Stand: 09.05.2019 11:32 Uhr  - NDR Info

Gefährliche Wölfe: Lies für schnelleres Handeln

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Lies kritisiert, dass auf Bundesebene keine klaren Aussagen über die Gesamtpopulation der Wölfe in Deutschland getroffen worden sind.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) hat auf NDR Info eine Neuregelung des Bundesnaturschutzgesetzes gefordert. Vor allem in Bezug auf die Wölfe im Norden forderte er, den Ländern mehr Entscheidungsoptionen einzuräumen. Man müsse zügiger handeln dürfen, wenn ein Übergriff auf Nutztiere erfolgt ist. Der Schutz der Wölfe habe dort Grenzen, wo sie immer wieder Zäune überwinden und Nutztiere reißen. "Es sollte auch klar sein, dass in den Fällen, wo die einzelnen Wölfe nicht so identifizierbar sind, auch auf einzelne Tiere eines Rudels geschossen werden kann", sagte Lies im Interview auf NDR Info.

"Wir brauchen Zahlen zur Gesamtpopulation"

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Die Umweltminister sind in Hamburg zusammengekommen, um unter anderem über eine CO2-Steuer zu beraten. Vor der Konferenz demonstrierten Bauern und Schäfer für mehr Schutz vor Wölfen. mehr

Lies kritisierte, dass man auf Bundesebene noch immer keine klaren Aussagen über die Gesamtpopulation der Wölfe in Deutschland getroffen habe. Er verstehe nicht, was daran so schwierig sei. "Mir kann jetzt keiner erklären, dass man nicht in der Lage ist aufgrund der von uns gemeldeten Zahlen abzuleiten, wie groß der Bestand ist. Wir wissen ja genau wie viele Wölfe es in Niedersachsen, Deutschland oder Polen gibt, weil wir es ja melden müssen." Nur so könne man den Menschen deutlich machen, wie viele Tiere es irgendwann sein werden. "Dann können wir auch erklären, wie wir mit der Situation umgehen, wenn diese Zahl erreicht ist", sagte Lies.

Probleme dürfen nicht verharmlost werden

In Niedersachsen sei man sich dem Problem der Nutztierrisse durchaus bewusst. Kritik von Organisationen wie dem Aktionsbündnis Forum Natur, dem unter anderem der Deutsche Jagdverband und auch der Deutsche Bauernverband angehören, dass die bisherige Wolfspolitik die Probleme verharmlose, wies Lies für Niedersachsen zurück. "Das ist nicht die Politik, die ich in Niedersachsen betreibe, sondern wir sagen ganz klar: Da, wo es zu Problemen und Nutztierrissen kommt, handeln wir."

Lies hofft, dass die Konferenz der Umweltminister in Hamburg die richtigen Signale in Richtung Bund sendet. Am Ende aber müsse der Bund entscheiden. Lies gab zu bedenken, dass er das größte Problem darin sehe, dass "die Länder, die nicht betroffen sind, weil sie eben in geringer Zahl oder gar keine Wölfe haben, diese Diskussion gar nicht nachvollziehen" können.

Lies plädiert für Einführung einer CO2-Steuer

Ein weiteres Thema bei dem Treffen der Umweltminister ist die CO2-Steuer auf fossile Brennstoffe. Lies sprach sich auf NDR Info für die Einführung der Abgabe aus, um die deutschen Klimaziele doch noch zu erreichen.

Kritik an der Steuer von mehreren Unionspolitikern wies er zurück. Das Argument, die Abgabe löse soziale Verwerfungen aus, könne er nicht gelten lassen. Hier müsse nach Lösungen gesucht werden, so Lies.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 09.05.2019 | 06:50 Uhr

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