Stand: 10.09.2019 18:58 Uhr

Niedersachsen verschärft seine Düngeregeln

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Landwirte müssen Gülle und Gärreste künftig genau analysieren lassen, bevor sie sie auf den Feldern ausbringen.

Landwirte in Niedersachsen müssen sich auf schärfere Düngeregeln einstellen. Angesichts von belastetem Wasser und überdüngten Böden haben die niedersächsischen Ministerien für Landwirtschaft und Umwelt am Dienstag einen Entwurf für eine neue Düngeverordnung vorgestellt. 39 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Niedersachsen gelten neuen Grundwasser-Analysen zufolge als nitratbelastet - und damit als "rote Zone". Insgesamt geht es um eine Fläche von rund einer Million Hektar. Um sicherzustellen, dass künftig nur noch so viel Dünger auf die Äcker kommt, wie die Pflanzen wirklich brauchen, müssen Landwirte in weiten Teilen des Landes ihre Gülle und die Gärreste aus Biogasanlagen genau analysieren lassen, bevor sie sie auf den Feldern ausbringen.

In den rosa markierten Gebieten ist das Grundwasser durch Nitrat belastet. Die grauen Markierungen sind Gebiete, in denen das Oberflächenwasser phosphatbelastet ist.

Zu viel Nitrat in 38 Landkreisen und kreisfreien Städten

Außerdem muss Dünger künftig innerhalb von einer Stunde in die Böden eingearbeitet werden, anstatt wie bisher innerhalb von vier Stunden. Ab Juli 2021 sollen die Landwirte darüber hinaus die Lagerkapazität für Gülle auf sieben anstelle der bisherigen sechs Monate erhöhen. Von den insgesamt 37 Landkreisen und acht kreisfreien Städten im Land sind dem Entwurf zufolge nur die sieben folgenden Gebiete nicht als nitratsensibel eingestuft worden. In allen anderen gilt das Grundwasser als zu stark mit Nitrat belastet.

Düngefahrzeug auf einem Feld

Verschärfte Düngeregeln bereiten Bauern Sorgen

Hallo Niedersachsen -

Weil fast 40 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen in Niedersachsen überdüngt sind, gibt es künftig strengere Auflagen. Das stellt viele Landwirte vor Probleme.

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Nitrat: Nur sieben Gebiete ohne Belastung

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Phosphat: Ein Prozent der landwirtschaftlichen Flächen belastet

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Als phosphatbelastet gelten den Angaben zufolge ein Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Niedersachsen - das entspricht etwa 35.000 Hektar. Auch in diesen Gebieten soll der Dünger auf seinen Nährstoffgehalt untersucht werden, damit die Landwirte gezielter düngen können. Und auch hier sollen Landwirte ihre Lagerkapazität für Gülle auf sieben statt der bisherigen sechs Monate erhöhen. Zudem ist laut dem Entwurf auf den hoch und sehr hoch versorgten Böden nur eine reduzierte Düngung mit Phosphat erlaubt.

Landkreise mit zu hoher Phosphatbelastung:

  • Ammerland
  • Osnabrück
  • Diepholz
  • Cuxhaven
  • Region Hannover
  • Nienburg (Weser)
  • Schaumburg
  • Göttingen

Lies: Früheres Handeln hätte es einfacher gemacht

Umweltminister Olaf Lies (SPD) räumte ein, dass die Maßnahmen hart seien. In den Gebieten bestehe aber Handlungsbedarf. "Wenn man konsequent vor vielen Jahren Maßnahmen ergriffen hätte, wäre es leichter gewesen", sagte Lies. Kritik kommt vom Landesbauernverband: Die Festlegung auf Gebiete belaste etliche Landwirte unnötig. Deshalb fordert der Verband Korrekturen.

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Otte-Kinast: Einige Betriebe werden aufgeben

Landvolkvizepräsident Holger Hennies sagte allerdings auch, dass den Landwirten grundsätzlich bewusst sei, dass gehandelt werden müsse. Die Landwirte sorgten sich aber wegen weiterer Verschärfungen, über die die Bundesregierung derzeit mit der EU verhandelt. Vor diesem Hintergrund geht Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) davon aus, dass einige Bauern die Tierhaltung aufgeben könnten. Denn die Massentierhaltung gilt als einer der entscheidenden Faktoren für die Überdüngung. Etwa drei Viertel aller Höfe halten Tiere.

EU fordert noch schärfere Regeln

Die EU-Kommission hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte im Grundwasser verklagt und im vergangenen Jahr vor dem Europäischen Gerichtshof recht bekommen. 2017 hatte die Bundesregierung die Vorgaben geändert, die nun aber erneut verschärft werden müssen. Andernfalls drohen hohe Strafzahlungen an die EU. Niedersachsen ist neben Sachsen-Anhalt eines der letzten Bundesländer, das seine Düngeverordnung verschärft hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.09.2019 | 14:00 Uhr

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