Ein Wolf läuft auf einem Weg in einem Wald. © NABU/Kathleen Gerber Foto: Kathleen Gerber

Niedersachsen plant Aufnahme von Wölfen ins Jagdrecht

Stand: 24.09.2021 08:53 Uhr

Die niedersächsische Landesregierung plant, Wölfe ins Jagdrecht aufzunehmen. Einer Ausnahmegenehmigung zum Abschuss bedarf es dem Entwurf zufolge aber weiterhin. Kritik kommt von Naturschützern.

Die Landesjägerschaft und auch Weidetierhalter begrüßen den Schritt der Landesregierung hingegen. Der Sprecher der Landesjägerschaft, Florian Rölfing, weist darauf hin, dass man sich darauf vorbereiten müsse, dass die Anzahl der Wölfe bald so hoch sei, dass ein "günstiger Erhaltungszustand" der Art erreicht sei. Carl Kuhlmann, der Vorsitzende der Lüneburger Heidschnuckenzüchter, nennt das neue Landesgesetz zwar einen wichtigen ersten Schritt, fordert aber, dass der Wolf möglichst bald auch gejagt wird, da dies die Zahl der Risse von Schafen und Schnucken reduziere.

Lies: Jeder Abschuss braucht weiterhin Genehmigung

Das neue Jagdgesetz könnte möglicherweise zum 1. Januar 2022 in Kraft treten, sagte ein Sprecher der CDU-Landtagsfraktion dem NDR in Niedersachsen am Donnerstag. Zunächst hatte die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) über die Pläne berichtet. Umweltminister Olaf Lies (SPD) betonte, dass es trotz der geplanten Aufnahme keine Möglichkeit geben werde, den Wolf flächendeckend zu bejagen. Für den Wolf sei eine ganzjährige Schonzeit vorgesehen, jeder Abschuss müsse wie bisher einzeln genehmigt werden, so Lies weiter.

Grüne kritisieren "Symbolpolitik"

Die Grünen im Landtag lehnen den Gesetzentwurf ab. "Das ist reine Symbolpolitik der Groko aus SPD und CDU", sagte Fraktionsvize Christian Meyer. Der Wolf bleibe auch nach einer förmlichen Aufnahme ins Jagdrecht ganzjährig geschützt und dürfe nicht bejagt werden.

NABU: "Der Wolf ist und bleibt streng geschützt"

Ähnlich sieht das das Naturschutzbund NABU in Niedersachsen. "Der Wolf ist und bleibt durch internationale und nationale Gesetze streng geschützt", sagte Landesvorsitzender Holger Buschmann. "Auch die Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz wird daran nichts ändern, und Ausnahmegenehmigungen bedürfen immer einer konkreten Begründung", betont Buschmann. Er kritisierte, dass mit einer Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht Jägern und Weidetierhaltern suggeriert werde, dass Abschüsse schneller möglich wären. Das sei aber ein falsches Versprechen.

Herdenschutz statt Jagdrecht

Auch befürchtet Buschmann, dass mit dem Vorhaben die Verantwortung für Abschüsse auf Jägerinnen und Jäger abgewälzt wird. Er schlägt stattdessen vor, die finanzielle Unterstützung für Herdenschutzmaßnahmen auszubauen.

Toepffer spricht von "zunehmender Bedrohung"

"Der Abschuss des Wolfes ist dort, wo keine anderen Abwehrmaßnahmen zielführend sind, die einzig richtige Antwort auf die zunehmende Bedrohung", sagte CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer. "Wenn sein Fortbestand nicht länger gefährdet ist, gehört der Wolf wie jedes andere Wildtier auch ins Jagdrecht aufgenommen." In dem Gesetzentwurf heißt es: "Liegt eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung vor, kann die Jagdbehörde durch Verfügung für einen oder mehrere Jagdbezirke eine Jagdzeit für die Erlegung eines oder mehrerer Wölfe festlegen."

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"Wichtiges Signal" für Weidetierhalter und Jäger

Der Entwurf sei wichtiges Signal für Weidetierhalter und Jäger in Niedersachsen, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Schmädeke. Die mehrfachen Risse von Weidetieren trotz Einzäunung zeigten, dass wolfsabweisende Einzäunungen der Nutztiere nicht die alleinige Lösung seien. Die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht ändere aber nichts an seinem Schutzstatus, betonte die SPD-Abgeordnete Karin Logemann.

Zahl der Wolfsangriffe stark gestiegen

In Niedersachsen leben 350 bis 400 Wölfe, schätzen Experten. Die Zahl der Übergriffe auf Weidetiere in Niedersachsen sei von acht im Jahr 2012 auf etwa 230 Übergriffe in diesem Jahr gestiegen, so das Umweltministerium.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 24.09.2021 | 07:30 Uhr

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