Online-Handel: Das Kreuz mit den Retouren

Stand: 21.04.2021 20:42 Uhr

Während viele Geschäfte in Niedersachsens Innenstädten gerade um ihre Existenz kämpfen, kommen Onlinehändler mit den Bestellungen kaum hinterher. Schon vor der Corona-Krise waren sie gut im Geschäft.

Kleidung, Elektrogeräte, Spielsachen - im Lockdown haben Kunden meist gar keine andere Wahl, als online zu bestellen. Nach einer Umfrage der Universität Bamberg unter 103 Onlinehändlern in Deutschland wurden im Jahr 2020 von März bis August 17,4 Prozent mehr Sendungen verschickt als im gleichen Zeitraum 2019. Und wo mehr bestellt wird, wird auch mehr zurückgeschickt. Denn die Kunden bestellen im Netz, ohne die Ware vorher in der Hand gehabt oder anprobiert zu haben.

315 Millionen Pakete 2020 zurückgeschickt

Wenn online bestellt wird, gibt es immer das Problem der Retouren. Diese Quote verringerte sich zwischen März und August 2020 bei den befragten Händlern zwar von 17,8 auf 15,9 Prozent. Angesichts der stark gestiegenen Anzahl von Bestellungen wurden 2020 voraussichtlich trotzdem deutlich mehr Pakete zurückgeschickt: Im Jahr 2019 waren es in Deutschland nach Angaben der Forscher rund 301 Millionen Pakete - 2020 seien einer ersten Schätzung zufolge 315 Millionen zurückgeschickt worden.

Wie viel Ware wird wirklich vernichtet?

Großen Konzernen wurde in der Vergangenheit oft vorgeworfen, tonnenweise retournierte Ware zu vernichten. Welche Dimension die Vernichtung von Waren genau hat, ist laut der Umweltorganisation Greenpeace unklar. Klar ist: Retouren bedeuten für einen Anbieter nicht nur fehlenden Umsatz, sondern sie verursachen auch Lager- und Personalkosten. Schließlich muss die Retoure geprüft und in den Lagerbestand zurückgeführt werden. Das Vernichten von Ware ist für den Händler offenbar manchmal einfacher und günstiger.

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Greenpeace-Aktivisten hängen an einem Amazon Logistik Gebäude Transparente mit der Aufschrift :"#amazoncrime" auf. © dpa-Bildfunk Foto: Georg Wend

Kritik an Amazon & Co.: Retouren für den Müll?

Wenn Pakete zurück an den Händler gehen, werden Waren häufig vernichtet. Viel zu häufig, sagt Greenpeace und hat in Winsen bei Amazon protestiert. Was ist dran an der Kritik? (17.07.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 21.04.2021 | 19:30 Uhr

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