Risikogebiete: Beherbergungsverbot gilt ab Sonnabend

Stand: 09.10.2020 09:57 Uhr

Das gestern angekündigte Beherbergungsverbot für Touristen aus Risikogebieten soll in Niedersachsen bereits ab Sonnabend greifen. Das sieht eine entsprechende Verordnung vor.

Der Entwurf dazu liege vor, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen. Dieser sieht vor, dass es Urlaubern aus Corona-Risikogebieten auch in Niedersachsen künftig nicht mehr erlaubt ist, in einem Hotel oder einer Ferienwohnung zu übernachten - es sei denn, sie weisen einen aktuellen negativen Corona-Test vor. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte die Maßnahme am Donnerstag im Landtag kurzfristig angekündigt, ohne einen Starttermin zu nennen. FDP und Grüne hatten dies vor dem Hintergrund der beginnenden Herbstferien kritisiert.

Ausnahme bei negativem Testergebnis

Gelten soll das Beherbergungsverbot für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen. Maßgeblich sei das Datum der Einreise nach Niedersachsen, sagte Weil. So soll vermieden werden, dass kurzfristig Aufenthalte abgebrochen werden müssten.

Weitere Informationen
Behelfsmäßig stehen Krankenbetten in einer Messehalle in Hannover. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Anstieg von Corona-Infektionen: Ist Niedersachsen gewappnet?

Steigen die Infektionszahlen weiter sprunghaft an, müssen bald wieder mehr Patienten im Krankenhaus behandelt werden. mehr

Niedersachsen folgt elf anderen Ländern

Das Land folgt damit nachträglich dem Beschluss einer Schaltkonferenz der Chefs der Staatskanzleien der Länder mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Mittwoch. Darin hatten sich elf Bundesländer für ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus Risikogebieten entschieden. Niedersachsen hatte sich dem zunächst nicht angeschlossen und wollte sich innerhalb der Landesregierung abstimmen.

Weil: Entscheidung nicht "leichten Herzens"

Ministerpräsident Weil begründete am Donnerstag die Entscheidung für ein Übernachtungsverbot mit den stark steigenden Infektionszahlen - sowie dem Vorangehen der anderen Bundesländer: Niedersachsen wolle nicht allein dastehen und Gäste aus Risikogebieten sozusagen einladen. Weil sagte, die Landesregierung verhänge das Verbot nicht "leichten Herzens". Er wisse, dass die neuen Auflagen im Tourismus zu großen Unsicherheiten führen, so Weil. Der Ministerpräsident stellte weitere Hilfen für Hotels in Aussicht, sollten diese nötig werden.

Videos
Die Gesprächspartnerin zu Vechta.
4 Min

Corona: Landesregierung berät über Beherbergungsverbot

Im Landkreis Vechta wurde der Corona-Grenzwert bereits überschritten. Was heißt das für die Herbstferien? 4 Min

Althusmann: Zehn Millionen Euro für betroffene Betriebe

"Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen", sagte auch Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Aber die Entwicklung der Infektionen zwinge die Landesregierung zu dieser Maßnahme. "Wir müssen alles unternehmen, um einen erneuten Lockdown zu vermeiden. Für die niedersächsische Tourismuswirtschaft ist das ein herber Rückschlag in der gerade begonnenen Erholungsphase", betonte Althusmann und kündigte kurzfristige Hilfsmaßnahmen im Umfang von bis zu zehn Millionen Euro an. Damit wolle man die Einnahmeausfälle ausgleichen.

"Die Telefone brechen zusammen"

Kritik kam auch vom Tourismusverband Niedersachsen. Dort sprach man sich für eine einheitliche Regelung in ganz Deutschland aus. Sowohl für Gäste als auch für Betriebe, die mit Stornierungen und Rückzahlungen konfrontiert würden, sei die Situation nicht einfach. In den Urlaubsgebieten in Niedersachsen herrschte am Donnerstag große Verunsicherung. "In den Tourismuszentralen brechen die Telefone zusammen", sagte Ulrich von dem Bruch, Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH. "Alle wollen wissen, wie es weitergeht." Carola Schmidt, Geschäftsführerin des Harzer Tourismusverbands, sieht aktuell kein Anrecht auf Stornierung für Gäste aus Risikogebieten, aber es gebe viele "Goodwill"-Regelungen, was zuletzt gut funktioniert habe.

 

Weitere Informationen
Ein Mann hält eine Einmal-Maske an den Gummibändern in den Händen © Colourbox Foto: nito

Urlaub trotz Corona: Welche Regeln gelten für Risikogebiete?

Für jedes Land gelten individuelle Empfehlungen. Auch in Deutschland gibt es wieder Einschränkungen für Reisende. mehr

Ein Abstrichstäbchen wird in einer Corona-Test- Einrichtung gehalten. © picture alliance/dpa Foto: Britta Pedersen

Wo gilt ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus Hotspots?

Wo man hinfahren und übernachten kann, wo Quarantäne gilt - ein Überblick bei tagessschau.de. extern

Eine Frau mit Schutzmaske wehrt mit einer Handhaltung den Betrachter ab. © Shopping King Louie Foto: Shopping King Louie

Cloppenburger in Niedersachsen willkommen

Anders als in anderen Bundesländern gilt in Niedersachsen kein Beherbergungsverbot für Gäste aus dem Landkreis Cloppenburg. Wegen hoher Infektionszahlen soll dort nun die Bundeswehr helfen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.10.2020 | 10:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Delmenhorsts Oberbürgermeister Axel Jahnz trägt einen Mund-Nasen-Schutz bei einer Pressekonferenz. © NDR

Delmenhorst verschärft Corona-Regeln wegen Infektionszahlen

Das öffentliche Leben in der Stadt wird erheblich eingeschränkt. Das teilte Oberbürgermeister Jahnz am Montag mit. mehr

Passanten laufen durch eine Innenstadt. © dpa-Bildfunk Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Corona-Inzidenz: Schärfere Maßnahmen in der Region Hannover

Auch Delmenhorst reagiert auf kritische Zahlen. In weiten Teilen Niedersachsens steigen die Zahlen ohne lokale Hotspots. mehr

Gesine Wischmann, Leiterin der Florafarm hält zwei Ginseng-Wurzeln auf ihrer Plantage in Bockhorn bei Walsrode in den Händen. © dpa - Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Einzigartig in Europa: Walsrode startet Ginseng-Ernte

Wegen warmer Temperaturen fällt die Ginseng-Ernte dieses Jahr besonders gut aus. Corona sorgt für zusätzliche Nachfrage. mehr

Mehrere Wölfe machen Halt auf einem Waldweg und schauen in die Kamera. © NDR

Immer mehr Wölfe: Jäger fürchten um Akzeptanz

Die Bereitschaft, den Wolf zu akzeptieren, könnte in der ländlichen Bevölkerung demnach völlig verloren gehen. mehr