Stand: 20.04.2019 11:28 Uhr

Nitrat-Überschuss: Bericht liefert brisante Zahlen

Trotz der intensiven Diskussion um die Nitrat-Belastung landet in Niedersachsen weiterhin zu viel Dünger auf den Äckern. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) unter Berufung auf Berechnungen der Landwirtschaftskammer. Demnach sollen zwischen dem 1. Juli 2017 und dem 30. Juni 2018 rund 50.000 Tonnen Stickstoff mehr angefallen sein, als die Pflanzen zur Düngung gebraucht hätten. Dieser Wert ist den Angaben zufolge Bestandteil des Nährstoffberichtes, den Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Mittwoch in Hannover vorstellen wird.

Einsatz von Mineraldünger geht zurück

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Stickstoffüberschuss um rund 18.000 Tonnen. Das liege vor allem daran, dass die Landwirte weniger industriell hergestellten Mineraldünger einsetzten. In der Tierhaltung dagegen fiel jedoch fast genauso viel Gülle oder Mist an wie zuvor. Besonders stark belastet sind demnach die Böden in den Regionen Vechta, Oldenburg sowie im Emsland.

Deutschland drohen hohe Strafzahlungen

Die Zahlen des Nährstoffberichts sind durchaus brisant, da Deutschland derzeit mit der EU-Kommission verhandelt, wie das Grundwasser hierzulande besser geschützt werden kann. Die Bundesrepublik hat zwar bereits die Düngeregeln verschärft, aus Sicht der Kommission reicht das jedoch nicht aus. Viele Messstellen weisen weiterhin zu hohe Nitrat-Werte auf. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs drohen hohe Strafzahlungen von bis zu 860.000 Euro pro Tag. Das Bundesagrarministerium teilte der "NOZ" mit, zwischen Bundesregierung und den Bundesländern liefen noch Gespräche, wie sich die Anforderungen aus Brüssel umsetzen ließen.

Grüne fordern strenge Auflagen

Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke sagte, der Rückgang beim Stickstoffüberschuss zeige, dass die Branche das Problem angehe. Aber es sei auch richtig, dass dies noch nicht reiche. Die Grünen-Agrarexpertin Miriam Staudte kritisierte, dass die Landesregierung wirksame Maßnahmen zum Wasserschutz verschlafen habe. Sie forderte besonders strenge Auflagen für Regionen mit hoher Grundwasserbelastung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.04.2019 | 10:00 Uhr

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