Impfkampagne stockt: Kaum Lieferungen, überlastete Hotline

Stand: 29.01.2021 21:51 Uhr

Parallel zu den übrigen Corona-Impfungen in Pflegeeinrichtungen sollen nun zu Hause lebende über 80-Jährige gegen das Virus immunisiert werden. Beides könnte sich noch eine Weile hinziehen.

Seit Donnerstag können sich mehr als 500.000 Seniorinnen und Senioren im Land telefonisch um Termine für die zwei benötigten Impfungen bemühen. Für die meisten dürfte das allerdings ein frustrierendes Unterfangen sein, denn zumindest an diesem Tag war die Hotline mit der Telefonnummer (0 800) 99 88 665 für viele nicht zu erreichen. Die Leitungen waren angesichts der zahlreichen Anrufe überlastet, wie eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums sagte. Man bitte Impfwillige deshalb um Geduld und darum, es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zu versuchen. 250 bis 300 Mitarbeitende besetzen die Hotline und sollen montags bis sonnabends in der Zeit von 8 bis 20 Uhr die Anrufe entgegennehmen.

Weitere Informationen
Ein Fläschchen mit Corona-Impfstoff. © Colourbox

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Impfung

Wer, wann, wie, wo - NDR.de beantwortet hier die wichtigsten Fragen zum Thema Impfungen gegen das Coronavirus. mehr

Termine innerhalb kurzer Zeit vergeben

Zunächst konnten lediglich 18 der 50 Impfzentren Termine anbieten, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Bis Freitagnachmittag sicherten sich dem Ministerium zufolge rund 10.000 über 80-Jährige einen Erst- und Zweittermin. In etlichen Landkreisen wird der vorhandene Impfstoff zunächst für die Alten- und Seniorenheime gebraucht, zum Beispiel im Landkreis Schaumburg. Über die Telefon-Hotline können sich Interessierte - wenn sie denn durchkommen - aber weiterhin auf eine Warteliste für das Impfzentrum ihrer Wahl setzen lassen. Am Donnerstag nutzten rund 6.000 Menschen dieses Angebot.

Online-Portal funktioniert - wie angekündigt - nur bedingt

Auch das offizielle Online-Impfportal des Landes Niedersachsen hatte mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. So wurden beispielsweise bei der Suche nach dem nächstgelegenen Impfzentrum die Zentren in Hannover und Oldenburg gar nicht in der Ergebnisliste angezeigt. Wie auch an etlichen anderen Orten standen hier gar keine Termine zur Verfügung. Eine Warteliste gibt es auf dem Portal nach Angaben des Gesundheitsministeriums derzeit noch nicht. Die Seite werde aber wieder aktiv, sobald weitere Landkreise Termine eintragen, hieß es.

Landesregierung erwartete technische Probleme

Auf der Internetseite steht werden verfügbare Impfzentren angezeigt. © https://www.impfportal-niedersachsen.de/portal/
Personen aus Hannover beispielsweise wurde auf dem Portal des Landes als nächstgelegenes Impfzentrum Peine angeboten.

Die Landesregierung hatte vorab angekündigt, dass technische Probleme mit der Telefon-Hotline und der Anmeldeplattform im Internet erwartet werden. Zudem hieß es, dass wegen der geringen verfügbaren Impfstoffmenge im ersten Schritt höchstens 15.000 Termine in bis zu 30 der 50 Impfzentren vergeben werden könnten.

Immer noch nicht genug Impfstoff

Ein Problem ist nach wie vor, dass in Niedersachsen nicht so viel Impfstoff ankommt wie ursprünglich geplant und mit den Pharmafirmen vereinbart war. Zweimal sind nun schon versprochene Teil-Lieferungen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs ausgefallen, unter anderem wegen einer Produktionsumstellung in einem belgischen Werk. Auch Moderna liefert bislang nur einen Teil der angekündigten Dosen. So hinkt die Landesregierung mit ihrem Impfplan hinterher.

Drei Gruppen für die Impfungen mit Priorität

Bei der Priorisierung der Impfgruppen hält sich Niedersachsen an die von der Ständigen Impfkommission ausgearbeitete Reihenfolge. Neben den über 80-Jährigen gehört zur ersten Gruppe unter anderem auch Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko, etwa Beschäftigte von Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdiensten. Zur zweiten Gruppe mit hoher Priorität zählen unter anderem Menschen, die 70 Jahre oder älter sind, außerdem Personen mit Demenz oder einer geistigen Behinderung sowie enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen. Zur dritten Gruppe gehören Menschen ab 60 Jahren, außerdem Krebskranke und Diabetiker. Auch Kräfte von Polizei und Feuerwehr, Erzieher, Lehrkräfte sowie Mitarbeitende in Unternehmen der kritischen Infrastruktur werden der dritten Gruppe zugeordnet.

Videos
Eine Grafik zeigt einen Monitor und eine Spritze.
1 Min

Wie funktioniert ein mRNA-Corona-Impfstoff?

In der EU stehen wohl bald die ersten Corona-Impfstoffe zur Verfügung. Es handelt sich um sogenannte mRNA-Impfstoffe. 1 Min

Drei Impfstoffe zugelassen

Die Impfung erfolgt bislang nur mit zwei Vakzinen: dem des Mainzer Unternehmens Biontech und seinem US-Partner Pfizer sowie dem des US-Herstellers Moderna. Beide sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. Am Freitag genehmigte die EU-Kommission den Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca. Während die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) auf eine Altersgrenze verzichtet, empfiehlt die Ständige Impfkommission in Deutschland das Medikament nur für Menschen unter 65 Jahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Hallo Niedersachsen | 29.01.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Blütenblätter einer Tulpe liegen auf einem Kalenderblatt, das den 8. März zeigt © dpa Foto: Jens Wolf

Frauentag als Feiertag? Niedersachsen diskutiert im Netz

Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben sich schon an der NDR Umfrage bei Facebook beteiligt. 90 Prozent sind dafür. mehr