Stand: 11.02.2019 20:45 Uhr

Nordsee: 1.300 Plastikteile pro Quadratkilometer

Der Großteil des Mülls, der an Stränden angeschwemmt wird, besteht aus Plastik. (Archivbild)

1.300 Plastikobjekte durchschnittlich pro Quadratkilometer - so vermüllt ist der Boden der Nordsee. Diese Erkenntnisse bekamen am Montag die Mitglieder des Umweltausschusses im Niedersächsischen Landtag zu hören. "Damit liegt die Nordsee im internationalen Vergleich im Mittelfeld. Die Belastung entspricht ihrer starken kommerziellen Nutzung", sagte der Meeresbiologe Lars Gutow vom Alfred-Wegener-Institut, der die Zahlen mitbrachte. Der Ausschuss wollte von ihm und anderen Fachleuten wissen, wie sich Plastikmüll verringern lässt und welche Gefahren von ihm ausgehen. Eine Gefahr besteht etwa für Seevögel: Sie verfangen sich öfter in Netzresten und würden darin erdrosselt. Gutow zufolge sind etwa 76 Prozent der Kunststoffobjekte am Meeresboden Überreste aus der Schleppnetzfischerei.

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Meeresbiologe Lars Gutow brachte Zahlen mit in den Umweltausschuss - und die waren erschreckend.
Müll wandert von der Nordsee zur Arktis

Die Experten des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts haben auf der Nordsee eine küstennahe und eine küstenferne Ansammlung von Müll ausgemacht. Der Müll nahe der Küste stamme vor allem aus den Flussmündungen von Weser, Ems und Elbe. Küstenferner Müll komme hingegen aus der Mündung der Themse in Großbritannien und mehrerer Flüsse in Frankreich. Ein Großteil dieses Mülls treibt den Berechnungen zufolge von der Nordsee weiter in den Nordatlantik. "Die Nordsee ist ein wichtiges Quellgebiet für den Müll in der Arktis", sagte Gutow.

Strafen für Verbraucher gefordert

Dabei sind nicht nur Netze ein Problem: Neun Milliarden Getränkeflaschen, drei Milliarden Kaffeebecher und 509 Millionen Take-away-Verpackungen verbrauchen Konsumenten in Deutschland jährlich. Das sagte Dorothea Seeger vom Meeresschutzbüro des Bundes für Natur- und Umweltschutz (BUND). Und nicht alles davon dürfte im Abfallcontainer landen. Verbraucher, die etwa Zigarettenfilter oder Plastikbecher achtlos in die Gegend werfen, sollten daher bestraft werden, meinte Jürgen Bertling vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik. Supermärkte, Fastfood-Ketten und Kioske sollten zur Kasse gebeten werden für die Einwegverpackungen, in denen sie ihre Produkte anbieten.

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Treibgut an Stränden fast zu 90 Prozent aus Plastik

Aus einem im Januar veröffentlichten Zustandsbericht zur Nordsee geht hervor, dass die Belastung mit Plastikmüll zwischen 2011 und 2016 nicht zurückgegangen ist. Demnach sind pro 100 Meter Strandabschnitt bis zu 389 Müllteile zu finden - und die bestehen zu 88,6 Prozent aus Plastik. Besonders kleine Abfälle wie Strohhalme und Wattestäbchen sind demnach ein Problem, weil sie durch Wind und Wetter in noch kleinere Teile zerfallen und zu Mikroplastik werden. Dieses gerät dann in den Nahrungskreislauf: 60 Prozent der untersuchten Eissturmvögel in der deutschen Nordsee haben bereits zu viele Plastikpartikel im Magen. Die Folge: Die Vögel fressen nicht mehr und verhungern. Experten warnen seit Längerem, dass Mikroplastik über Lebensmittel wie Seefisch und Muscheln auch in die Nahrung des Menschen gelangen könnte.

Arbeitgeber: Neue Gesetze notwendig

Selbst dem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Chemischen Industrie in Norddeutschland erschließt sich nicht, "warum eine Gurke im Supermarkt noch in Plastik eingeschweißt ist", sagte Jochen Wilkens am Montag. Zwar habe Deutschland im internationalen Vergleich bei der Entsorgung von Kunststoffabfall schon viel erreicht. Doch für weniger Abfall müsse es auch eine Gesetzesänderung geben. Kunststoffschalen für Fleisch beispielsweise ließen sich gut recycleln - dies sei aber lebensmittelrechtlich nicht erlaubt.

Anträge von Grünen, SPD und CDU

Sowohl die Grünen als auch die Regierungsfraktionen von SPD und CDU haben Anträge in den Landtag eingebracht, in denen sie sich für eine Eindämmung von Plastikabfällen einsetzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.02.2019 | 19:00 Uhr

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