190 Geflüchtete aus Afghanistan in Hannover angekommen

Stand: 20.08.2021 17:54 Uhr

Am Flughafen Hannover ist am Freitag die erste Bundeswehr-Maschine mit geflüchteten Menschen aus Afghanistan eingetroffen. Die Ankunft einer zweiten Maschine verschiebt sich offenbar.

Unter den am Freitag angekommenen rund 190 Passagieren sollen 30 bis 40 Kinder und Jugendliche sein. Bei 158 Personen handelt es sich um sogenannte afghanische Ortskräfte und deren Angehörige. Zudem befanden sich nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums 32 EU-Bürger an Bord des Airbus. Busse brachten die Menschen von Terminal A zu Terminal D, wo eine Registrierungsstraße eingerichtet ist und medizinische Untersuchungen durchgeführt werden. Dort erhalten die Passagiere ohne EU-Pass ein "Visa on Arrival". Das bedeutet, dass ihr Visum bei der Ankunft erteilt wird. "Das ist eine absolute Ausnahme, für solche Fälle aber die einzig praktikable Lösung", hatte ein Sprecher des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erklärt.

Offenbar doch kein zweiter Flieger mehr

Entgegen einer ursprünglichen Ankündigung des Innenministeriums wurde für Freitagabend doch eher kein zweites Flugzeug mit Evakuierten mehr in Hannover erwartet. Das sagten Sprecher der Bundespolizei und des BAMF. Ursprünglich war von der Ankunft weiterer 250 Personen die Rede gewesen. Gründe für die Absage wurden nicht genannt.

Von Friedland in die Kommunen

Die geflüchteten Erwachsenen werden zunächst ins Grenzdurchgangslager Friedland gebracht. Nach einem Aufenthalt dort sollen sie auf die niedersächsischen Kommunen verteilt werden. "Diese Menschen durchlaufen kein Asylverfahren, sondern bekommen ein Aufenthaltsrecht aus humanitären Gründen", so ein Ministeriumssprecher. Bei rund 20 Kindern und Jugendlichen soll es sich laut dem niedersächsischen Sozialministerium um unbegleitete Minderjährige handeln. Diese würden vom Jugendamt Langenhagen in Obhut genommen und durch das Landesjugendamt betreut, hieß es.

Mindestens 450 Plätze stehen zur Verfügung

In welche Aufnahmeeinrichtungen die Afghanen gebracht werden, wird das BAMF nach der Ankunft entscheiden. Niedersachsen stellt für die Aufnahme afghanischer Ortskräfte und deren Familienangehörigen mindestens 450 Unterbringungsplätze bereit. Es könne auch sein, dass Einrichtungen in anderen Bundesländern per Bus angefahren werden, so das BAMF. In Niedersachsen bereiten sich Erstaufnahmeeinrichtungen und Kommunen auf die bevorstehende Zuweisung von Geflüchteten vor. Auch im Ankunftszentrum in Bad Fallingbostel im Heidekreis laufen nach Auskunft von Innenminister Boris Pistorius (SPD) die Vorbereitungen. Zahlreiche Städte in Niedersachsen sondieren aktuell ihre Kapazitäten zur Unterbringung der Neuankömmlinge. Viele Kommunen haben ihre Unterstützung zugesagt.

Bis Freitagmittag hatte die Luftwaffe nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums mit elf Flügen insgesamt 1.649 schutzbedürftige Personen aus Kabul ausgeflogen. Der Afghanistan-Einsatz gilt als bisher größte Evakuierungsmission der Bundeswehr.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.08.2021 | 12:00 Uhr

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