mussten ihre Öffnungszeiten herunterfahren, anderen machten sogar dicht. "Der Fachkräftemangel ist hausgemacht", sagt Mario Schaeffer, Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen und Bremen im Bund Deutscher Schwimmmeister (BDS), gegenüber NDR.de. Schaeffer schätzt, es "fehlen 200 bis 250 ausgebildete Schwimmmeister" in Niedersachsen.

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Berufsstand ist wenig attraktiv

Die Quintessenz seiner Selbstkritik vorab: Der Beruf des Schwimmmeisters ist schlichtweg unattraktiv und das hat diverse Gründe. Ein gewichtiger ist die Bezahlung. In einigen Handwerksberufen bekämen Auszubildende im zweiten Jahr mehr Geld als der Fachangestellte für Bäderbetriebe nach dreijähriger Lehrzeit. Da sei die Motivation für eine zusätzliche Meisterweiterbildung eher gering. 2005 sei die tarifliche Eingruppierung im kommunalen Bereich um zwei Gehaltsgruppen heruntergestuft worden. Dies habe man erst 2017 korrigiert, als die tarifliche Eingruppierung im öffentlichen Dienst gesetzlich neu geregelt wurde. Nun liegt der Schwimmmeister bei kommunalen Arbeitgebern nach seiner dreijährigen Ausbildung irgendwo bei 1.500, 1.600 Euro netto - inklusive Schicht- und Wochenendarbeit, Überstunden. Bei privaten Trägern sehe es noch schlechter aus, vielfach würden Gastronomie-Tarife gezahlt. "Es gibt kaum Aufstiegschancen. Häufig werden Stellen auf zwei Jahre befristet", sagt Schaeffer.

Geringe Sicherheit, hohes Maß an Flexibilität

Damit wären wir bei einem weiteren Aspekt: einem hohen Maß an geforderter Arbeitsort-Flexibilität bei geringer Sicherheit. Denn die Anzahl von Schwimmbädern sind in vielen Gemeinden überschaubar. "Wenn bei uns jemand mit der Ausbildung fertig war, musste er den Ort, die Stadt oder gar das Bundesland wechseln, um einen Arbeitsplatz zu bekommen", sagt Schaeffer. "Da haben viele lieber den Beruf gewechselt." Die Altlasten wirken nun nach. Was es brauche, sei eine verlässlichere Arbeitsplatzgestaltung. "Der Beruf des Schwimmmeisters ist immer noch ein sehr schöner Beruf", sagt Schaeffer, der seinen Traumjob seit 44 Jahren ausübt.

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Stellt sich die Frage, was den Schwimmmeister zu einem "schönen Beruf" macht. "Es ist die Abwechselung", sagt Schaeffer, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes ist. "Die Aufsicht am Becken ist eine Kernaufgabe. Aber es gehören auch andere Dinge dazu." Die Wasseraufbereitung zum Beispiel. "Das Wasser muss eine bessere Qualität haben als Trinkwasser. Da sind Chemiekenntnisse gefragt." Dazu kämen Lehrtätigkeiten wie Schwimmunterricht für Schwangere, Babys, Alte, Junge, gesundheitliche Prävention wie Aquajogging, Personal- und Haushaltsplanung. Ein schöner Aufgabenmix.

Schaeffer fordert einheitliche Regeln

Ideen, die Missstände abzustellen, hat Schaeffer. "Man muss dem Beruf die prekären Arbeitsverträge nehmen und den jungen Menschen in Sachen Fortbildung, Gehalt und Karriere eine Zukunftsorientierung bieten", sagt der Landesvorsitzende. ""Eine bundeseinheitliche Regelung muss her. Ich würde mir eine Einrichtung wie die Pflegekammer für Schwimmmeister wünschen, von der alle Kollegen erfasst würden und man eine Gegenkraft zu den Arbeitgebern bilden kann."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.06.2019 | 06:00 Uhr

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