Behälter mit hoch radioaktiven Abfällen (hinten) und einige Transporthauben stehen am 16.05.2011 im Transportbehälterlager im atomaren Zwischenlager in Gorleben. © picture alliance / dpa Foto: Julian Stratenschulte

Endlagersuche: Niedersachsen plant eigenes Gutachten

Stand: 24.08.2021 10:54 Uhr

Das Land Niedersachsen will untersuchen lassen, ob tatsächlich große Teile des Landes als Standort für ein Atommüll-Endlager geeignet sind. Das Umweltministerium will dazu ein Gutachten beauftragen.

Niedersachsen stehe weiter hinter dem Auswahlprozess, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag). Als zuständiger Landesminister sehe er sich allerdings in der Verantwortung, kritisch zu hinterfragen, dass große Teile des Landes als potenziell geeignet für ein Endlager gelten, sagte Lies.

Kommen 60 Prozent des Landes infrage?

Konkret soll geprüft werden, inwieweit sogenanntes tertiäres Tongestein unterhalb des niedersächsischen Bodens als Lagerstätte taugt. Die mit der Endlagersuche beauftragte Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hatte in dem laufenden Vorauswahlprozess diese Art von Ton als potenzielles Wirtsgestein identifiziert. Laut Lies befindet sich dieses Gestein unter 60 Prozent der Landesfläche Niedersachsens.

Videos
Mehrere Trecker und Demonstrierende auf einer Landstraße
7 Min

Kein Atommüll-Endlager Gorleben: Die Stimmung im Wendland

Nach 40 Jahren Protest herrscht im Wendland Freude und Erleichterung. (04.10.2020) 7 Min

Lies: Differenzierung fehlt

Der SPD-Politiker zeigt sich allerdings verwundert darüber, dass die BGE-Experten diese gesamte Fläche als potenziell geeignet eingestuft haben. Es mangele an einer Differenzierung. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Voraussetzungen für ein Endlager unter der gesamten Fläche gleich gut sind", sagte Lies der Zeitung. Mit dem Gutachten soll dies geklärt werden. Das Land werde der BGE, aber auch anderen Bundesländern die Ergebnisse zur Verfügung stellen, kündigte Lies an.

Entscheidung in zehn Jahren

Bis 2031 soll in Deutschland ein Standort für hoch radioaktiven Abfall gefunden sein, der tief unter der Erde vergraben und entweder in Ton-, Salz- oder Granitgestein für eine Million Jahre sicher gelagert werden soll. Im Jahr 2050 soll das Endlager nach den aktuellen Plänen in Betrieb gehen.

Weitere Informationen
Demonstrierende stehen vor dem AKW in Lingen. © AG Schacht Konrad

Bundesweite Proteste gegen Schacht Konrad an 13 Orten

Die Demonstrierenden warben mit symbolischen Aktionen für ihre Botschaft "Schacht Konrad geht gar nicht". (21.08.2021) mehr

Die sogenannten "Steyerberg-Fässer" im Zwischenlager Leese. © Umweltministerium Niedersachsen Foto: Joachim Bluth

Atommüll: Lager in Leese soll wie geplant 2030 schließen

Das hat Umweltminister Lies am Donnerstag bekräftigt. Der schwach radioaktive Müll soll in den Schacht Konrad kommen. (20.08.2021) mehr

Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König © dpa Foto: Peter Steffen

Endlagersuche: Kritik an Ausschlussbemühungen einiger Länder

Ausschluss-Signale einzelner Länder legten die Axt an das Fundament des Suchverfahrens, sagte Behördenchef König. (07.08.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.08.2021 | 10:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Ein Schild weißt auf die 2G-Regel hin. © picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer Foto: Michael Bihlmayer

Niedersachsen: Mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene

Land weitet 2G-Modell in der neuen Corona-Verordnung aus. Die "Hospitalisierung" ist neuer Leitindikator für Warnstufen. mehr