Stand: 21.09.2018 15:38 Uhr

Ferkelkastration: Betäubungspflicht soll kommen

Nun kommt sie auf jeden Fall: die Betäubung für Ferkel, wenn sie kastriert werden sollen. Zum zweiten Mal sind Niedersachsens Schweinezüchter im Bundesrat mit ihrer Forderung nach einer Fristverlängerung für die betäubungslose Kastration gescheitert. Ab 2019 ist die nun verboten. "Das ist ein harter Schlag für alle Sauenhalter in Deutschland", sagte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Auch Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke wertet das Abstimmungsergebnis als herbe Enttäuschung und sprach von einem "schwarzen Freitag".

Mehrere Ferkel

Ferkel-Kastration: Otte-Kinast in Bedrängnis

Hallo Niedersachsen -

Die betäubungslose Kastration von Ferkeln ist ab 2019 verboten. Für das Scheitern der geforderten Übergangsfrist wird auch Agrarministerin Otte-Kinast verantwortlich gemacht.

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Bauern rechneten fest mit Verlängerung

Niedersachsen hatte beantragt, das betäubungslose Kastrieren bei Ferkeln übergangsweise für zwei Jahre weiterhin zuzulassen. Bis dahin sollten Ergebnisse von laufenden Studien ausgewertet, in der Praxis umgesetzt und eine breitere Akzeptanz für die Kastration durch Impfung erreicht werden. Anfang September wurde Niedersachsens Antrag zur Verlängerung der chirurgischen Kastrations-Praxis vom Ausschuss für Agrarpolitik des Bundesrates schon einmal abgelehnt. Auch die Anträge aus Bayern und Mecklenburg-Vorpommern kamen nicht durch, die sogar eine Fristverlängerung von fünf Jahren forderten. Viele Bauern in Niedersachsen hatten jedoch fest damit gerechnet, dass der Bundesrat bei seiner Sitzung am Freitag anders entscheidet - vergeblich, wie sich nun zeigt.

Eine Montag zeigt Christian Meyer (Grüne) und Jörg Bode (FDP) im Interview. © NDR

"Die gesamte Landesregierung hat versagt"

Jörg Bode (FDP) und Christian Meyer (Grüne) sind sich einig, Barbara Otte Kinast (CDU) hat versagt. Sie wollte die Betäubung bei Ferkelkastrationen weitere zwei Jahre aufschieben.

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Tierschützer bejubeln Ende der "Ferkel-Qual"

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) äußerte sich "fassungslos" über die Bundesrats-Abstimmung. Es habe sich parteipolitische Programmatik fern der Realität in den schweinehaltenden Betrieben durchgesetzt. Tierschützer hingegen begrüßten die Entscheidung. "Alle Anträge, die die Ferkel-Qual verlängern wollten, haben heute keine Mehrheit erhalten", sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Jüngste Reaktionen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bezeichnete er als "Kampfansage". Klöckner war für eine befristete Verlängerung des Verbots und hofft nun auf den Bundestag: Nur er könne noch eine Korrektur der Bundesrats-Entscheidung herbeiführen. Zwar sei der Tierschutz wichtig, so eine Sprecherin der Ministerin. Es jedoch niemandem geholfen, wenn die betroffenen Landwirte dessen Vorgaben nicht umsetzen könnten.

Kastration: Entweder schmerzfrei oder gar nicht

Bislang werden unter acht Tage alte männliche Ferkel bei vollem Bewusstsein kastriert, um den von vielen als unangenehm empfundenen Ebergeruch im Schweinefleisch zu vermeiden - eine Praxis, die Tierschützer seit Langem kritisieren. Bereits vor fünf Jahren beschloss der Bundestag die umstrittene Änderung des Tierschutzgesetzes. Danach müssen ab 1. Januar 2019 Verfahren angewandt werden, das Schmerzen bei der Kastration wirksam ausschaltet. Sofern das nicht möglich ist, müssen die Tierhalter auf eine chirurgische Kastration verzichten.

Kinast: Ende für viele Familienbetriebe

Und praktikable Alternativen? Die könnten flächendeckend in Niedersachsen aus "verschiedenen Gründen" nicht umgesetzt werden, so Agrarministerin Otte-Kinast. Sie ist überzeugt: Der Verzicht auf eine Fristverlängerung würde für viele Schweinehalter in niedersächsischen Familienbetrieben das Ende bedeuten. Ähnlich besorgt äußerte sich der Deutsche Bauernverband (DBV). Dessen Präsident Joachim Rukwied warf dem Bundesrat Blockadehaltung vor und forderte das Gremium auf, schnell eine Lösung zu suchen, "damit die deutschen Ferkelerzeuger eine Zukunft haben und im europäischen Wettbewerb mithalten können".

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 21.09.2018 | 19:30 Uhr

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