Stand: 17.04.2020 21:20 Uhr

Corona: So sehen die Lockerungen konkret aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten haben am Mittwoch erste Lockerungen der Corona-Beschränkungen beschlossen. Die genaue Umsetzung der einzelnen Punkte ist nun Sache der Länder. Niedersachsen hat am 17. April dazu eine neue Verordnung erlassen. Wir haben die wichtigsten Antworten, sofern sie bereits vorliegen, für Sie zusammengestellt.

Wiederaufnahme des Schulbetriebs

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Grant Hendrik Tonne, Niedersachsens Kultusminister (SPD), spricht während einer Pk zur Entwicklung der Coronavirus-Ausbreitung in Niedersachsen und Bremen. © dpa - Bildfunk Foto: Peter Steffen
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Gestaffelte Schulöffnung: Wer wann zurückkommt

Vom 27. April bis etwa Mitte Juni soll der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden. Kultusminister Tonne erklärt, wann der Wiedereinstieg für welchen Jahrgang geplant ist. 1 Min

Die schrittweise Öffnung der Schulen in Niedersachsen soll am 27. April mit den Abschlussklassen beginnen. Das betrifft die Jahrgänge 13 in der Sekundarstufe II und die 9. und 10. Klassen in der Sekundarstufe I. Vom 4. Mai an soll dann der reguläre Schulbetrieb schrittweise nach Klassenstufen gestaffelt beginnen. Lässt das Infektionsgeschehen dies zu, sollen bis Mitte Juni alle Schülerinnen und Schüler zurückkehren. Dennoch sind dann nicht alle zeitgleich in der Schule: Klassen werden aufgeteilt, Schüler lernen abwechselnd in der Schule und zu Hause. An den Schulen werden bestimmte Hygiene- und Abstandsvorschriften gelten, die noch genauer beschrieben werden sollen. Bereits jetzt sind die Hausaufgaben für die Schüler verpflichtend. Sie waren zuvor freiwillig. Für die Jahrgänge 1 bis 8 gibt es eine Notbetreuung. Die Kultusministerkonferenz soll bis zum 29. April ein Konzept vorlegen.

Öffnung von Geschäften

Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis zu 800 Quadratmeter können ab 20. April wieder aufmachen. Wenn größere Läden ihren Verkaufsraum auf 800 Quadratmeter beschränken, können auch sie öffnen. Unabhängig von der Größe dürfen Buchläden, Fahrrad- und Autohändler ab Montag den Betrieb wieder aufnehmen. Voraussetzung für die Öffnung sind Maßnahmen zur Hygiene. Außerdem soll der Zutritt gesteuert werden. Wie das im Detail umgesetzt werden soll, wurde noch nicht mitgeteilt. Die Bibliotheken dürfen öffnen.

Betrieb von Friseursalons

Zwei Hände schneiden mit Schere und Kamm Haare © NDR Foto: Carolin Fromm
Friseursalons dürfen nun doch ab dem 4. Mai wieder öffnen. (Themenbild)

Nach Verwirrungen darüber, wann genau Friseure wieder an den Start gehen dürfen, hat eine Sprecherin der Staatskanzlei am Freitagabend klargestellt: "Wenn alles gut geht, und das Infektionsgeschehen in den nächsten zwei Wochen nicht aus dem Ruder läuft, werden die Friseure am 4. Mai wieder öffnen - und nicht erst am 7. Mai wie irrtümlich angegeben." Dies werde "mit der nächsten Bearbeitung der Verordnung umgesetzt", hieß es weiter. Die Frieseure müssen allerdings Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen erfüllen. Zudem sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönliche Schutzausrüstungen tragen. Andere Dienstleistungsbetriebe aus dem Bereich der Körperpflege wie Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoo-Studios bleiben dagegen weiter geschlossen.

