Stand: 08.04.2020 20:23 Uhr

Fix: Niedersachsen nimmt 50 geflüchtete Kinder auf

Am Strand des griechischen Dorfes Skala Sikamias sitzt ein in Decken eingehüllter Junge, der zuvor über die Ägäis in die EU geflohen war. © dpa - Bildfunk Foto: Angelos Tzortzinis
Die Situation für Kinder und Jugendliche in griechischen Flüchtlingslagern wird als dramatisch beschrieben. Niedersachsen will nun 50 von ihnen zur Corona-Quarantäne aufnehmen.

Es ist beschlossene Sache: Niedersachsen wird in der kommenden Woche 50 unbegleitete minderjährige Geflüchtete aus Lagern auf griechischen Inseln aufnehmen - und zwar zunächst für die 14-tägige Corona-Quarantäne, die grundsätzlich für alle Reisenden nach Deutschland gilt. Anschließend sollen sie auf mehrere Bundesländer verteilt werden. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch nach monatelangem Tauziehen entscheiden, dass die geflüchteten Kinder und Jugendlichen nach Deutschland kommen sollen. Bis zu 500 weitere sollen folgen, heißt es aus dem Bundesinnenministerium.

VIDEO: Niedersachsen nimmt 50 Flüchtlingskinder auf (3 Min)

Geflüchtete werden auf Coronavirus getestet

Die Kinder, die in der kommenden Woche eintreffen, sollen mindestens die ersten 14 Tage in einer gesonderten Einrichtung verbringen und auch auf das Coronavirus getestet werden, bevor sie auf die aufnahmebereiten Kommunen verteilt werden, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). So werde dem Gesundheitsschutz angesichts der Corona-Pandemie Rechnung getragen. Pistorius hatte sich seit langem für eine Aufnahme der Migrantenkinder stark gemacht.

Unterbringung in Jugendhilfe-Einrichtungen

"Ich bin zuversichtlich, dass wir nächste Woche die ersten Kinder hier in Deutschland empfangen können“, sagte Pistorius am Mittwoch noch vor der Entscheidung. "Damit setzt auch Deutschland ein deutliches Signal in der Koalition der Willigen." Jetzt gehe es darum, "diesen besonders schutzbedürftigen Kindern zunächst ein festes Dach über dem Kopf, fließend Wasser und ausreichend Lebensmittel zur Verfügung zu stellen", so Pistorius weiter. "Jugendhilfe-Einrichtungen sollen ihnen eine gute Betreuung und medizinische Versorgung bieten." Wo genau, das werde noch organisiert. Auch wann die Flüchtlinge eintreffen, ist nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums noch unklar. Nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen sollen sie mit einem Charter-Flugzeug kommen.

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Die niedersächsische Grünen-Abgeordnete Susanne Menge nannte die Aktion einen ersten Hoffnungsschimmer. Sie forderte die Aufnahme von weit mehr Kindern. "Es bleibt beschämend, dass Deutschland sich bisher nur dazu durchringen konnte, nur wenigen kranken Kindern zu helfen", so Menge. Niedersachsen solle sich dafür weiterhin beim Bund und in der EU dafür stark machen.

Flüchtlingsrat: Schritte völlig unzureichend

Auch der Flüchtlingsrat in Niedersachsen beklagt, dass es sich "um viel zu kleine, völlig unzureichende Schritte" handele. "Bei einer wöchentlichen Aufnahme von 50 Personen würde es Jahrzehnte dauern, bis die Lager auf den griechischen Inseln geräumt sind", sagte Sprecher Sascha Schießl.

Bund will bis zu 1.500 Kinder nach Deutschland retten

Die Aufnahme der minderjährigen Geflüchteten sei Teil einer europäischen Lösung und werde von der EU-Kommission koordiniert, heißt es vom Bund. Deutschland will in nächster Zeit noch mehr Minderjährige aus Griechenland aufnehmen. Der Koalitionsausschuss von Union und SPD hatte im März beschlossen, etwa 1.000 bis 1.500 Kinder nach Deutschland zu holen und zu betreuen. Es handelt sich demnach um Kinder, die schwer erkrankt oder unbegleitet und jünger als 14 Jahre sind.

Hygienische Zustände in Lagern katastrophal

Die Situation in den völlig überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Ägäis-Inseln ist dramatisch. Ein Ausbruch von Covid-19-Erkrankungen könne dort angesichts katastrophaler hygienischer Zustände verheerende Folgen haben, so die Befürchtung. Laut Innenministerium haben sich inzwischen zehn EU-Staaten zur Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge von den Inseln bereit erklärt. Neben Deutschland handele es sich um Frankreich, Luxemburg, Portugal, Irland, Finnland, Kroatien, Litauen, Belgien und Bulgarien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.04.2020 | 13:00 Uhr

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