Herdenimmunität von 85 Prozent: Behrens ist skeptisch

Stand: 06.07.2021 19:28 Uhr

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) geht nicht davon aus, dass eine Herdenimmunität von 85 Prozent in Niedersachsen erreicht werden kann. Grund sei der Anteil an Kindern unter zwölf Jahren.

Wenn man von einer beginnenden Herdenimmunität ab 85 Prozent der Bevölkerung ausgehe, brauche man in Niedersachsen nahezu alle Erwachsenen, sagte Behrens im NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen. Elf Prozent der Niedersachsen seien unter zwölf Jahre alt. "Und für die gibt es noch keinen Impfstoff", sagte die Ministerin. Dies sei eine hohe Herausforderung.

Impfquote von 70 Prozent als Ziel für den Herbst

Behrens betonte, dass man landesweit in den sogenannten vulnerablen Gruppen, dass heißt Menschen über 60 Jahren, eine hervorragende Impfquote erreicht habe. Mehr als 80 Prozent hätten eine Erstimpfung bekommen, der Wert der Zweitimpfung liege bei über 60 Prozent. Wenn man landesweit eine Impfquote von 70 Prozent erreichen würde, sei man "gut vorbereitet für den Herbst". Bis Montagabend seien in Niedersachsen insgesamt 7,5 Millionen Impfungen vorgenommen worden. Behrens zeigte sich zuversichtlich, dass das Land im kommenden Herbst besser durch die Corona-Lage kommen würde. Durch die laufenden Impfungen und die praktizierte Teststrategie in den Schulen, mit denen Infektionsketten erkannt und unterbrochen werden können, sei man in einer ganz anderen Situation als noch vor einem Jahr.

Behrens: Weitere Parameter neben Inzidenz nötig

Niedersachsens Gesundheitsministerin äußerte sich auch zur Diskussion über weitere Parameter, die künftig neben dem Inzidenzwert für Entscheidungen über einschränkende Maßnahmen herangezogen werden sollen. Man sei dabei, sich einzelne Parameter anzuschauen, wie man im Herbst das Infektionsgeschehen analysiert. Ein Blick nur auf die Belegung der Krankenhäuser, wie es etwa MHH-Vize-Präsident Tobias Welte vorschlägt, erscheint Behrens aber nicht ausreichend. "Wenn die Krankenhäuser sich erheblich füllen, sind wir zwei, drei Wochen zu spät, was die Infektionslage angeht. Deswegen brauchen wir Parameter, die vorher ansetzen", so Behrens. Neben einer deutlich erhöhten Inzidenz könnte das zum Beispiel auch die Zahl positiver Tests sein, sagte die Ministerin.

Aktionsprogramm für Kinder und Jugendliche

Unterdessen hatte das Kabinett am Dienstag ein Aktionsprogramm beschlossen, mit dem Kinder und Jugendliche beim Bewältigen der Corona-Pandemie besser unterstützt werden sollen. Für dieses und nächstes Jahr stehen dafür 222 Millionen Euro bereit - mehr als die Hälfte davon kommt vom Bund. Das meiste Geld geht an die Schulen - für das Programm "Startklar in die Zukunft". Damit können etwa zusätzliche pädagogische Kräfte eingestellt werden oder Sportangebote geschaffen werden. Auch Lüftungsanlagen in den Klassen eins bis sechs werden gefördert.

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70 Millionen für Tourismus und Gastronomie

Das Kabinett hat unter anderem dafür den Finanzierungsplan zum im Mai 2020 beschlossenen Covid-19-Sondervermögen aktualisiert. Neben dem Programm für Kinder und Jugendliche werden 70 Millionen Euro für das Sonderprogramm Tourismus und Gastronomie zur Verfügung gestellt. Für die Teststrategie des Landes plant das Land 370, für die Finanzierung der Impfzentren 270 Millionen Euro ein.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 06.07.2021 | 19:30 Uhr

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