Stand: 08.07.2020 06:20 Uhr

Leiharbeit - Mehr Fluch oder Segen?

von Markus Plettendorf
Ein Monteur arbeitet am Fließband in einer Autofabrik © picture-alliance/dpa Foto: Waltraud Grubitzsch
Knapp 950.000 Menschen arbeiten in Deutschland als Leiharbeiter.

Leiharbeit hat viele Gesichter. Für Firmen ist sie eine unkomplizierte Möglichkeit, zusätzliches Personal einzusetzen, wenn besonders viel zu tun ist. Und für Arbeitslose ist sie eine Möglichkeit, schnell einen neuen Job zu finden. Rund 16 Prozent der Arbeitslosen finden bei Zeitarbeitsunternehmen eine neue Beschäftigung. Aber Leiharbeiter verdienen weniger als die Stammbelegschaften. Und manche Firmen setzen dauerhaft auf ausgeliehene Arbeitskräfte, anstatt neue Stellen zu schaffen, wie Gewerkschaften kritisieren.

Zwei Bauhelme liegen auf einer Baustelle © picture-alliance/dpa Foto: Bodo Schackow

AUDIO: "Wir geben Menschen eine Chance, die es nicht leicht haben" (5 Min)

Leiharbeit als Sprungbrett für Berufseinsteiger

Auf einem Würfel auf einem Schreibtisch steht "Bundesagentur für Arbeit". © NDR Foto: Nina Draxlbauer
Die Arbeitsagenturen sehen die Leiharbeit als Chance, Arbeitslose schnell wieder zu vermitteln.

Im Jahresdurchschnitt, bis zum Juni des vergangenen Jahres, waren knapp 950.000 Menschen in der Leiharbeit beschäftigt, sozialversicherungspflichtig oder als Minijobber. Das sind rund zweieinhalb Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland. Überdurchschnittlich häufig finden sich jüngere Menschen - oft Männer - ohne Berufsabschluss in der Leiharbeit. Mehr als jeder zweite übt eine Helfertätigkeit aus. Für Susanne Eikemeier, Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit, hat die Leiharbeit positives Potenzial: "Das bedeutet auch, dass die Zeitarbeit gerade jungen Menschen, Berufseinsteigern, Geringqualifizierten, aber auch Ausländern sehr gute Einstiegsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt bietet."

Hohes Risiko bei Konjunkturflauten

Zurzeit sind diese Einstiegsmöglichkeiten aber eher gering. Bedingt durch eine schwache Konjunktur und die Auswirkungen der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Arbeitskräften extrem zurückgegangen. Muss Personal abgebaut werden, reduzieren Unternehmen im Regelfall zunächst die Leiharbeit, erklärt Susanne Eikemeier: "Also ganz grundsätzlich beobachten wir seit Jahren, dass die Arbeitnehmerüberlassung ganz frühzeitig auf Änderungen der konjunkturellen Rahmenbedingungen reagiert. Sie ist also absolut ein Frühindikator für die Entwicklung am Arbeitsmarkt."

 "Equal Pay" erst nach neun Monaten

Lohn-/Gehaltsabrechnung © picture-alliance/imageBROKER Foto: Christian Ohde
Leiharbeiter verdienen laut DGB im Schnitt mehrere Hundert Euro weniger als die Stammbelegschaften.

Welche Chancen Leiharbeiter haben, von der Zeitarbeit in einen festen Job zu wechseln, sei vor allem von der persönlichen Qualifikation und Biografie abhängig, sagt Susanne Eikemeier. Rein statistisch seien aber drei Viertel der ehemals Arbeitslosen sowohl nach sechs als auch nach zwölf Monaten in der Leiharbeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Dort werden im Regelfall dann auch bessere Löhne gezahlt, als in der Leiharbeit. Zwar schreibt ein Gesetz seit rund drei Jahren vor, dass Beschäftigte von Zeitarbeitsunternehmen und Stammpersonal gleich bezahlt werden müssen. Allerdings erst nach neun Monaten und es gibt es zahlreiche Ausnahmen.

Serie
Auf mehreren Münzstapeln stehen Buchstaben, die das Wort "Gehalt" bilden. © picture-alliance/Panther Media Foto: Boris Zerwann

Für ein paar Euro: Wenn Arbeit nichts mehr wert ist

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 08.07.2020 | 06:20 Uhr

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