Ein Traktor fährt Gülle auf ein Ackerfeld. © imago Foto: Marius Schwarz

Ministerium: Noch Jahrzehnte zu viel Nitrat im Grundwasser

Stand: 09.11.2021 12:50 Uhr

Eigentlich sollte sich der Zustand des Grundwassers in Niedersachsen bis 2027 verbessern. Nun hat das Umweltministerium mitgeteilt, dass die EU-Vorgaben nicht eingehalten werden können.

Das hat das Ministerium auf eine Anfrage der Grünen im Landtag eingeräumt, berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Demnach geht es um 39 Grundwasserkörper, die aufgrund der Nitratbelastung in einem schlechten Zustand seien - und zwar noch bis in die 2040er-Jahre hinein. Damit könne die entsprechende EU-Wasserrahmenrichtlinie nicht eingehalten werden, heißt es in dem Bericht. Diese Richtlinie schreibt vor, dass sich der Zustand eigentlich bis 2027 verbessert haben muss.

Nitrat im Wasser und die Folgen

Nitrat ist ein Salz, das aus Stickstoff und Sauerstoff besteht. Es ist natürlicher Bestandteil von Düngern, wie zum Beispiel Gülle. Überschüssiger Dünger landet im Grundwasser. Naturschutzverbände kritisieren, Landwirte würden ihre Pflanzen über Bedarf düngen, nach dem Prinzip "viel hilft viel". Die Bauern entgegnen, dass sie sich das gar nicht leisten könnten. Für den Menschen ist Nitrat selbst nicht toxisch, aber Bakterien wandeln es im Körper in krebserregende Stoffe um. Erwachsene verarbeiten ein gewisse Menge Nitrat. Säuglinge aber können von zu viel Nitrat sterben - die sogenannte Blausucht nimmt ihnen die Luft zum Atmen.

Vorgabe der EU nicht zu erreichen

Laut Ministerium seien bis dahin zwar alle erforderlichen Maßnahmen eingeleitet, damit das Ziel langfristig erreicht werde. Die Prozesse "im Kontext des Grundwassers" würden sich jedoch über teilweise sehr lange Zeiträume erstrecken, sodass die Vorgabe bis 2027 nicht zu erreichen sei. Die Grünen-Agrarexpertin Miriam Staudte kritisierte die Landesregierung: "Damit kippt sie den Folgeregierungen das Problem vor die Füße", wird Staudte in dem NOZ-Bericht zitiert.

Länder für Umsetzung der EU-Vorgaben zuständig

Bereits 2018 hatte der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass Deutschland gegen die europäische Nitratrichtlinie verstoße, und Maßnahmen gegen die Verunreinigung des Grundwassers angemahnt. Zum 1. Mai 2020 trat daraufhin eine neue Düngeverordnung mit Gegenmaßnahmen in betroffenen Bereichen in Kraft. Für die Ausweisung dieser Gebiete sind die Bundesländer zuständig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.11.2021 | 08:00 Uhr

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