Stand: 04.01.2018 19:07 Uhr

Gemischte Reaktionen auf Kriminalitäts-Studie

Die Studie der Kriminologen Christian Pfeiffer, Dirk Baier und Sören Kliem, wonach der Anstieg der Gewaltstraftaten in Niedersachsen mit dem Flüchtlingszuzug zusammenhänge, hat unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Der niedersächsische Flüchtlingsrat bekräftigte seine Forderung nach besseren Aufenthaltsperspektiven für Geflüchtete.

Caritas fordert sachliche Debatte

"Es verwundert nicht, dass die vielfach prekären Lebensumstände und die alltägliche Konfrontation mit staatlich forcierter Perspektivlosigkeit Frustration und aggressives Verhalten begünstigen können", sagte der Geschäftsführer des niedersächsischen Flüchtlingsrats, Kai Weber. Viele Missstände, die die Untersuchung anführe, würden vom Flüchtlingsrat bereits seit längerem kritisiert. Der Flüchtlingsrat forderte zudem, junge Geflüchtete verstärkt zu betreuen. Gerade die Kinder- und Jugendhilfe könne einen entscheidenden Beitrag in der Gewaltprävention leisten. Von der niedersächsischen Caritas hieß es, die Studie dürfe nicht dazu führen, Gruppen von Flüchtlingen unter Generalverdacht zu stellen. Sie forderte eine sachliche Debatte. Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt mahnte Perspektiven für junge Menschen - egal welcher Herkunft - an.

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Flüchtlingsstudie: "Prognosen wurden negiert"

Die Studie des Kriminologen Pfeiffer zu straffälligen Flüchtlingen schlägt hohe Wellen. Braunschweigs Kripo-Chef Ulf Küch beklagt, dass entsprechende Prognosen zu lange ignoriert wurden. mehr

Schnellere Abschiebungen, klare Bleibeperspektive?

In der Politik lösten die Ergebnisse geteilte Reaktionen aus: Unions-Politiker forderten schnellere Abschiebungen. Die Maghreb-Staaten müssten rasch als sichere Herkunftsländer eingestuft werden, um Asylbewerber von dort einfacher in ihre Heimat zurückschicken zu können. Nach Auffassung der Linken zeigt die Studie, wie wichtig eine klare Bleiberechtsperspektive, gute Betreuungsangebote und der Familiennachzug für die Prävention von Straftaten seien. Auch Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) sprach sich für eine zügige und menschliche Regelung beim Familiennachzug aus.

Kommentar
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"Staat muss sich Integration mehr kosten lassen"

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Nach einer neuen Studie begehen junge Flüchtlinge überdurchschnittlich häufig Straftaten. Jörg Seisselberg fordert in seinem Kommentar mehr Geld für eine bessere Integrationspolitik. (03.01.2018) mehr

Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums

Die Studie hatte ergeben, dass zwischen 2014 und 2016 die Zahl der Gewaltdelikte in Niedersachsen um 10,4 Prozent gestiegen war. Ein Großteil davon ist laut Studie jungen Flüchtlingen zwischen 14 und 30 Jahren zuzurechnen. Die Autoren wiesen aber die Schlussfolgerung zurück, dass Flüchtlinge pauschal gewaltbereiter seien. Der höhere Anteil von Gewalttaten unter Flüchtlingen sei unter anderem auch damit zu erklären, dass es sich zu einem großen Teil um junge Männer in der Altersspanne handele, in der Menschen verstärkt straffällig würden, hieß es. In Fällen seien andere Flüchtlinge die Opfer. Das Bundesfamilienministerium hatte die Studie in Auftrag gegeben. Sie stand unter der Leitung des niedersächsischen Kriminalwissenschaftlers Christian Pfeiffer.

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Über die Flüchtlinge stand schnell die Behauptung im Raum, sie würden ihre Konflikte zu uns mitbringen und seien gewaltbereit. Eine Studie zeigt, dass das nicht stimmt. Video (04:08 min)

Gewalt von Flüchtlingen trifft meist Flüchtlinge

Die Zahl der Gewaltstraftaten in Niedersachsen ist laut einer Studie gestiegen - analog zum Flüchtlingszuzug. In den meisten Fällen sind andere Flüchtlinge Opfer der Gewalt. (04.01.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.01.2018 | 08:00 Uhr

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