Stand: 16.11.2018 10:09 Uhr

Gebührenfreie Kitas: Kostenfalle Geschwisterkinder

von Holger Bock
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Familien mit Einzelkindern sollen von der Gebührenbefreiung in Kitas profitieren. Familien mit mehr als einem Kinder müssen teilweise erheblich mehr zahlen.

Gebührenfreie Kindergartenplätze sollten eigentlich ein Segen sein, vor allem für Familien, die nicht so hohe Einkünfte haben. Doch ausgerechnet die haben jetzt teilweise mit erheblich höheren Kosten zu kämpfen, ergaben Recherchen von NDR 1 Niedersachsen. Das liegt vor allem daran, dass der sogenannte Geschwisterrabatt gestrichen wurde. Niedersächsische Kommunen erhöhen nun plötzlich das Geld für das Essen oder für sogenannte Randstunden, also für die Betreuung vor 8 und nach 16 Uhr. Oder für Krippen- und Hortplätze.

Ehepaar sitzt niedergeschlagen an einem Tisch

Gebührenfreie Kitas werden zur Kostenfalle

Hallo Niedersachsen -

Trotz der gebührenfreien Kindergartenplätze müssen Familien wegen des Wegfalls des sogenannten Geschwisterrabatts teilweise erheblich mehr Geld für die Betreuung ausgeben.

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Kommunen streichen Vergünstigungen und erhöhen andere Kosten

Für manche Familien wird es wegen des Wegfalls der Geschwisterrabatte teuer - die regelt jede Kommune individuell. Früher waren Geschwister in vielen Kommunen zu 50 Prozent von den Gebühren befreit, egal ob unter Dreijährige in der Krippe, Kita- oder Hort-Kinder. Heute entfällt dieser Rabatt vielfach. Wenn eine Kommune dann auch noch die Krippen- oder Hortgebühren erhöht, steigen die Kosten enorm. Einige Kommunen haben zudem früher das Mittagessen bezuschusst. Ein Posten, den jetzt auch die Eltern tragen. Auch die Zuschläge für Randstunden sind gestiegen. Bei ungünstigen Konstellationen sind Eltern von mehreren Kindern die Leidtragenden.

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Kostenfalle Geschwisterkinder

Zwei Beispiele: Die Familie Unterstab in Munster aus dem Landkreis Heidekreis muss für ihre drei Kinder in Krippe, Kindergarten und Hort seit August 935 Euro im Monat bezahlen, fast zweieinhalb Mal mehr als vor dem Beschluss für gebührenfreie Kitas. Allein für die Krippe zahlt die Familie seit dem ersten August 2018 570 Euro im Monat. Vorher waren es 229 Euro monatlich. Susann Parlow, vierfache Mutter aus Bückeburg im Landkreis Schaumburg, sagt, die neuen Gebühren seien "völliger Irrsinn". Für zwei ihrer Kinder muss sie eine Betreuung zahlen, eins geht in den Kindergarten, das andere in die Krippe. Auch hier ist der Geschwisterrabatt weggefallen. Statt wie bisher 137 Euro muss die Familie jetzt 382 Euro im Monat berappen.

Bekannte Probleme, keine befriedigende Lösungen

Der Städte- und Gemeindebund in Niedersachsen räumt ein, dass es das Problem gibt. Aber auch Präsident Marco Trips hat keine guten Nachrichten für die betroffenen Familien. Das Land habe die Gebühren gestrichen, gebe den Kommunen aber zu wenig dafür zurück. Nun müssten die Kommunen eben andere Möglichkeiten finden. Diesen Vorwurf will Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) so nicht gelten lassen. Die Kommunen seien für den Wegfall der Gebühren ausreichend entschädigt worden. Die meisten Eltern sei durch die Gebührenfreiheit auch entlastet worden.

Minister Tonne: "Ärgerliche Einzelfälle"

Tonne spricht von "ärgerlichen Einzelfällen", in denen Eltern trotz der Gebührenfreiheit jetzt mehr zu zahlen haben als vorher. Mit diesen Kommunen werde das Ministerium nun im Gespräch versuchen, die Belastungen für einzelne Eltern zu mindern, kündigte Tonne an. Einige Familien wollen darauf nicht warten. Sie haben eine öffentliche Petition an den Niedersächsischen Landtag gerichtet. Mehr als 70 Familien haben diese Petition bereits unterstützt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.11.2018 | 17:00 Uhr

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