Stand: 13.01.2018 19:00 Uhr

Jäger halten Wildschweinquote für utopisch

100 Euro "Kopfgeld" im Bundesland Hamburg; 50 Euro für jedes zusätzlich erlegte Wildschwein in Niedersachsen: Der drohende Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland, die vor allem von Wildschweinen weitergetragen wird, sorgt ganz offensichtlich für Nervosität. Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat vor wenigen Tagen angekündigt, 3,5 Millionen Euro bereitstellen zu wollen, um die Bestände von Wildschweinen im Land stärker bejagen zu lassen. Noch stärker, wohlgemerkt, denn nach Angaben von Helmut Blauth, dem stellvertretenden Präsidenten der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) würden derzeit schon etwa 50.000 Wildschweine pro Jahr geschossen.

Schweine im Stall

Landwirte bereiten sich auf Schweinepest vor

Hallo Niedersachsen -

Die Afrikanische Schweinepest könnte fatale Folgen für die norddeutsche Landwirtschaft haben. Sogenannte Biosicherheitsmaßnahmen sollen das Schlimmste verhindern.

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20 Stunden für ein Tier

Der Deutsche Bauernverband hat sich jüngst dafür ausgesprochen, 70 Prozent des Wildschwein-Bestandes zu töten. "Das ist utopisch", glaubt Blauth. "Wer soll das schaffen?" Etwa 20 Stunden brauche ein Jäger, um ein Wildschwein zu erlegen. Der Aufwand sei deutlich höher als bei anderen Tieren, etwa bei Rehen. Wildschweine sind nicht in der Dämmerung aktiv und würden einfach auch seltener stehen als Rehe. Der Jäger ist daher auf den Mond angewiesen - Nachtsichtgeräte oder Wärmebildkameras seien aber tierschutzrechtlich tabu. "Derzeit gibt es keine legale Technik, um im Dunkeln Schweine zu schießen", sagte Blauth NDR.de.

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Versteck im Maisfeld

Ein probates Mittel, um Wildschweine effektiver zu bejagen, seien sogenannte Drückjagden mit mehreren Jägern, Hunden und oft über Reviergrenzen hinaus, so Blauth weiter. Doch der logistische Aufwand sei hier viel höher - beispielsweise müssten Straßen gesperrt werden, um eine Gefährdung von Menschen durch die Tiere oder die Jäger auszuschließen. Wildschweine breiten sich in Deutschland seit Jahren rasant aus. Hintergrund sind laut LJN das nahezu frostfreie Klima der jüngsten Winter sowie die "veränderte landwirtschaftliche Bewirtschaftungsform mit einer enormen Expansion im Energiepflanzenanbau" - sprich: der Mais. Denn Wildschweine verstecken sich heute nicht mehr nur im Wald, sondern tummeln sich mit Vorliebe in hohen Maisfeldern, in denen sie nur schwer auszumachen sind. Eine Einschätzung, wie viele Wildschweine es im Land gibt, ist schwer möglich. Auf der Seite wildtiermanagement.com hat die LJN eine Karte über die Verbreitung der Tiere angelegt - die Daten stammen allerdings von 2004.

Panikmache? "Das ist Unfug"

Der Deutsche Tierschutzbund hat den vom Bauernverband geforderten massenhaften Abschuss von Wildschweinen bereits vor einigen Tagen kritisiert. Es handele sich um Panikmache und entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage, so die Tierschützer. Blauth sieht das anders. "Das ist Unfug", sagte er. Je dichter eine Population sei, desto rasanter breite sich die Seuche aus. Und nur, wenn man die Population ausdünne, sei eine Ausbreitung der Schweinepest einzudämmen. Weiterhin spricht sich Blauth für eine stärkere Kontrolle des Transitverkehrs aus den bereits betroffenen Gebieten aus: Neben den Rastplätzen an Autobahnen müssten auch die Bundesstraßen mit mehrsprachigen Warnhinweisen ausgestattet werden.

Gefahr aus dem Osten

Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit rückt die Afrikanische Schweinepest in den Wildschweinbeständen in Osteuropa nach Westen vor. Betroffen sind derzeit unter anderem Polen, das Baltikum, Moldawien, Rumänien und Tschechien. Auch Hausschweinebestände stecken sich immer wieder an. Landwirte in Niedersachsen befürchten Milliarden-Verluste, sollte die Seuche in Deutschland nachgewiesen werden. Das Friedrich-Loeffler-Institut informiert auf seiner Homepage über den aktuellen Stand der Ausbreitung der Tierseuche.

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Hallo Niedersachsen | 13.01.2018 | 19:30 Uhr

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