Eine Frau schaut aus dem Fenster, Coronaviren schweben durch den Raum. (Montage) © Colourbox, Fotolia Foto: Alexandr, psdesign1

Corona: Vom Warten auf Regeln - und der Eigenverantwortung

Stand: 09.04.2021 15:02 Uhr

Wie kann die dritte Corona-Welle gestoppt werden? Geht es nur mit einem verordneten "harten Lockdown"? Die Politik sendet verwirrende Signale. Aber zum Glück kann auch jeder einzelne was tun.

von Sabine Reimers

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht für einen harten Lockdown im Moment keinen Anlass. Er erkenne aktuell nicht den befürchteten exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen, erklärte er am Donnerstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Allerdings - die Zahlen zur Pandemielage seien wegen der Osterfeiertage nur eingeschränkt aussagekräftig und die Auswirkungen möglicher Familienbesuche noch nicht erkennbar. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht die Lage anders: Im Gegensatz zu Weil spricht sie sich angesichts der Infektionslage klar für kurze aber verschärfte Einschränkungen aus.

Weil legt auf Twitter nach

In einem längeren Twitter-Tweet legte Weil am Donnerstag nach und warnte vor Aktionismus. In der Kurznachricht heißt es unter anderem: "Diejenigen, die einen kurzen und harten #Lockdown fordern, sind bisher viele Antworten schuldig geblieben. Was heißt kurz - eine Woche, drei Wochen? Was heißt hart - soll die gesamte Wirtschaft stillgelegt und Schulen und Kitas komplett geschlossen werden?" Er würde sich zunächst auch von denjenigen Ländern die Anwendung schärferer Maßnahmen wünschen, die diese bisher noch gar nicht alle anwenden würden, so der SPD-Politiker. Die Reaktionen auf Weils Meinungsäußerung im Internet reichten von Zustimmung bis zu scharfer Kritik.

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Bund-Länder-Runde abgesagt

Ursprünglich wollte sich die Bund-Länder-Runde am Montag wieder zusammenschalten, um die weiteren Schritte zu besprechen. Doch die Gespräche fallen aus, wie eine Regierungssprecherin bestätigte. Stattdessen wolle das Kabinett am Dienstag ein geändertes Infektionsschutzgesetz auf den Weg bringen, das dem Bund mehr Kompetenzen gibt. Geplant ist demnach, dass künftig der Bund die Regeln vorgibt, sobald ein Landkreis den Inzidenzwert von 100 überschreitet.

Doch auch wenn härtere Maßnahmen erlassen werden sollten - sie helfen nur, wenn die Bevölkerung sich auch daran hält. Auf der anderen Seite wären strengere Regeln womöglich gar nicht nötig, wenn jeder einzelne alles tun würde, um sein Infektionsrisiko zu minimieren. Wie sehr halten wir uns noch an Corona-Regeln und Empfehlungen? Wie sieht es mit unserer Eigenverantwortung aus? Einer Studie aus Hildesheim zufolge glauben wir ja offenbar, alles richtig zu machen.

Hygiene, wenig Kontakte - und Gurgeln?

Eigentlich ist inzwischen jedem klar, was wir tun können, um die Pandemie zu bekämpfen, bevor ausreichend Impfstoff vorhanden ist: Es sind die Hygieneregeln und die Reduzierung von Kontakten. Darüber hinaus empfehlen einige Ärzte auch das Gurgeln mit bestimmten medizinischen Mundspülungen. "Abends gurgeln schützt einen selbst, morgens die anderen", sagt Britta Schirdewan, Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie aus Hannover über diese simple Maßnahme.

Schwere Verläufe nur bei großer Menge an Viren

Für einen schweren Krankheitsverlauf muss laut Schirdewan eine große Menge an Viren in die Lunge gelangen und sich in den Lungenzellen vermehren. Das Gurgeln am Abend habe den Effekt, dass ein großer Teil der über den Tag eingeatmeten und angesammelten Viren auf der Schleimhaut abgetötet würde, bevor diese überhaupt in die Lunge gelangen könnten. Für den Fall, dass man selbst infiziert sei, könne das Gurgeln am Morgen dazu führen, dass man - wenn überhaupt - das Virus wahrscheinlich nur in geringer Menge an andere weitergibt.

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Ich oder andere - wer hält sich besser an die Regeln?

Die Mehrheit der Menschen glaubt allerdings schon jetzt von sich selbst, besser als andere die Corona-Regeln zu befolgen - das legt eine Studie der Universität Hildesheim nahe. Per Online-Fragebogen wurden die Studien-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer etwa dazu befragt, ob und wie regelmäßig und gründlich sie ihre Hände reinigen, den Mindestabstand einhalten, möglichst oft zu Hause bleiben und überfüllte Bereiche vermeiden. Befragt wurden Menschen aus Deutschland, Großbritannien, Schweden und den USA - also aus Ländern, in denen die Regierungen sehr unterschiedlich auf die Pandemie reagiert haben. Die Überzeugung, sich selbst besser an die Regeln zu halten als andere, ist laut Studienleiter Andreas Mojzisch unabhängig vom Land nahezu identisch - also unabhängig von den durch die Regierungen verhängten Regeln.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 08.04.2021 | 19:30 Uhr

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