Ein Schild was auf die 2G-Regel hinweist hängt in einem Cafe in der Göttinger Innenstadt. © picture alliance/dpa/Swen Pförtner Foto: Swen Pförtner

Niedersachsen: Mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene

Stand: 22.09.2021 11:09 Uhr

Neuer Leitindikator, mehr 2G - und Einschränkungen für Ungeimpfte: In Niedersachsen gilt ab heute eine neue Corona-Verordnung. Details hat der Krisenstab der Landesregierung am Dienstag vorgestellt.

Die neue Verordnung gelte bis zum 10. November, um das Land gut durch die Herbstferien zu bringen, sagte Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des Krisenstabs. "Wir haben uns mit dem Bund darüber verständigt, die Indikatoren neu zu sortieren. Wir werden ab sofort einen Leitindikator haben - das ist dann die Hospitalisierung, also der Krankenhauswert", sagte Schröder. Dabei seien Neuaufnahmen von Covid-Patientinnen und -Patienten der letzten sieben Tage bezogen auf 100.000 Einwohner relevant.

Kritik an Hospitalisierungsrate

"Wir werden diesem Leitindikator die beiden weiteren Indikatoren Inzidenz und Intensivbettenauslastung an die Seite stellen", so Schröder. So werde die Entwicklung der schweren Verläufe in den Kliniken in den Fokus genommen, um die Pandemie zu bewerten. Eine Warnstufe ist laut neuer Verordnung erreicht, wenn der neue Leitindikator und einer der beiden anderen Indikatoren genau definierte Schwellenwerte überschreiten. Es gibt aber auch Kritik an der Hospitalisierungsrate, die bundesweit die bisherige Sieben-Tage-Inzidenz als Leitindikator für die Schutzmaßnahmen gegen die Pandemie abgelöst hat. Die vom RKI ermittelte Rate unterschätze die Zahl der Covid-19-Infizierten in den Krankenhäusern.

Kritische Werte müssen fünf Tage am Stück überschritten sein

Ausgerufen werden die Warnstufen künftig vom Land, wenn die Indikatoren Hospitalisierung und Intensivbetten die kritischen Werte an fünf aufeinanderfolgenden Tagen überschreiten. Die Warnstufe gilt dann am übernächsten Tag, so Schröder. Wenn hingegen die Indikatoren Hospitalisierung und Neuinfizierte die Schwellenwerte überschreiten, rufen Landkreise oder kreisfreie Städte die Warnstufen aus. Hintergrund ist, dass die Werte Hospitalisierung und Intensivbetten landesweit erhoben werden, während sich die Sieben-Tages-Inzidenz bei den Neuinfizierten auf den Wert in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt bezieht.

Was bedeuten 3G- und 2G-Regel?

Nur Geimpfte, Genesene oder Getestete (3G) erhalten Zutritt zu Innenräumen von Behörden und anderen Einrichtungen wie Restaurants, Kinos, Fitnessstudios oder Krankenhäusern. Ausgenommen sind Kinder unter sieben Jahren und minderjährige Schüler, die regelmäßig getestet werden. Bei einem niedrigen Corona-Risiko kann die Regelung ausgesetzt werden. Antigen-Schnelltests dürfen nicht älter als 24 Stunden sein, PCR-Tests nicht älter als 48 Stunden. Gäste von Beherbergungseinrichtungen müssen bei der Anreise einen negativen Test vorweisen und diesen alle 72 Stunden wiederholen. Bei der 2G-Regel reicht ein Test nicht aus, hier haben nur Geimpfte oder Genesene Zutritt.

Land macht 2G attraktiv für Dienstleistungen, Gastronomie und Events

In geschlossenen Räumen gilt bei der Warnstufe 1 wie bisher die 3G-Regel. Gastronomen, Kulturveranstalter, Frisöre und Fitnesstudiobetreiber beispielsweise können sich aber auch dazu entscheiden, nur noch Geimpfte und Genesene einzulassen - also das 2G-Modell anzuwenden. "Immer dann, wenn ich bei einer Veranstaltung oder in einer Einrichtung den Zutritt auf 2G - Geimpfte und Genesene - beschränke, entfallen alle Einschränkungen: Dann brauche ich keinen Abstand einzuhalten, dann brauche ich auch keine Mund-Nasen-Bedeckung mehr", kündigte Schröder an. In Warnstufe 2 wird die 2G-Regel dann Pflicht für die Innenräume von Restaurants und Cafés. In Warnstufe 3 gilt das dann auch für Indoor-Veranstaltungen. Ist das Personal geimpft oder genesen, muss es keine Maske mehr tragen, auch wenn der Abstand von eineinhalb Metern regelmäßig unterschritten wird.

Einschränkungen für Ungeimpfte - mit Ausnahmen

Ungeimpfte Menschen müssten besonders geschützt werden, sagte Schröder. "Das Pandemie-Geschehen spielt sich mittlerweile vorrangig in der Gruppe der Ungeimpften ab." Zudem liege das Land bei der Zweit-Impfquote deutlich unter dem vom RKI ausgegebenen Impfziel von 80 bis 85 Prozent, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Dementsprechend müssten ungeimpfte Menschen mit Einschränkungen rechnen. Es gibt aber Ausnahmen: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren etwa. Sie haben trotzdem Zugang zu Orten, an denen die 2G-Regel gilt - und das ohne zusätzlichen Test, da sie regelmäßig in Schulen und Kitas getestet werden. Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen oder an klinischen Corona-Studien teilnehmen, hätten ebenfalls weiterhin Zugang zu "2G-Räumen", müssten dann aber einen negativen Schnelltest vorlegen, heißt es. Für diese Gruppe sollen Schnelltests auch in Zukunft kostenlos bleiben.

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Grafik: Drei Coronaviren (modellhaft) auf schwarzem Hintergrund. © picture alliance Foto: 360-berlin/ Jens Knappe

Änderung der niedersächsischen Corona-Verordnung

Die ab 22. September gültige Verordnung soll bis zum 10. November gelten. Download (509 KB)

Aufhebung aller Maßnahmen derzeit nicht in Sicht

Von einem sogenannten Freedom Day, dem Wegfall aller Corona-Regeln, hält die Landesregierung derzeit nichts. Um auf die Corona-Regeln wieder ganz verzichten zu können, müssten sich noch deutlich mehr Erwachsene impfen lassen, so Schröder. "Wir müssen bei den Erwachsenen eine Impfquote von 80, 85 Prozent erreichen - und zwar über alle Altersgruppen", sagte Schröder. Das sei bisher lediglich bei der Altersgruppe der Über-60-Jährigen der Fall. Wenn das bei den 18- bis 59-Jährigen erreicht werde, "ist die Gruppe der Ungeimpften so klein, dass wir sie mit unserer Impfung mit schützen können", sagte Schröder. "Bis dahin haben die Ungeimpften ein enormes Risiko."

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Hallo Niedersachsen | 22.09.2021 | 08:00 Uhr

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