Verbot von Großveranstaltungen

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Festival-Szene
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Großveranstaltungen bis Ende August abgesagt

Wegen der Corona-Pandemie sind alle Großveranstaltungen bis Ende August abgesagt. Das Hurricane-Festival in Scheeßel, das Uelzen Open Air und das Maschseefest können nicht stattfinden. 3 Min

Großveranstaltungen sind bis vorerst 31. August 2020 verboten. In Niedersachsen sind unter anderem Schützenfeste und das Maschseefest in Hannover betroffen, außerdem die Musikfestivals Deichbrand und Hurricane. Das betrifft Veranstaltungen, Ansammlungen und Zusammenkünfte mit 1.000 oder mehr Menschen.

Abstand halten: Kontaktbeschränkungen

Eine selbst gemaltes Hinweisschild mit zwei Strichmännchen mit der Bitte den Abstand zwischen zwei Personen auf mindestens 1,5 Meter zu halten. © picture alliance Foto: Frank May
In der Öffentlichkeit sind mindestens 1,5 Meter Abstand weiterhin Pflicht.

Die Kontakt-Vorgaben bleiben unverändert: In der Öffentlichkeit müssen Menschen mindestens 1,5 Meter Abstand von anderen halten und dürfen sich nur alleine, mit Personen aus dem eigenen Haushalt oder maximal einer weiteren Person aus einem anderen Haushalt aufhalten. "Dies gilt weiterhin verbindlich, und Verstöße gegen diese Kontaktbeschränkungen werden entsprechend von den Ordnungsbehörden sanktioniert", heißt es im Bund-Länder-Beschluss.

Gastronomie und Hotellerie

Keine Lockerung gibt es auch bei Hotels, Restaurants und Cafés. Gaststätten dürfen außer Haus verkaufen, aber nicht wieder öffnen und vor Ort servieren. Übernachtungsangebote zu touristischen Zwecken bleiben untersagt.

Gottesdienst und andere religiöse Zusammenkünfte

"Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen sowie religiöse Feierlichkeiten und Veranstaltungen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften sollen zunächst weiter nicht stattfinden", geht aus der am Freitag in Kraft getretenen niedersächsischen Allgemeinverordnung hervor. Das Bundesinnenministerium "wird gemeinsam mit Vertretern aus dem Kreis der Ministerpräsidenten mit den großen Religionsgemeinschaften noch in dieser Woche das Gespräch aufnehmen, um einen möglichst einvernehmlichen Weg vorzubesprechen."

Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen

Behindertenwerkstätten und Ausbildungseinrichtungen für Menschen mit Behinderungen sind geschlossen und bleiben dies auch. Vielfach dürfen sich die Betroffenen auch nicht in angeschlossenen Internaten oder von den Einrichtungen betriebenen Wohngruppen aufhalten. Von dem Betretungsverbot sind Menschen mit Behinderung ausgenommen, deren Betreuung anderweitig nicht sichergestellt werden kann. Die Betreiber solcher Einrichtungen müssen sich laut Allgemeinverfügung an die strikten Abstands- und Hygieneregeln halten.

Arztbesuche, Apotheken und Hebammen-Inspruchnahme

Niedersachsen hat noch einmal präzisiert, welche medizinischen Einrichtungen besucht werden dürfen. Dazu zählen unter anderem Ärzte, Apotheken, Optiker, wenn die Behandlung unaufschiebbar ist. Neu hinzugekommen ist die Inanspruchnahme von Hebammen-Leistungen, die jetzt ausdrücklich erlaubt ist.

Schutzmasken: Empfehlung, keine Pflicht

Das Tragen von sogenannten Alltagsmasken wird insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkauf dringend empfohlen. Die Nutzung ist allerdings freiwillig, eine Pflicht gibt es noch nicht. Laut Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) liegt das daran, dass die Verfügbarkeit zurzeit noch nicht gewährleistet ist. Die Masken könnten in öffentlichen Räumen, in denen der Mindestabstand nicht immer einzuhalten ist, das Risiko von Infektionen reduzieren, heißt es in dem Beschluss von Bund und Ländern.

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Corona in Norddeutschland
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.04.2020 | 16:00 Uhr

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