Stand: 14.07.2020 14:36 Uhr

Extra-Urlaub für Eltern: Ministerium zurückhaltend

Stephanie aus Köln sitzt mit ihren Kindern am Strand. © dpa - Bildfunk Foto: Sina Schuldt
Der niedersächsische Landeselternrat setzt sich für Extra-Urlaubstage für Familien ein. (Themenbild)

Auf den Vorschlag des Landeselternrates, Müttern und Vätern in diesem Jahr wegen der Corona-Krise zehn zusätzliche Urlaubstage zu gewähren, reagierte das niedersächsische Wirtschaftsministerium zurückhaltend - und verwies unter anderem auf die Möglichkeit der Lohnfortzahlung für Eltern, die nicht arbeiten konnten. "Um Väter und Mütter zu entlasten, hat der Bund das Corona-Steuerhilfegesetz beschlossen, das rückwirkend zum 3. März in Kraft getreten ist", teilte das Ministerium auf Anfrage von NDR Niedersachsen mit.

VIDEO: Corona-Krise: Extra-Urlaub für Eltern gefordert (2 Min)

"Ordentliche Perspektive und eine große Hilfe"

Eltern, die wegen geschlossener Schulen und Kitas nicht ihrem Job nachgehen können, erhalten jeweils bis zu zehn Wochen lang eine Lohnersatzleistung, Alleinerziehenden sogar 20 Wochen. Laut Infektionsschutzgesetz umfasst die Zahlung 67 Prozent des monatlichen Netto-Einkommens. Um diese Entschädigung zu erhalten, müssten Eltern ihren aktuellen Jahresurlaub nicht in Anspruch nehmen, so das Ministerium. "Das ist eine ordentliche Perspektive und eine große Hilfe für betroffene Eltern.

Jahresurlaub wegen Corona aufgebraucht

Viele Familien hätten ihren Jahresurlaub bereits aufgebraucht, um ihre Kinder zu betreuen, beklagt Landeselternrats-Vorsitzende Cindy-Patricia Heine und hatte deshalb zehn zusätzliche Urlaubstage für alle Eltern gefordert. Das ständige Jonglieren zwischen Homeoffice und dem Lernen zu Hause sei für Familien alles andere als erholsam gewesen. "Manch ein Arbeitgeber war kulant, andere aber auch nicht. Deswegen würden wir es gern sehen, wenn Eltern zusätzliche Urlaubstage bekommen", sagt Heine. "Wenn man darüber nachdenkt, wären zehn Urlaubstage schön. Dann würden dabei zwei Wochen gemeinsamer Urlaub herausspringen."

Wer bezahlt die zusätzlichen Tage?

Aus Sicht der Elternvertreterin sollte der Extra-Urlaub nicht zulasten der Unternehmen gehen. Die Firmen litten eh schon in der Krise "und sollten nicht noch diesen Schaden haben". Wer die zusätzlichen Tage am Ende bezahlt, das sei die "größte Frage" bei dem Thema, räumte Heine ein. Ihre Idee: Bund und Land sollten für die Kosten aufkommen - mit Steuergeld. "Die kleinen Unternehmen werden sicherlich ganz große Schwierigkeiten damit haben, deshalb muss man schauen, wie man das auffangen kann."

Unternehmer finden Idee "nicht hilfreich"

Volker Müller, Chef der Unternehmerverbände in Niedersachsen (UVN), bezeichnete den Vorstoß der Eltern als "überhaupt nicht hilfreich". Weitere zehn Tage nicht zu arbeiten, das sei das falsche Signal, so Müller. Dass der Staat die Zusatz-Tage bezahlt, hält UVN-Chef Müller für unrealistisch. Der Druck auf die Wirtschaft und die Staatsfinanzen sei zu groß. Zudem hätten die Unternehmen in den vergangenen Monaten sehr offen und flexibel reagiert, wenn Eltern Unterstützung brauchten.

DGB sieht Vorschlag differenziert

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) reagierte positiv auf die Idee, Familien mehr Zeit zu schenken. Der Wunsch nach zusätzlichem Urlaub sei nachvollziehbar, "da Eltern und Alleinerziehende in der Krise besonders belastet sind und waren", erklärte der DGB.  Allerdings sei die Forderung sehr pauschal und nicht besonders zielgenau.

Kinderschutzbund nennt Idee "innovativ"

Die Gewerkschaften sprachen sich dafür aus, gezielt diejenigen zu entlasten, die in systemrelevanten Berufsgruppen teils bis zur Erschöpfung arbeiten und dabei unterdurchschnittlich verdienen. Zusätzliche Urlaubstage für Eltern? Der niedersächsische Kinderschutzbund begegnet dieser Idee deutlich offener. "Familien werden durch die Krise schwer belastet. Der Grundgedanke hat etwas Innovatives", sagte der Vorsitzende Johannes Schmidt. Es lohne sich, so Schmidt, darüber nachzudenken und eine Debatte anzustoßen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.07.2020 | 12:00 Uhr

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