Stand: 24.04.2020 06:35 Uhr

Bahn gegen Bauern: Stillstand in Klein Schneen

Landwirte stehen mit ihren Traktoren vor einem gesperrten Bahnübergang. © NDR Foto: Lars Ohlenburg
Hier ging es bis vor ein paar Wochen zu den Feldern. Jetzt ist der Bahnübergang geschlossen - mit Folgen für die Landwirte.

Mehr als 80 Jahre lang konnten die Landwirte in Klein Schneen (Landkreis Göttingen) problemlos zu ihren Feldern fahren. Dafür mussten sie nur einen Bahnübergang am Ortsrand überqueren. Doch im Sommer vergangenen Jahres war plötzlich Schluss. Ein Blitz schlug in die Schranken ein, die Anlage war kaputt. Seitdem hat die Bahn bei Bedarf einen Mitarbeiter zum Öffnen der Schranke abgestellt. Doch aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der Auswirkungen auf Personal sei dies derzeit nicht möglich, heißt bei der Bahn. Die Folge: Die Schranke wurde durch einen Bauzaun ersetzt, die Straße bleibt dauerhaft dicht, und fünf Landwirte kommen nicht mehr zu ihren Feldern.

VIDEO: Wichtiger Bahnübergang für Landwirte gesperrt (3 Min)

"Persönlich eine Katastrophe"

Rund 20 Hektar Ackerfläche, darunter zum Teil bereits bestellte Felder, sind für diese fünf Landwirte aus Klein Schneen nicht mehr erreichbar. Landwirt Hendrik Werner muss düngen, Grünland schneiden und Mais aussäen - aber er kommt nicht zum Acker. "Für mich persönlich eine Katastrophe", sagt Werner NDR 1 Niedersachsen. Die Deutsche Bahn habe "gar kein Verständnis für die Landwirtschaft". Die Haltung der Bahn ist für Werner eine "Frechheit".

Der Blitz hat Schuld

Die Landwirte haben nach eigenem Bekunden bereits Regressansprüche geltend gemacht. Nach Ansicht der Bahn haben die Landwirte aber keinen Anspruch auf Schadensersatz. Denn: Nicht die Bahn habe Schuld an der kaputten Schranke und damit an der Sperrung der Straße - sondern der Blitz. Die Bauern überlegen nun, gerichtlich gegen das Unternehmen vorzugehen. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 24.04.2020 | 07:30 Uhr

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